Friedenspädagogik und interreligiöse Bildung XIV - 5.1.2.4
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 71. EL 2022 1
Zusammenfassung
Friedenspädagogik und (inter-)religiöse Bildung stehen in einem engen Zu-
sammenhang, der von beiden Seiten bisher allerdings zu wenig in den Blick
genommen wird. Der Artikel greift Frieden als gemeinsames Grundthema
von Religionen auf und begründet Chancen einer Friedenspädagogik im
religiösen Rahmen. Die Frage, wie Impulse einer lebensbegleitenden in-
terreligiösen Bildung – im schulischen und außerschulischen Kontext – als
Friedensbildung konstruktiv vorangebracht werden können, leitet den Arti-
kel. Die Ausgangslage ist allerdings, dass in der Friedenspädagogik oftmals
der Einfluss von Religion und ein Miteinander der Religionen unterschätzt
wird. Hier heißt es, Anknüpfungspunkte schon in der Bildung Heranwach-
sender zu schaffen und interreligiöse Lernprozesse zu ermöglichen. Zugleich
zeigt die didaktische Entwicklung vom Unterricht in Fremdreligionen zur
dialogisch ausgerichteten interreligiösen Bildung, dass das gemeinsame Frie-
denspotenzial und die Ermöglichung verbindender Kooperationen gerade
angesichts globaler Krisen zukunftsweisende Impulse setzen können.
Schlagwörter
Frieden, Religion, Dialog, Friedenspädagogik, interreligiöse Bildung, inter-
disziplinärer Diskurs, Friedenspotenzial der Religionen, Perspektivenwech-
sel, Empathiefähigkeit
XIV - 5.1.2.4 Friedenspädagogik und interreligiöse Bildung
[Peace education and (inter-)religious education]
Elisabeth Naurath
Submitted December 10, 2021, and accepted for publication January 17, 2022
Editor: Thorsten Knauth
Summary
Peace education and (inter-)religious education are closely connected, but
both sides have so far paid too little attention to this. The article takes up
peace as a common basic theme of religions and substantiates opportunities
for peace education in a religious framework. The question of how impulses
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XIV - 5.1.2.4 Friedenspädagogik und interreligiöse Bildung
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Westarp Science – Fachverlage
1 Einleitung
Kann man Frieden lernen? Und wenn dies möglich ist, warum steht das Fach
„Frieden“ dann nicht ganz oben auf dem Stundenplan, sondern findet sich eher
implizit und marginalisiert auf der Agenda formaler und nonformaler Bildung?
Und müsste dann nicht auch das interreligiöse Lernen zum Schwerpunktthe-
ma dieses Faches werden – angesichts der religiösen und weltanschaulichen
Pluralisierung unserer Lebenswelt und angesichts der Kriege und Terrorakte
weltweit, bei denen religiöse Begründungszusammenhänge – zumindest me-
dial – mit hineinspielen? Wäre es nicht zukunftsweisend, wenn im Sinne einer
fächerübergreifenden Initiative friedenspädagogisch relevante Handlungsfel-
der so in den Blick genommen werden würden, dass sich Synergieeffekte er-
gäben? Ein Beispiel: Bundesweit einmalig gibt es in Baden-Württemberg seit
fünf Jahren eine „Servicestelle Friedensbildung“ mit dem Ziel, die Perspekti-
ven friedensbildender Prozesse fächerübergreifend in den Bildungsplänen und
damit im schulischen Unterricht zu verankern.
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Doch: „Es fehlt häufig das Be-
wusstsein für die große Klammer des Werte- und Handlungsmodells ‚Frieden‘,
es mangelt an Kontinuität in der diesbezüglichen Bearbeitung von Inhalten
und der Anwendung von entsprechenden Methoden und schließlich auch am
Verständnis für die Initiierung und Begleitung gemeinsamer Lernprozesse.“
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Im Folgenden sollen diese grundlegenden Anfragen den Rahmen für einen
religionspädagogischen und -didaktischen Diskurs bilden, indem zunächst
of a life-long interreligious education – in school and non-school contexts –
can be constructively advanced as peace education leads the article. The
starting point, however, is that the influence of religion and the coexistence of religions is often underestimated in peace education. Here it is necessary
to create points of contact already in the education of adolescents and to
enable interreligious learning processes. At the same time, the didactic de-
velopment from teaching foreign religions to dialogue-oriented interreligious
education shows that the common potential for peace and the facilitation of unifying cooperation can provide forward-looking impulses, especially in the face of global crises.
Keywords
Peace, Religion, Dialogue, Peace Education, Interreligious Education, Inter-
disciplinary Discourse, Peace Potential of Religions, Change of Perspective,
Empathy
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Der vollständige Artikel umfasst 14 Seiten
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