XV - 1.1.5

Paul Schwarzenau

📖 Leseprobe – 2 von 12 Seiten
Paul Schwarzenau XV - 1.1.5 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 47. EL 2016 1 OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit Stand: 16.03.2016  2. AK  Seite 1 XV - 1.1.5  Paul Schwarzenau Von Reinhard Kirste Biografisches Der spĂ€tere Evangelische Pfarrer und Theologieprofessor Paul Schwarzenau (*19. September 1923 in Dortmund-Hörde, †16. November 2006 in Steinfurt- Borghorst, MĂŒnsterland) war als junger Mann noch Teilnehmer des Zweiten Weltkriegs. Er wurde bei der Offensive der Alliierten 1944 in der Normandie (Frankreich) gefangen genommen. Im Kriegsgefangenenlager von Montpellier traf er mit Gleichgesinnten zusammen. Sie bauten durch ihre Arbeit eine Art Hochschule auf – in Verbindung mit der AcadĂ©mie Protestante de Montpellier (gegrĂŒndet 1596). Zusammen mit dem Institut Protestant de ThĂ©ologie in Paris betreiben diese beiden „FakultĂ€ten“ inzwischen gemeinsam die evangelische Theologenausbildung in Frankreich. Als staatliche Einrichtung gehört noch die Theologische FakultĂ€t der UniversitĂ€t Straßburg hinzu. Wenn man so will, darf man Paul Schwarzenau indirekt zu den MitbegrĂŒndern der „FacultĂ© Pro- testante“ zĂ€hlen. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft studierte Schwarzenau in MĂŒnster Evangelische Theologie, wo er 1955 ĂŒber Philipp Melanchthon promo- vierte. Sein Vikariat fĂŒhrte ihn wieder in seine „Heimatgemeinde“ Dortmund- Hörde, die damals durch die Kohle- und Stahlindustrie geprĂ€gt war. Schon 1952 hatte er die dortige Gemeindehelferin Erika Bithorn (1913–1996) geheiratet. Aus der Ehe sind drei Kinder hervorgegangen. 1957 wurde Schwarzenau Ge- meindepfarrer in Hemer-Landhausen (Sauerland). 1963 ging er als Studenten- pfarrer an die PĂ€dagogische Hochschule Dortmund (mit gleichzeitigem Lehr- auftrag an der Fachhochschule). Der Kontakt mit den Studierenden fĂŒhrte ihn als Pfarrer und Hochschullehrer aktiv in die studentischen AufbrĂŒche Ende der 1960er-Jahre. 1971 wurde er zum Professor fĂŒr Evangelische Theologie und ihre Didaktik an die PĂ€dagogische Hochschule Ruhr in Dortmund berufen. Diese wurde 1980 Teil des Fachbereichs 14 der UniversitĂ€t Dortmund, heute Institut Evangelische Theologie im Fachbereich Humanwissenschaften und Theologie der Technischen UniversitĂ€t Dortmund. Zu seinem 75. Geburtstag (1998) ĂŒber- reichten ihm Freunde und Kollegen im Rahmen einer Feierstunde der Univer- sitĂ€t eine Festschrift, welche die Zielsetzung seines theologischen Wirkens in besonderer Weise zum Ausdruck brachte: „Alle Wasser fließen ins Meer“ (Köln 1985). Nach ĂŒber 20-jĂ€hriger LehrtĂ€tigkeit im Bereich Evangelische Theologie --- Seite 1 Ende --- XV - 1.1.5 Paul Schwarzenau 2 und ihre Didaktik der biblischen FĂ€cher wurde Paul Schwarzenau 1985 eme- ritiert. Die Studierenden und Kollegen erinnerten bei seiner Verabschiedung daran, dass er mit dem Blick auf die Ausbildung der Religionslehrer/innen ungewöhnliche Tiefenerkenntnisse in seinen Vorlesungen und Seminaren setzte, und zwar im Kontext von Religionswissenschaft, Psychologie, Anthroposophie und neueren religiösen Bewegungen bis hin zu Fragen der Esoterik. ReligionspĂ€dagogik und Didaktik Als durchaus visionĂ€rem Denker blieb Schwarzenau jedoch die religionspĂ€- dagogische Umsetzung theologischer und religionswissenschaftlicher Erkennt- nisse fĂŒr den Unterricht in der Schule wichtig. Er hat darum wesentlich an den SchulbĂŒchern fĂŒr Evangelische Religion „Aufbruch zum Frieden“ (s. u. Literaturverzeichnis) mitgearbeitet. In die Didaktik fließen sehr bald hermeneutische Umsetzungen der Psycholo- gie C.G. Jungs und der Anthroposophie Rudolf Steiners ein. Das wird fĂŒr ihn besonders am Symbol des Kreuzes offenkundig: „Das Selbst ist ein Gottessymbol und stellt sich vor allem in impersonalen Bildern dar (Diamant, Gral, Kaabastein, Kreis und Kreuz). Die Selbst- verwirklichung besteht in der Schattenintegration, in der Vereinigung der gegengeschlechtlichen Anteile und der Zentrierung auf den Selbstkern der Person, der zugleich die Person transzendiert. Im kosmischen Geschehen wirkt der Archetyp des Selbst im transpsychischen Sinne als ursprĂŒnglicher Anordner des evolutiven Geschehens.“ 1 Über diese (Ur-)Symbolik bekommt die religionspĂ€dagogische Arbeit einen weiterfĂŒhrenden Charakter. Dennoch lag Schwarzenau daran, die theologisch- religionswissenschaftliche Basis in seinen Forschungen zu betonen, aber mit dem Impetus, daraus weitreichende Folgerungen zu ziehen. Religionswissenschaft UnabhĂ€ngig von den religionspĂ€dagogischen Vorgaben seiner Hochschule wid- mete sich Schwarzenau schon sehr bald den indischen religiösen Traditionen und lernte Sanskrit. Ein wichtiges Zwischenergebnis war das Erscheinen des Buches „Das göttliche Kind“ (Stuttgart 1984). Dort machte er auf den Arche-Westarp Science – Fachverlage
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