XIII - 14.4

Politische Ethik im Kontext der Weltreligionen

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Politische Ethik im Kontext der Weltreligionen X III - 14.4 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 68. EL 2021 1 Zusammenfassung Der Artikel diskutiert zentrale Elemente der Politischen Ethiken der Weltre- ligionen (chinesische Religionen, Buddhismus, Hinduismus, Islam, Juden- tum, Christentum). Politische Ethik thematisiert stets die Implikationen der spannungsreichen Beziehungen zwischen politischer Macht und Religion. Von Beginn an hat sich dies Problem in der Religionsgeschichte über alle Modelle von Widerstand und Herrschaftssymbiose hinweg als ein zentrales Problem für Gläubige, religiöse Gemeinschaften und politische Herrscher herauskristallisiert. Gegenwärtig bedarf es in allen religiösen Traditionen der Suche nach einem politischen Ethos des zivilgesellschaftlichen Engage- ments und der politischen Verantwortung. Jenseits aller geschichtlichen und kontextuellen Unterschiede und unabhängig von der Tatsache, dass es nicht die Politische Ethik einer Religionstradition gibt, müssen glaubensbasierte Überzeugungen in politischer Hinsicht der Anerkennung der Menschenrech- te wie des Rechts auf demokratische Selbstbestimmung in einer internatio- nalen Ordnung unter der Herrschaft des Rechts förderlich sein. Schlagwörter Politische Ethik, Christentum, Achsenzeit, Weltreligionen, Säkularismus, Demokratie, Macht, Recht, Zwei-Reiche-Lehre, Soziallehre, Menschenrech- te, moralischer Universalismus, globale Zivilreligion, Pluralismus, Toleranz, Gottesstaat, Religionsfreiheit Summary The article discusses central elements of the Political ethics of the world religions (Chinese Religion, Buddhism, Hinduism, Islam, Judaism, Christia- nity). Political ethics always addresses the implications of the tense relation- XIII – 14.4 Politische Ethik im Kontext der Weltreligionen [Political Ethics of World Religions] Von Christian Polke Submitted November 25, 2020, and accepted for publication March 24, 2021 Editors: Martin Leiner/Christine Schliesser --- Seite 1 Ende --- XIII - 14.4 P olitische Ethik im Kontext der Weltreligionen 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Was ist Politik? Politik lässt sich vielfältig definieren. In der Politikwissenschaft ist es üblich geworden, noch ganz unabhängig von der Frage, ob sie sich primär als empiri- sche Forschung versteht oder auch Ideengeschichte und normative Theoriebil- dung umgreift, zwischen drei Dimensionen des Politischen zu unterscheiden: Unter Polity fasst man die Formen des Politischen, also zum Beispiel die Unter- suchung verschiedener politischer Regierungs- und Herrschaftssysteme; unter Policy wiederum werden die inhaltlichen Aspekte des Politischen gefasst, also konkrete Politikfelder; schließlich geht es bei Politics um die Verfahren und Prozesse politischer Meinungsbildung wie Interessenswahrnehmung. Diese analytische Differenzierung ist auch für die Politische Ethik von Relevanz, wenngleich man aus deren Theorieperspektive nicht falsch liegt, wenn man betont, dass vor allem Fragen der ersten und der dritten Dimension im Vorder- grund stehen. Die inhaltlichen Fragen des Politischen werden hingegen über die jeweiligen Bereichsethiken mitbedacht. Anders als in vielen Ansätzen der Politikwissenschaft bedarf es aber für eine ethische Analyse und Bewertung des Politischen eines übergreifenden, das heißt alle drei Dimensionen rahmenden Verständnisses des Politischen. We- nigstens als Vor(be)griff ist von daher eine kategoriale Bestimmung von Politik ship between political power and religion. From the beginning, this problem has emerged as a central problem for believers, religious communities and political rulers across all models of resistance and symbiosis of power in the history of religion. At present there is a need in all religious traditions to find a political ethos of engagement in civil societies and therefore political responsibility. Beyond all historical and contextual differences and regard- less of the fact that the political ethics of a religious tradition does not exist, belief-based convictions in political terms must be conducive to the recog- nition of human rights such as the right to democratic self-determination in an international order under the rule of law. Keywords Political Ethics, Christianity, Axial Age, World Religions, Secularism, De- mocracy, Power, Law, Two Kingdoms Doctrine, Social Teachings, Human Rights, Moral Universalism, Global Civil Religion, Pluralism, Tolerance, Theocracy, Freedom of Religion
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