Armutssensibilität im inklusiven religionsunterricht XIV - 5.1.6
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 73. EL 2022 1
Zusammenfassung
In diesem Beitrag wird herausgestellt, mit welchen Herausforderungen
inklusiver Religionsunterricht konfrontiert ist, der sich als armutssensibel
versteht. Dazu wird zunächst erörtert, wie sich Kinderarmut auf Bildungs-
chancen auswirkt und wie dieser Zusammenhang religionspädagogisch
diskutiert wird. Anschließend werden anhand des Konzepts der Inklusiven
Religionspädagogik der Vielfalt (InReV) und des Ansatzes der Aufgeklärten
Heterogenität mit Blick auf die sozioökonomische Dimension von Vielfalt
Herausforderungen für den religionspädagogischen Inklusionsdiskurs ermit-
telt. Armutssensibilität erweist sich dabei als ein von Spannungsverhältnis-
sen geprägtes Anliegen inklusiver Religionspädagogik. Zum Schluss wird
skizziert, worauf bei der Gestaltung armutssensiblen Religionsunterrichts
zu achten ist.
Schlagwörter
Armut, Kinderarmut, Inklusive Religionspädagogik, Vielfalt, Heterogenität,
Religionsunterricht, Bildungsgerechtigkeit
XIV - 5.1.6 Armutssensibilität im inklusiven
R eligionsunterricht
[Poverty sensitivity in inclusive religious
e ducation]
verA uppenkAmp
Submitted March 05, 2022, and accepted for publication June 10, 2022
Editor: Thorsten Knauth
Summary
This article highlights the challenges that inclusive religious education is
confronted with when it comes to being sensitive to poverty. To this end, it
first unpacks how child poverty affects educational opportunities and the
way in which this connection is discussed in religious education. Subse-
quently, challenges for the inclusion discourse in religious education are
identified using of the concept of Inklusive Religionspädagogik der Vielfalt
(InReV) and the approach of Aufgeklärte Heterogenität with a view to the
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XIV - 5.1.6 A rmutssensibilität im inklusiven religionsunterricht
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© Westarp Science Fachverlag
1 Vielfalt als Bereicherung? – Kritische Anfrage an ein
Inklusionsnarrativ
Vielfalt als Bereicherung gilt als ein Leitmotiv von Inklusion und ist normativ
geprägt von der Vorstellung egalitärer Differenz
1
, nach der unterschiedliche
Menschen gleichberechtigt in pädagogischen Kontexten interagieren. Vielfalt
wird hierbei positiv besetzt und als gewünschter Zustand beworben. Dass ein
solches Verständnis von Vielfalt den Erfahrungen und Lebensrealitäten einiger
Schüler*innen nicht entspricht, wurde bereits und besonders im Zusammen-
hang mit sozioökonomischer Vielfalt kritisiert.
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Das Verständnis von Vielfalt
als Bereicherung im Zusammenhang mit Kinderarmut läuft Gefahr, Leiderfah-
rungen zu bagatellisieren und zur Legitimation struktureller Ungerechtigkeiten
beizutragen. Was in Bezug auf andere, insbesondere horizontal verstandene
Differenzen als Narrativ schlüssig und empowernd wirkt, gerät auf der Ebene
als vertikal bezeichneter Differenz an eine Grenze.
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Daher schließt sich die
Frage an, wie armutssensibel mit dem Vielfaltsbegriff im religionspädagogi-
schen Inklusionsdiskurs umgegangen werden kann und welche religionsdidak-
tischen Konsequenzen sich daraus ableiten lassen. Dazu wird im Folgenden
Kinderarmut im Kontext des Religionsunterrichts betrachtet und anschließend
analysiert, wie Vielfalt in den konzeptionellen Ansätzen Inklusiver Religions-
pädagogik der Vielfalt und Aufgeklärter Heterogenität verstanden wird, um
herauszustellen, welche inklusionsbezogenen Herausforderungen mit einer
armutssensiblen Perspektive einhergehen.
2 Kinderarmut – ein mehrdimensionales Phänomen
Der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Armutserfahrungen in Deutsch-
land ist mit rund einem Fünftel in den letzten Jahren recht stabil geblieben.
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Die damit verbundenen Benachteiligungen im Aufwachsen und vor allem Ler-
nen sind hinreichend belegt.
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Ein Spezifikum von Kinderarmut besteht in der
socio-economic dimension of diversity. Sensitivity to poverty turns out to be a matter of tension in inclusive religious education. Finally, it is outlined what to look out for when designing poverty-sensitive religious instruction.
Keywords
Poverty, child poverty, inclusive religious education, diversity, heterogeneity,
religious education, educational justice
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Der vollständige Artikel umfasst 18 Seiten
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