XIV - 1.2

Religion in der Landschaftsmalerei der deutschen Romantik (Caspar David Friedrich)

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Caspar David Friedrich XI V - 1.2 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 66. EL 2020 1 Zusammenfassung Die Kritik der Romantiker richtet sich gegen das mechanistische Weltbild der Aufklä rung. Ihre Landschaftsbilder stellen eine Natur dar, die sich als göttlich durchdrungen erweist. Die Natur ist hier niemals Gegenstand öko- nomischer Interessen, sondern eine ihr Eigenrecht behauptende Macht, der sich der Mensch ehrfürchtig ergriffen und demutsvoll nähert. Wenn Caspar David Friedrich die Weiten einer Landschaft und des Himmelsgewölbes malt, versucht er, das Unendliche zur Darstellung zu bringen. Er ist überzeugt, dass sich in den Weiten des Kosmos Gottes Wirken offenbart. Friedrich greift dabei auf Anregungen Friedrich Schleiermachers zurück, der lehrt, dass sich Religion aus Anschauung und Gefühl entwickelt. In einer intuitiven Schau muss das Individuum „im Endlichen das Unendliche“ gesehen haben, um zu verstehen, was Religion ist. Auf diese Möglichkeit einer transzendenten Schau weisen die Rückenfiguren hin. Sie vermitteln zwischen der nahen und der fernen Raumsphäre und lenken den Blick des Betrachters in die Tiefe des Bildes, um seine Aufmerksamkeit auf den Bereich jenseits der vorfindlichen Welt zu richten. Schlagwörter Romantik, Caspar David Friedrich, Landschaftsmalerei, Anschauung und Gefühl, intuitive Schau, Polarität XIV - 1.2 Religion in der Landschaftsmalerei der deutschen Romantik (Caspar David Friedrich) [Religion in Landscape Painting of German Romanticism (Caspar David Friedrich)] Von Rainer Neu Submitted March 6, 2020, and accepted for publication August 28, 2020 Editor: Sybille C. Fritsch-Oppermann Summary The criticism of the romantics is directed against the mechanistic worldview of the Enlightenment. Their sceneries represent nature as penetrated by divine energies. Nature is never a subject of economic interests, but a power clai- ming its own right approached by man awesome and humbly. When Caspar --- Seite 1 Ende --- XIV - 1.2 Caspar David Friedrich 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Einleitung Die Kritik der Romantiker richtet sich gegen das mechanistische Weltbild der Aufklä rung seit René Descartes (1596–1650), das die Natur rein von Nütz- lichkeitserwägungen und einem materialistischen Blickwinkel aus betrachtet und sowohl zum Bruch zwischen Mensch und Natur als auch zum Bruch zwi- schen Mensch und Gott führte. Schon Friedrich Schiller (1759–1805) beklagte diesen Bruch und der junge Friedrich Schelling (1775–1854) versuchte, diese Gegensätze in seiner Identitätsphilosophie wieder miteinander zu versöhnen. Doch nirgendwo wird diese mit dem Wunsch nach Wiederherstellung der Ein- heit einhergehende Erfahrung einer Entfremdung von der Natur und von Gott deutlicher artikuliert als in den Landschaftsbildern der Romantiker Caspar David Friedrich (1777–1844), Philipp Otto Runge (1777–1810) und Carl Gustav Carus (1789–1869). In ihren Bildern wird die Landschaft zum Träger religiöser Stimmungen und Erfahrun gen, wobei sie auf überkommene ikonographische Bildtypen zugunsten der Aussa gekraft der Natur verzichten und den Bildbe- trachter vor bis dahin unbekannte und in ihrer Zeit oftmals unverstandene Herausforderungen stellen. Die Beziehung zur Landschaft als ein religiöses Verhältnis setzt sich in späterer Zeit vor allem in den Werken von Vincent van Gogh (1853–1890) und Emil Nolde (1867–1956) fort und reift beim Publikum erst im 20. Jahrhundert zu einem tieferen Verständnis. Dass sich auch für die Romantiker die Entzweiung mit der Natur nicht einfach verleugnen oder rückgängig machen lässt, zeigt sich am eindrücklichsten in den Gemälden von C. D. Friedrich. Die Personen in seinen Bildern verhalten sich David Friedrich is painting the expanse of a landscape or of the heavens, he is trying to show the infinite. He is convinced that God’s work is revealed in the vastness of the cosmos. Friedrich is inspired by ideas of Friedrich Schleiermacher saying that religion is evolved from intuition and feeling. In an intuitive insight, the individual must have seen the infinite in the finite in order to understand what religion means. Friedrich’s back figures refer the possibility of a transcendental intuition. They mediate between the near and distant spheres and steer the eyes of the viewer into the deep of a painting in order to draw his attention to the area beyond the found world. Keywords Romanticism, Caspar David Friedrich, Sceneries, Intuition and Feeling, In- tuitive Insight, Polarity
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