Religionssensibilität der Gegenwartskunst XIV - 1.3
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 67. EL 2021 1
Zusammenfassung
Das Thema der „Religionssensibilität der Gegenwartskunst“ wird in den fol-
genden Ausführungen exemplarisch entfaltet. Dabei werden einige Exponate
der documenta 14 näher in den Blick genommen, die sich dezidiert mit re-
ligiösen Inhalten auseinandersetzen und mit biblischen Verweisen arbeiten.
Dazu greifen sie auch in Gebiete ein, die bisher eher der Institution Kirche
zugezählt wurden. Die Veränderung der Gegenwartskunst durch Digitali-
sierung wird angesprochen und die populäre Kultur auf ihre Verheißungen,
Abstürze und utopischen Momente hin untersucht. Ein kurzer Gang durch
aktuelle Literatur und Filme schließt die Überlegungen ab.
Schlagwörter
Religionssensibilität, Gegenwartskunst, documenta, Digitalisierung, popu-
läre Kultur, Utopie, Heterotopie
XIV - 1.3 Religionssensibilität der Gegenwartskunst
Ein Gang über die documenta und ein Ausflug
in die gegenwärtige Filmgeschichte
[Religious sensitivity of contemporary art
A walk through documenta and an excursion into
contemporary film history]
Von Inge Kirsner
Submitted September 14, 2020, and accepted for publication January 04, 2021
Editor: Sybille C. Fritsch-Oppermann
Summary
This essay reflects on the sensitivity of contemporary art towards religious
topics and themes. Hence a closer look is taken on various exhibits from do-
cumenta 14 as they express religious motifs and biblical reference – or enact
virtues (humanitarian aid, care) typically and commonly linked to the church
as an institution. The paper also addresses the issue how contemporary art is
challenged and transformed by digitization. Popular culture with its promises,
collapses and its utopian moments is taken into consideration as well. A short
survey on current literature and films concludes the discussion.
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XIV - 1.3 Religionssensibilität der Gegenwartskunst
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Westarp Science – Fachverlage
Einführung
Die Gegenwartskunst ist ein ebenso weites Feld wie die Religion und die ver-
schiedenen Begriffe, die es davon gibt. Deshalb wird im Folgenden in einem
ersten Teil von einem konkreten Event der Gegenwartskunst – der alle fünf
Jahre stattfindenden, hier der documenta 14, die vom 10. Juni bis 17. September
2017 in Kassel stattfand – ausgegangen.
Sie bietet einen exemplarischen Querschnitt der gegenwärtigen Kunstimpulse;
deshalb werden ihre stilbildenden Themenfelder und Darstellungsformen aus-
schnitthaft vorgestellt und untersucht, ob und wie sich diese auch in filmischen
Ausdrucksformen der Gegenwart finden. Der zweite Teil dieser Untersuchung
setzt sich mit (diesen) filmischen Reflexionsformen sowie mit einer kurzen
Analyse der gegenwärtigen Populärkultur auseinander.
Die documenta gehört (neben der Biennale in Venedig) zu den weltweit bedeu-
tendsten Ausstellungen für zeitgenössische Kunst und ist die weltweit größte
Kunstmesse. Athen war Teil der documenta 14 und der zweite, konzeptuell
gleichberechtigte Standort. Zudem fanden parallel zur documenta viele Begleit-
ausstellungen an verschiedensten anderen Orten in Deutschland (St.-Matthäus-
Kulturkirche in Berlin) statt
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– eine breite Palette mit vielen Beispielen zur
„Religionssensibilität der Gegenwartskunst“.
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Einigen dort sichtbaren Tendenzen wird nachgegangen: Der zunehmenden Po-
litisierung, der Teilhabemöglichkeit, der Sinn-Fälligkeit (als Gegenkonzept zur
früheren Konzeptkunst) und damit auch der Zunahme filmischer Ausdrucks-
formen sowie der Transformationen religiöser Symbole und Themen.
Geschöpflichkeit und Materialität
Der documenta 14 war die Ausstrahlung des Dokumentarfilms „Beuys“ von
Andres Veiel im Frühjahr 2017 vorausgegangen und bahnte einen neuen Blick
auf seine Kunst.
Der Künstler Joseph Beuys (1921–1986) hatte 1964 erstmals an der documenta
(III) in Kassel teilgenommen und war von da an regelmäßig mit seinen Werken
Keywords
sensitivity of contemporary art towards religious topics and themes, docu-
menta, transformation of religious motifs and biblical references, digitization,
popular culture, utopia, heterotopie
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Der vollständige Artikel umfasst 16 Seiten
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