Mehrsprachigkeit und religiöse Bildung XIV - 6.2
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 70. EL 2021 1
Zusammenfassung
Bedingt durch Migration und gesellschaftliche Entwicklungen steigt die
religiöse Pluralität in Deutschland. Erkennbar wird diese Entwicklung an
Verschiebungen innerhalb der religiösen Landschaft: Während die Zahlen
der Mitglieder der beiden großen christlichen Kirchen sinken, steigen die
Zahlen der kleineren Konfessionen und des Islams an, gleichzeitig ist eine
kontinuierliche Verstärkung des Trends zur Konfessionslosigkeit zu beob-
achten. Diese Entwicklungen gehen mit einer steigenden sprachlichen He-
terogenität einher, bedingt u. a. durch Migration, aber auch Religions- bzw.
Konfessionszugehörigkeit. Exemplarisch steht hierfür die überwiegend
migrationsbedingte Präsenz der Orthodoxen Kirche in Deutschland mit ca.
2 Mio. Gläubigen als mittlerweile drittgrößte christliche Konfession. An
diesem Beispiel werden im vorliegenden Beitrag verschiedene Aspekte der
Intersektion von Sprache und Religion ausgeführt. Einstellungen und Prak-
tiken im Umgang mit sprachlicher Heterogenität werden mit Fokus auf der
orthodoxen religiösen Bildung dargestellt. Anschließend werden Überle-
gungen für einen sprachsensiblen Religionsunterricht angestellt, indem ein
Vorschlag zur Weiterentwicklung des Modells der Elementarisierung in
Bezug auf die sprachliche Dimension gemacht wird.
Schlagwörter
sprachliche Heterogenität, Mehrsprachigkeit, Orthodoxie, orthodoxer Religi-
onsunterricht, Elementarisierung, sprachsensibler Religionsunterricht
XIV - 6.2 M ehrsprachigkeit und religiöse Bildung
[Multilingualism and Religious Education]
Von Yauheniya Danilovich
Submitted May 25, 2021, and accepted for publication August 23, 2021
Editor: Thorsten Knauth
Summary
Due to migration and social developments, religious plurality in Germany
is increasing. This development can be seen in the shifts within the reli-
gious landscape: while the number of members of the two major Christian
churches is decreasing, the number of members of smaller denominations
--- Seite 1 Ende ---
XIV - 6.2 Mehrsprachigkeit und religiöse Bildung
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Westarp Science – Fachverlage
1 Religionsunterricht als Teil der schulischen Bildung
Religionsunterricht ist in Deutschland nach Art. 7 Abs. 3 GG ordentliches
Lehrfach in der Schule und wird in Übereinstimmung mit den Grundsätzen
der Religionsgemeinschaften erteilt.
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In den meisten Bundesländern ist Religi-
onsunterricht ein Pflichtfach, das benotet wird und versetzungsrelevant ist. Im
Falle der Abmeldung ist stattdessen die Teilnahme am Fach Ethik verpflichtend.
Der Religionsunterricht gehört somit zum schulischen Fächerkanon und leistet
seinen Beitrag zur Allgemeinbildung.
Mehrere für den Religionsunterricht relevante Heterogenitätsaspekte wurden in
den letzten Jahrzehnten in der Religionspädagogik diskutiert. Ein prominentes
Beispiel ist die steigende religiöse Pluralität, die aktuelle religionspädagogische
Diskussionszusammenhänge prägt. Zu nennen sind außerdem interreligiöses
und interkonfessionelles Lernen sowie Konfessionslosigkeit als Herausforde-
rung im Religionsunterricht. Bei der Beschäftigung mit religiöser Pluralität
wird immer wieder auf Migrationsprozesse als für sie wichtiger Faktor hinge-
wiesen.
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Die Schrift der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) „Religi-
öse Bildung in der migrationssensiblen Schule“ betont: „Migrationssensibilität
schließt Religionssensibilität ein. Religionssensibilität ist nicht allein Aufgabe
der Religionslehrerinnen und -lehrer, sondern sollte im gesamten Raum der
Schule zum Tragen kommen“.
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and Islam is increasing. At the same time, the trend toward non-denomi- nation continues. These developments go hand in hand with increasing linguistic heterogeneity, due to migration but also belonging to a particular religion or denomination. An example of this is the predominantly migra- tion-related presence of the Orthodox Church in Germany with around 2 million believers, which is now the third largest Christian denomination in this country. Using this example, various aspects of the intersection of lan- guage and religion are discussed in the present article. Attitudes and practi- ces in dealing with linguistic heterogeneity are presented with a focus on Orthodox religious education. Then, considerations for language-sensitive Religious Education are made by suggesting to further develop the model of elementarisation with regard to the linguistic dimension.
Keywords
Linguistic Heterogeneity, Multilingualism, Orthodoxy, Orthodox Religious
Education, Elementarisation, Language-sensitive Religious Education
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Der vollständige Artikel umfasst 26 Seiten
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