AlltAgsintegrierte religiöse Bildung XIV - 5.1.5
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 72. EL 2022 1
Zusammenfassung
Religion und Glaube spielen sich für Kinder und Jugendliche heute in der
Regel in einer Sonderwelt ab, die nichts mit ihrem Leben zu tun hat und die
sich auf Kirche und den Religionsunterricht in der Schule beschränkt. Der
Ansatz der Alltagsintegrierten religiösen Bildung will deshalb alltägliche Si-
tuationen im Leben von Schülerinnen und Schülern aufgreifen und an diesen
die religiöse Tiefendimension menschlicher Wirklichkeit ausleuchten. Damit
entstehen auch neue Chancen und Perspektiven für das interreligiöse Lernen.
Schlagwörter
Religiöse Bildung, Alltag, interreligiöses Lernen, Elementarerziehung, Bil-
dungstheorie
XIV - 5.1.5 Alltagsintegrierte religiöse Bildung
[Everyday Integrated Religious Education]
ClAuss Peter sAjAk
Submitted December 08, 2021, and accepted for publication April 01, 2022
Editor: Thorsten Knauth
Summary
For children and young people today, religion and belief usually take place
in a special world that has nothing to do with their lives and that is limited to
church and religion lessons in school. The approach of everyday integrated
religious education therefore aims to take up everyday situations in the life
of schoolchildren and use them to shed light on the deep religious dimension
of human reality. This also creates new opportunities and perspectives for
interreligious learning.
Keywords
Religious Education, Interreligious Learning, Elementary Education, Edu-
cational theory
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XIV - 5.1.5 A lltAgsintegrierte religiöse Bildung
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© Westarp Science Fachverlag
1 Begriff und Bedeutung
Als Alltagsintegrierte religiöse Bildung wird ein religionspädagogisches Kon-
zept bezeichnet, in dem typische Situationen der alltäglichen Lebenspraxis von
Kindern und Jugendlichen – Staunen, Freude, Streit, Vielfalt, Krankheit, Ver-
gänglichkeit usw. – aufgegriffen und pädagogisch, aber eben auch theologisch
reflektiert und bearbeitet werden.
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Dieses religionspädagogische Bildungsfor-
mat hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem in der Religionspäd-
agogik der Elementarphase, also im Bereich von Kindertageseinrichtungen,
entwickelt. Auch die Idee einer „Synthese von Glaube und Kultur“, die im
katholischen Bereich von der Vatikanischen Bildungskongregation als Pro-
gramm für die katholischen Schulen weltweit verpflichtend gemacht worden
ist,
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kann als eine Konzeptionierung der Grundidee alltagsintegrierter religi-
öser Bildung verstanden werden. Damit knüpfte die Bildungskongregation an
das II. Vatikanische Konzil (1962‒1965) an, das in seiner Erklärung über die
christliche Erziehung „Gravissimum educationis“ den Grundgedanken dieses
religionspädagogischen Ansatzes als Qualitätsmerkmal für das Erziehungs-
konzept katholischer Schulen beschrieben hatte: Demnach habe sich die katho-
lische Schule so am Konzept des Evangeliums Jesu Christi zu orientieren, „dass
die Erkenntnis, welche die Schüler stufenweise von der Welt, vom Leben und
vom Menschen gewinnen, durch den Glauben erleuchtet wird“
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. Denn diese
christliche Perspektive der Welterschließung ist eben nicht nur in komplexe
Weltbilder unterschiedlicher Modi rationaler Weltbegegnung
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– kognitiv, ästhe-
tisch, evaluativ – einzutragen und in diesen Weltbildern zu eröffnen, sondern
eben auch in alltäglichen Erfahrungen und Erlebnissen: Die Frage nach der
Verantwortung für die Schöpfung kann natürlich an der Frage des globalen
Klimawandels diskutiert werden, sie beginnt aber bereits mit der Frage, ob
man Fliegen zerquetschen oder Schnecken zerschneiden darf.
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2 Wurzeln und Traditionen
Auch wenn die Alltagsintegrierte religiöse Bildung hier als katholisches Kon-
zept vorgestellt wird, so sind erste Impulse für eine solche Konzeption von
evangelischer Seite ausgegangen. Christoph Scheilke und Friedrich Schweit-
zer hatten um die Jahrtausendwende in einem Projekt des Comenius-Instituts
in Münster eine Publikationsreihe vorgelegt, die den Titel „Kinder brauchen
Hoffnung. Religion im Alltag des Kindergartens“ trug und in der die Idee,
in der religiösen Bildung der Elementarphase an Alltagserfahrungen anzu-
knüpfen, erstmals konzipiert wurde.
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Sie konnten dabei auf eine theologische
Tradition zurückgreifen, die vor allem mit dem Werk Henning Luthers und
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Der vollständige Artikel umfasst 9 Seiten
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