Das konfessionell gebundene Bildungswesen in der DDR X IV - 5.1.4
KlĂścker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 68. EL 2021 1
Zusammenfassung
In der DDR bestand neben dem einheitlichen sozialistischen Bildungssystem
auch ein hÜchst vielfältiges kirchlich gebundenes beziehungsweise konfes-
sionell geprägtes Bildungswesen. Die Bildungsstufen waren so ausdifferen-
ziert, dass eine individuelle Bildungsbiografie nahezu komplett in konfessio-
nellen Einrichtungen beziehungsweise im ergänzenden Kontakt mit solchen
absolviert werden konnte. Der Beitrag gibt zunächst einen Ăberblick zum
Gesamtsystem konfessioneller Einrichtungen, zu Arbeitszusammenhängen
und Medien, um dann Auffälligkeiten ausgewählter Bildungssegmente zu
umreiĂen.
SchlagwĂśrter
konfessionelle Bildung, DDR, evangelisch, katholisch, Freikirchen
Summary In the GDR, in addition to the uniform socialist education system, there was
also a highly diverse ecclesiastical or denominational education system. The
educational levels were so differentiated that an individual educational biogra-
phy could be completed almost entirely in denominational institutions or in
supplementary contact with them. The article first gives an overview of the
overall system of denominational institutions, work contexts and media, in
order to then outline anomalies in selected educational segments.
Keywords
denominational education, GDR, protestant, catholic, free churches
XIV â 5.1.4 Das konfessionell gebundene Bildungswesen in
d er DDR
[The Denominational Education System in the
G DR]
Von Uwe Grelak und Peer Pasternack
Submitted November 25, 2020, and accepted for publication March 24, 2021
Editor: Michael KlĂścker
--- Seite 1 Ende ---
XIV - 5.1.4 Das konfessionell gebundene Bildungswesen in der DDR
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Westarp Science â Fachverlage
1 Einleitung
In der SBZ waren 1945 insgesamt 43 Kirchen und Religionsgemeinschaften
1
zugelassen worden. Zwei davon â die Zeugen Jehovas und der Gemeinschafts-
verband der deutschen Pfingstbewegung â wurden in den 1950er-Jahren verbo-
ten, blieben gleichwohl aktiv.
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Acht Religionsgemeinschaften stellten ihre Tä-
tigkeit später wieder ein. Die GrĂśĂe der 33 verbliebenen anerkannten Kirchen
und Religionsgemeinschaften bewegte sich von zweistelligen Mitgliederzahlen
bis zu mehreren Millionen.
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Weitgehend mit der GrĂśĂe, zum Teil aber auch mit dem Aktivitätsspektrum
und den Besonderheiten der lehrmäĂigen Ausformung der Bekenntnisse kor-
respondierten die jeweiligen Ausbildungsbedarfe und Bildungsaktivitäten. Sie
fĂźhrten dazu, dass neben dem âeinheitlichen sozialistischen Bildungssystemâ
in der DDR auch ein hÜchst vielfältiges kirchlich gebundenes beziehungsweise
konfessionell geprägtes Bildungswesen entstand.
2 Ăberblick
Betrachtet man diese Parallelwelt Ăźber alle ihre Segmente und Bildungsstufen
hinweg und bezieht dabei sämtliche Jahre 1945 bis 1989 ein, so lassen sich
entdecken:
4
⢠287 konfessionelle Bildungs- und Forschungsinstitutionen im engeren Sin-
ne, das heiĂt mit eigenem Haus und eigenem Bildungs- beziehungsweise
Ausbildungsprogramm;
â˘
42 Bildungsformen ohne âeigenes Hausâ â also zum Beispiel Bibelfernkur-
se, Aus- und Weiterbildungen, die von den oben genannten Institutionen
verantwortet wurden, Kirchlicher Fernunterricht oder Kirchentagsarbeit;
â˘
51 wissenschaftlich-theologische, kirchlich-theologische beziehungsweise
gesellschaftspolitische Arbeitsgemeinschaften, Kommissionen, Studien-
kreise und Verbände.
Dieses Kernsegment summiert sich auf 378 Institutionen beziehungsweise
Arbeitsformen. Hinzu treten zahlreiche konfessionelle beziehungsweise kirch-
liche Einrichtungen und Strukturen, die arrondierend oder teilweise Bildungs-
aufgaben wahrnahmen:
⢠469 Kindergärten und 152 Kinderheime
⢠89 vordiakonische Kurse, Aspiranturen und Praktikanturen
â˘
diverse Ausbildungsformen fĂźr sechs Verwaltungsberufe (mittlerer Dienst)
⢠35 Evangelische und 28 Katholische Studentengemeinden
âď¸ Ende der Leseprobe âď¸
Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten
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