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Jugend(sub)kulturen/Jugendszenen

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Jugend(sub)kulturen/Jugendszenen IX-17 IX - 17 Jugend(sub)kulturen/Jugendszenen Von Ingo Weidenkaff Die durch Jugend beziehungsweise (große) Teile von ihr repräsentierten Ein­ stellungen, Verhaltensweisen, Lebensentwürfe, Kommunikationsformen, Symbolbildungen, Selbstdarstellungen und Konfliktpotenziale. Jugendkulturen können als subjektive und kollektive Verarbeitungsformen ge­ sellschaftlicher Problemlagen betrachtet werden. Sie lösen, wenn auch imagi­ när, Probleme, die auf konkret materieller Ebene ungelöst bleiben (B. Frieberts- häuser). Sie entstehen innerhalb eines experimentellen sozialen Spielraums jen­ seits von Verbänden und Institutionen. Die Kernphase intensiver jugend­ kultureller Hinwendung beginnt zumeist mit der Pubertät und reicht bis zur Volljährigkeit. En ts tehungsbedingungen: • Ungewissheit über die eigene Zukunft • Anpassungsschwierigkeiten beim Eintritt in die Erwachsenenwelt • Widerstand gegen die Autorität der Erwachsenen • Schutz vor Anpassungszwang Bedingungsfaktoren: • Gesellschaftliche Lage - zwischen Verselbständigung und verlängerter Ab­ hängigkeit • Biografische Lage - Herauslösung aus familiärer Bindung und Abhängigkeiten • Autonome Phase - zwischen Kindheit und Erwachsenenstatus (Peergroups) • Suche nach einer eigenen Identität Der Begriff der Subkultur beinhaltet generell die Abweichung von einer eng geführten Normalität der Erwachsenenkultur (Schwendler 1978). Jugendliche Subkulturen verstehen sich danach ausdrücklich als Gegenkulturen zum bür­ gerlichen Establishment. Vertreter der neueren Jugendforschung wenden sich allerdings gegen den Ausdruck Subkultur. Baacke stellt fest, dass die Ränder der Zugehörigkeit of­ fensichtlich unscharfund verschwommen sind, es zudem zu einer nicht unbe­ deutenden Fluktuation von Jugendlichen zwischen verschiedenen Jugend­ kulturen kommt. Er argumentiert weiter, dass das von den Medien produzierte Bild über die von der Norm abweichende Jugend nur zu einem geringen Teil mit der Realität übereinstimmt. Jugendkulturelle Einstellungen und Ausdrucksformen unterliegen einer stän­ digen Veränderung, die bestimmt ist von wechselseitigen Beeinflussungen und Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 9. EL 2004 1 --- Seite 1 Ende --- IX-17 Jugend(sub)kulturen/Jugendszenen Szeneüberschneidungen. Eine Differenzierung von Jugendsubkulturen als ab­ grenzbaren und sieh von einer dominanten Kulturform ableitenden Teil­ segmenten ist daher kaum noeh möglieh. Ein sieh ausbreitendes Stilmerkmal von Jugendkulturen und -Szenen sind Brieolage-Tcchniken, die die Trennlinien einstmals definierbarer Subkulturen (Punk, Hippie, Rocker usw.) zunehmend aufweichen. Jugendkulturen zeigen sich als unverbindliche und ortsunabhängige Milieu­ bildungen, die das Lebensumfeld von Jugendlichen, vor allem deren Überzeu­ gungen und Einstellungen, maßgeblich beeinflussen können. Der Aktionsradi­ us jugendkultureller Betätigung ist gekennzeichnet durch Emotionalität, Spon­ taneität und Handlungswillen, während die selbstkritische Analyse weitge­ hend verdrängt wird. Typisches Szenemerkmal ist der expressive Gruppenstil, der Musikvorlieben ebenso einschließt, wie Bewegungsmuster, Jargons, politische Überzeugun­ gen, Einstellungen zu Sexualität, Spielkulturoder Freizeitgestaltung. Die Zuge­ hörigkeit zu Jugendszenen kann allerdings nicht klar differenziert werden. Ei­ nem relativ kleinen aber authentischen Kern von Szeneinsidern schließt sich ein Kreis von Szeneangehörigen, der über genügend Szenewissen verfügt, sich aber eher situativ und spontan der Szene verbunden fühlt. Der randständige Teil einer Jugendszene wiederum übernimmt Ästhetik, Inhalte und Einstellun­ gen eher unbewusst, die Zugehörigkeit zur Szene ist für diese Jugendlichen von Sympathiewerten bestimmt und somit sekundärer Natur. Viele definieren sich, je nach Herkunft und Inhalten der Szene, über musikalische, sportliche, weltan­ schauliche oder politische Vorlieben und damit meist unbewusst zur Szene. Im Hinblick auf Jugendkulturen wird deutlich, dass diese in ihren Stilisierungen und Lebensstilexperimenten nicht nur die Zugehörigkeit eines Jugendlichen zu einer Gruppe oder Gemeinschaft kennzeichnen und manifestieren, sondern auch zu einem bestimmten Habitus und einer Lebensform, denen sich diese Gruppen oder Szene verpflichtet fühlen. Die vier wesentlichen Dimensionen, in denen sich jugendliche Lebensstile wi­ derspiegeln, sind das nachdrückliche Verhalten, das sich in Freizeitaktivitäten und Konsummustern äußert. Die zweite Dimension ist das interaktive Verhal­ ten, das in Formen der Geselligkeit direkt, in der Mediennutzung indirekt zum Ausdruck kommt. Über diese Interaktionsmuster lassen sich Milieukreise sym­ bolisch abgrenzen, um auf diese Weise Nähe und Distanz zu regeln. Weiterhin ist die Dimension moralischen Verhaltens zu nennen, die Wertorientierungen und Einstellungen erfasst. Die vierte Dimension zielt ab auf den Aspekt der Selbsterkenntnis, der die Selbstidentifikation, die Zugehörigkeit und die Wahr­ nehmung der sozialen Welt steuert. 2 Westarp Science - Fachverlage
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