XII - 4

Wicca

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WlCCA XII -4 XII-4 Wicca Von Britta Rensing Der Name Wicca Die Bezeichnung Wicca meint sowohl die Religion, als auch die/den Prak- tizierende/n. Der Name geht auf Gerald Gardner zurück, der in The Meaning of Witchcrqft zuerst ,Wica 4 buchstabierte. Wicca geben an, der Begriff leite sich vom altenglischen vv/Ä (= to bend, to shape; dt. biegen, formen) her. Manche postulieren außerdem einen Bezug zu dem Wort,weise 4 . Dieses geht allerdings auf das altenglische wis zurück und ist mit, Wicca 4 nicht verwandt. Tatsächlich jedoch basiert, Wicca 4 auf dem altenglischen ,wiccian 4 (= to conjure; dt. hexen, zaubern), wobei,wicca 4 ursprünglich die männliche und ,wicce 4 die weibliche Hexe meinte. Im englischsprachigen Raum begegnen alternativ zu ,Wicce 4 die Namen ,The Craft 4 und ,Witchcraft 4 . Außerdem wird auch die Bezeichnung ,Pagans 4 bzw. ,Neo-Pagans 4 (dt. Neuheiden) verwendet. Darunter fallen auch solche Anhänger und Praktizierende der neuen Religion, die sich selber aus verschiedenen Gründen nicht Wicca nennen wollen, aber nichtsdestotrotz entsprechende Vorstellungen vom Göttlichen haben, die Jahreskreisfeste feiern und die Natur verehren. Vereinzelt wird ,Neo-Pagan 4 als Synonym zu Wicca gebraucht, meistens aber als Sammelbegriff für Wicca und andere Neuheiden, wobei Wicca die darunter am stärksten vertretene Gruppe darstellen. In den ersten Jahren der Bewegung bezeichnete der Begriff Wicca die Coven aus der Gardnerischen und Alexandrinischen Traditionslinie. Mittlerweile haben sich weitere Gruppen und Traditionen gebildet, die zum Teil auf der Modifizierung von gardnerischem Material und auf der eklektischen Integration anderer religiöser Traditionen basieren. Außerdem praktizieren heute mindestens die Hälfte der Anhänger allein. In den USA werden alle diese Anhänger weiterhin unter dem Namen Wicca subsumiert. Dort ist Wicca heute eine anerkannte Religion: Angemeldete Gruppen profitieren von dem Steuerbefreiungsgesetz für religiöse Organisa­ tionen, und im Seelsorgerhandbuch der US-amerikanischen Armee ist Wicca als Religion vertreten. In Nordamerika wird die Entwicklung von Wicca und Neuheidentum stark thematisiert. Themen wie die uneingeschränkte Akzeptanz von Solitaries, der familiäre Zusammenhalt in der heidnischen Gemeinschaft und die selbstbewusste Ausübung der eigenen Religion wurden bisher in Deutschland nicht systematisch behandelt. Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 10. EL 2005 1 --- Seite 1 Ende --- XII -4 WlCCA Gerald Gardner, der Mythos von der Alten Religion und das moderne Wicca Die Entstehung der Wieea-Religion geht auf das Leben des Briten Gerald Gardner (13.06.1884 - 12.02.1964) und seine Schriften High Magie ’s Aid(1949), Witchcraft Today (1954) und The Meaning of Witchcraft (1959) zurück. Gardner behauptete, 1939 in der New Forest Region bei Christchurch nahe der Südküste Englands in einen Hexencoven initiiert worden zu sein. Heute geht man davon aus, dass sich zu dieser Zeit verschiedene an magischen und ok-kulten Themen interessierte Personen in der entsprechenden Gegend trafen und dass Gardner diese Personen kennenlemte und Mitglied ihres Kreises wurde. Inwieweit es sich dabei jedoch um einen traditionellen Hexenzirkel gehandelt hat, ist nach wie vor umstritten. Gardner publizierte, dass es sich bei dieser Gruppe um einen Coven der, Alten Religion 4 gehandelt habe, die sich seit den Anfängen eines an­ genommenen paläolitischen Muttergöttinnenkultes durch die Zeit der euro­ päischen Hexenverfolgung in die heutige Zeit gerettet habe. Aidan Kelly geht demgegenüber davon aus, dass Gardner und seine Freunde und interessierte Bekannte die Wicca-Religion auf der Basis der Werke Margaret Murrays und Charles G. Lelands erfunden haben. Die gesicherten historischen Tatsachen (siehe Heselton und Hutton) lassen vermuten, dass die Wahrheit irgendwo in der Mitte dieser beiden Aussagen angesiedelt ist: Der an malaysischer Volkskunde und an magischen Studien interessierte Gardner stieß auf eine Reihe volksmagisch, naturreligiös und freimaurerisch aktiver Personen und hielt mit einer Gruppe Gleichgesinnter in der Gegend um Highcliffe rituelle Zusammenkünfte ab. Gardner lernte auch Aleister Crowley und den Ordo Tempi i Orientis (OTO) ken­ nen. Die Bekanntschaft zwischen Gardner und Crowley wurde bis vor einiger Zeit stark überbewertet. Heselton hat jedoch zeigen können, dass die beiden Männer sich nur flüchtig kannten und sich nur wenige Male kurz vor Crowleys Tod im Jahr 1947 begegneten. Zu einer dieser Gelegenheiten erhielt Gardner von Crowley eine schriftliche Einweihungsbestätigung in den Ordo Templi Orientis, ein entsprechendes Ritual und eine aktive Beteiligung Gardners im OTO hat es allerdings vermutlich nicht gegeben. Auch gibt es keine Beweise für die Behauptung, Crowley habe Rituale lur Gardners Buch der Schatten ver­ fasst, geschw'eigedenn Geld dafür erhalten. Vielmehr führte Gardners Bewun­ derung für Crowley und die eifrige Lektüre seiner Schriften dazu, dass er Formu­ lierungen aus dessen Werken in sein Buch der Schatten (s. u.) einbrachte. Diese Stellen sind jedoch von seiner späteren Covenpartnerin Doreen Valiente stark modifiziert worden. Crowley ist für Gardner und seine Pläne immer nur eine Referenz gewesen. In Zusammenarbeit mit Valiente verfasste Gardner schließlich die noch heute in vielen Coven gängigen Ritualabläufe, klassischen Anrufungs­ texte und Grundbausteine für die, wie er sic seitdem nannte, Wicca-Religion. 2 Westarp Science - Fachverlage
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