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VPM – Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis

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Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis IX -8 IX - 8 VPM - Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis Von Steffen Rink Der Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis - kurz VPM - ist keine Religionsgemeinschaft. Daß er dennoch immer wieder im Zusam­ menhang mit „sog. Sekten und Psychogruppen“ genannt wird, liegt an einigen Strukturelementen, die ihn mit diesen Gruppierungen vergleichbar machen. Das Interesse richtet sich in diesem Zusammenhang auch deshalb auf den VPM, weil die Bundesregierung beabsichtigt, diese Gruppierung in eine Informati­ onsschrift über sog. Sekten und Psychogruppen aufzunehmen. Gleiches hat die Berliner Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport bereits im Oktober 1994 vorgenommen. Wie andere Organisationen klagt auch der VPM gegen die Aufnahme in den Bericht der Bundesregierung; zur Zeit der Abfassung dieses Beitrages ist das gerichtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen. 1. Die Geschichte des VPM Der Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis wurde am 24. August 1986 in Zürich gegründet. Er ist die Nachfolgeorganisation der „Zür­ cher Schule“, die auf Friedrich Liebling (1893-1982) zurückgeht, und versteht sich als „psychologisch orientierter, interdisziplinärer Fachverein, in dem sich Ärzte, Pädagogen, Psychologen, Philosophen, Theologen, Juristen, Eltern und an psychologischen Fragen Interessierte vieler Berufe zusammcngeschlossen haben“ (Selbstdarstellung von 1993). Hauptarbeitsgebiete des VPM sind die Durchführung von Psychotherapiegruppen und die politische Arbeit im Sinne der eigenen Zielsetzungen. Der aus einer jüdischen Familie stammende Friedrich Liebling lebte nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in Wien und war als Kaufmann tätig. 1938 emi­ grierte er in die Schweiz, 1955 gründete er in Zürich zusammen mit seinem Pflegcsohn Josef Rattner die „Psychologische Lehr- und Beratungsstelle“, die 1967 in „Zürcher Schule“ umbenannt wurde. Josef Rattner, der nach Lieblings Vorstellung sein Nachfolger werden sollte, verließ die Zürcher Schule einige Zeit nach ihrer Konstituierung und ging nach Berlin, wo er einen eigenen Therapiekreis eröffnete. Nach dem Tode von Lieblings Frau im Jahr 1971 zog sich der seit langem unumstrittene Leiter der Zürcher Schule von allen Ver­ pflichtungen zurück. Unter seinen Anhängern entstanden Führungsstreitigkeiten, die die Gefahr des Auseinanderbrechens der zu diesem Zeitpunkt rund 4.000 Anhänger zählenden Gruppierung heraufbeschworen. Daraufhin kehrte Fried- Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- IX -8 Verein zur Förderung der Psychologischen Menschenkenntnis rieh Liebling wieder auf seine alten Positionen zurück und leitete die Zürcher Schule bis zu seinem Tode am 28. Februar 1982. Eine Regelung für seine Nachfolge hatte Friedrich Liebling nicht getroffen. Ähnlich der Situation um 1971 entwickelten sich wieder Führungs- und Richtungsstreitigkeiten. Friedrich Lieblings Töchter - und Erbinnen - hatten drei langjährige Weggefährten ihres Vaters mit der Leitung der Zürcher Schule und der zugehörenden Stiftung samt Immobilienbesitz beauftragt. Die Einrich­ tungen wurden in eine Aktiengesellschaft, die „Psychologische Lehr- und Be­ ratungsstelle Friedrich Liebling AG“, umgewandelt. Die Töchter selbst wollten keine Aufgaben oder sonstige Verpflichtungen aus dem Werk ihres Vaters über­ nehmen. Das eingesetzte „Triumvirat“, bestehend aus Ernst Frei, Antonio Cho und An­ nemarie Buchholz-Kaiser, spaltete sich jedoch schon bald in zwei sich bekämp­ fende Fraktionen. Frei und Cho forderten die Öffnung der Zürcher Schule, bei­ spielsweise indem sich die bis dahin fachlich isolierte Vereinigung um allge­ mein anerkannte psychologische Standards hinsichtlich der Berufsausbildung bemüht oder die Supervision der Therapiegruppenleiter von Fachkräften au­ ßerhalb der Zürcher Schule übernehmen läßt. Dieser Position stand Annemarie Buchholz-Kaiser ablehnend gegenüber und bezeichnete die Vorschläge von Frei und Cho als Verrat an der Sache Lieblings. Im Lauf der Jahre konnte sie die Mehrheit der Anhänger für sich überzeugen, sodaß 1986derVPM gegründet wurde. 1988 wurden demVPM dann noch alle Nutzungsrechte aus dem Stiftungsvermögen zugesprochen. Nach dem Ende dieses Richtungsstreits setzte die Konsolidierung des neuen VPM ein. Kritische Gruppenleiter oder Anhänger wurden isoliert, so daß sic die Vereinigung verließen, oder sic mußten sich der neuen Führungs­ persönlichkeit Annemarie Buchholz-Kaiser untcrordnen. Buchholz-Kaiser gilt die VPM als autoritative Nachfolgerin Friedrich Lieblings, die sein Werk fort­ setzt. Darin eingeschlossen ist die persönliche Verehrung, die früher Liebling und jetzt Buchholz-Kaiser als „fachlicher Leiterin“ des VPM entgegengebracht wird. 2. Lehre und Struktur Der VPM ist im Kern eine Therapiebewegung, die von sich behauptet, das Mit­ tel zur Lösung aller individuellen und gesellschaftlichen Probleme zu besitzen. Kennzeichen des VPM sind dabei zum einen die absolute Stellung der Füh­ rungsspitze, die früher Friedrich Liebling und jetzt Annemarie Buchholz-Kai­ ser innehat, und zum anderen der mit absoluter Rigorosität vertretene Anspruch, 2 Westarp Science - Fachverlage
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