XIII - 14.5

Migrationsethik

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Migrationsethik XIII - 14.5 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 69. EL 2021 1 Zusammenfassung Angesichts hoher Migrationszahlen weltweit stehen nicht nur einzelne Na- tionalstaaten vor Herausforderungen, und migrationsethische Diskussionen können nicht allein auf nationaler Ebene geführt werden. In diesem Arti- kel werden daher zunächst die alt- und neutestamentlichen Grundlagen der christlichen Migrationsethik neben der Tradition der Gastfreundschaft in anderen Religionen sowie die historische und gegenwärtige philosophische Diskussion migrationsethischer Fragen beleuchtet. Der deutsche Protestan- tismus zeigt durch seine sozialethischen Beiträge zur Debatte im 20. und 21. Jahrhundert, wie migrationsethische Fragen unter neuen Perspektiven immer neu verhandelt werden müssen. Die gegenwärtige rechtliche Situation muss daher im Sinne einer globalen Verantwortung reflektiert werden, wozu das christliche Ethos seinen Beitrag leistet und mit den migrationsethischen Grundeinsichten der anderen religiösen Traditionen und der philosophischen Strömungen abzugleichen ist. Schlagwörter Flucht, Migration, Verantwortung, Nationalstaat, Weltbürgertum, Gast- freundschaft, Kirchenasyl XIII - 14.5 Migrationsethik [Migration Ethics] Von Arnulf von Scheliha Submitted March 25, 2021, and accepted for publication June 22, 2021 Editor: Regina Polak Summary Regarding a high figure of migrants all over the world there is a consistent need to take up the challenges posed by an ethics of migration. The relevant debates therefore demand to be conducted not only on a national but on an international level. This article hence starts by outlining the fundaments of the Christian conviction related to foreignness and migration as found in the Old Testament as well as their pursuit in the New Testament alongside with the tradition of hospitability in other religions and the historical and con- temporary philosophical debate on migration and its ethics. Protestantism in --- Seite 1 Ende --- XIII - 14.5 Migrationsethik 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Einleitung Die Migrationsethik ist zeitgeschichtlich bedingt in den letzten Jahren in den Fokus des Interesses gerückt. Die Bewältigung der großen Anzahl von Ge- flüchteten und Asylsuchenden seit 2015 bewirkte eine ethische Mobilisierung großer Teile der Bevölkerung, führte den Rechtsstaat an die Grenzen seiner Belastbarkeit und erzeugte politischen Handlungs- und Gegendruck. In den migrationsethischen Diskursen verschafft sich das Menschenrechtsethos ebenso Geltung wie die ethischen Traditionen der großen Religionen. Sie überliefern viele Narrative zu Migrationserfahrungen und ethische Pflichten zum Verhalten gegenüber Fremden. In allen Denkzusammenhängen kollidieren kosmopoliti- sche Einstellungen mit Interpretationen, die den Begriff der Verantwortung vorrangig auf die Staatsbürger und den Nationalstaat hin ausgelegt wissen wollen. Die entsprechenden Debatten machen die unterschiedlichen ethischen Begründungsstrategien deutlich. Insofern brechen sich im Thema „Migrations- ethik“ die Vielgestaltigkeit und die Vielstimmigkeit der ethischen Traditionen sowie die Wahrnehmung der sozialen Herausforderungen. Wie jedes ethische Gebiet so hat auch die Migrationsethik ihre Konjunkturen. Die anthropogene Anlage zur Wanderschaft und die Prognosen wachsender Migrationsströme (z. B. sog. Krisen- bzw. Katastrophenflüchtlinge) dürften aber dazu führen, dass Migration zum Normalfall und Migrationsethik zum Dauerthema wird. Im weitesten Sinne umfasst der Begriff der Migration räumliche Bewegungen von Menschen, grenzüberschreitend oder innerhalb ihres Heimatlandes, die unabhängig von den ausschlaggebenden Motiven zu einer zumindest länger- fristigen Entfernung von ihrem Wohnort oder einem dauerhaften Verlassen des Wohnortes führen. 1 Darunter fallen auch Flüchtende und Asylsuchende. Ihr Anliegen bezeichnet man mit dem Begriff der Zwangsmigration, weil sie Germany provided during the 20 th and 21 st century an example for the need to always rethink issues linked to the debate on migration and integrate new aspects. The contemporary legal situation requires reconsideration when it comes to global responsibility. The Christian ethos contributes to this debate on migration and ethics and has to take into account basic convictions of other religious traditions and philosophical currents. Keywords Migration, refugees, responsibility, nation-state, cosmopolitanism, hospita- lity, church asylum
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