IX - 7

Scientology

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Scientology IX-7 IX = 7 Scientology Von Thomas Schweer Bereits seit längerer Zeit liefert Scientology reichlich Stoff für Schlagzeilen. Diese Organisation ist zweifellos die umstrittenste Gemeinschaft auf dem so­ genannten „Sekten- und Psychomarkt“. Während den meisten der hierzu ge­ zählten Gruppen der Religionscharakter in der Regel nicht abgesprochen wird, ist dies bei Scientology anders. Fast alle Kritiker sind sich darin einig, daß es sich bei Scientology vorrangig um ein Wirtschaftsunternehmen ohne erkenn­ bare religiöse Grundlage handele. Der Religionsbezug werde lediglich zur An­ erkennung als steuerbegünstigter Verein sowie zur Erlangung der mit dem Religionsstatus verbundenen Privilegien vorgeschoben. Dieser Argumentation haben sich mittlerweile auch einige deutsche Gerichte angeschlossen, und au­ ßer in den USA gerät Scientology zunehmend unter Druck. In Griechenland beispielsweise wurde die Organisation Anfang 1997 von einem Athener Ge­ richt mit der Begründung verboten, sie stelle eine „Gefahr für die Gesellschaft und die öffentliche Ordnung“ dar und beute ihre Mitglieder unter dem Deck­ mantel einer Philosophie aus. Die Gründung Gründer der Scientology war der Amerikaner Lafayette Ronald Hubbard. Zu­ nächst betätigte sich der am 13. März 1991 in Tilden/Nebraska geborene Hubbard als Sciencc-Fiction-Autor, wobei er eine große Produktivität an den Tag legte. In dem Magazin „Astounding Science Fiction“ veröffentlichte er 1950 die Grundzüge einer vom ihm entwickelten psychotherapeutischen Me­ thode namens „Dianetik“. Im selben Jahr erschien dann das komplette Werk als Buch unter dem Titel „Dianetics.The Modern Science of Mental Health“. Schon bald bildeten sich in den USA und in Großbritannien verschiedene Gruppen, die nach den Anweisungen dieses Buches Dianetik praktizierten. Hubbard selbst gründete 1950 eine Foundation, in derer seine Methode weitervermitteln woll­ te, aber nur zwei Jahre später schied er aufgrund interner Streitigkeiten wieder aus der Foundation aus, die noch im gleichen Jahr Konkurs anmelden mußte. Hubbard, der mit seinem Ausscheiden auch die Rechte an seinem Dianetikbuch verloren hatte, entwarf nun ein umfassenderes System, das er „Scientology“ nannte. Am 18. Februar 1954 wurde in Los Angeles die erste Scientology-Kir­ che gegründet, in Deutschland organisierte sich Scientology mit der Gründung ihrer Zentrale in München am 15. Oktober 1970. Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- IX-7 Scientology Von Dianetik zu Scientology Nach dem für Scientology grundlegenden Prinzip der Dianetik, was „durch die Seele“ bedeutet (abgeleitet vom Griechischen „dia“ und „nous“), im Sinne von „was die Seele durch den Verstand dem Körper antut“, besteht der Mensch aus Körper (body) und Verstand (mind). Der Verstand wird in einen analytischen und einen reaktiven Teil unterschieden. Der analytische Verstand funktioniert perfekt und fehlerfrei und speichert alle Erinnerungen ähnlich wie ein Compu­ ter in einer Datenbank. Macht ein Mensch jedoch negative Erfahrungen, dann schaltet sich der bewußte, analytische Verstand zwecks Selbstschutz aus und an seine Stelle tritt nun der unbewußte, reaktive Verstand. Da dieser aber in seiner Datenbank nur schmerz- und angstverursachende Situationen gespeichert hat, reagiert der entsprechende Mensch auf die jeweilige Situation durch Abwehr, Furcht oder Aggression, was die bereits vorhandenen, als dreidimensional vor­ gestellten „geistigen Eindrucksbilder“ (Engramme) weiter verstärkt. Ein trau­ matisches Erlebnis wie ein Unfall oder eine schwere Krankheit wird mit allen Begleitumständen bis ins Detail im reaktiven Verstand aufgezeichnet. Gerät der Mensch im Verlauf seines weiteren Lebens in eine seiner früheren vergleichba­ ren Lage, sei es, daß er sie bei anderen beobachtet oder daß sich einzelne De­ tails seiner damaligen Erfahrung wiederholen, dann „restimuliert“ dies das alte Engramm. Alle Engramme sind wie in einem Film auf einer „Zeitspur“ aufge­ zeichnet und unter bestimmten Bedingungen abrufbar. Da der reaktive Verstand von sich aus nicht fähig ist, Ursache und Wirkung der Engramme zu verstehen, behindert er das laut Hubbard wichtigste Ziel des Menschen: zu überleben. Dieses Verlangen des Menschen sei zwar schon lange bekannt gewesen, neu sei allerdings die Erkenntnis, daß er ausnahmslos „bei all seinen Handlungen und Zielsetzungen nur einem Befehl folgt: Überlebe!“ (Was ist Scientology?, S. 142) Je besser jemand diesem Befehl folgen könne, desto positiver würde sich sein Leben gestalten. Folglich mußte eine Lösung dafür gefunden werden, daß der reaktive Verstand sich nicht von selbst aus dem zwangsläufigen Kreislauf ständiger Restimulation alter Engramme befreien kann. Diese Lösung fand Hubbard im Auditing, was er mit „Zuhören“ über­ setzte. Im Auditingverfahren - anfangs noch ohne technische Hilfsmittel - sol­ len die alten Engramme analog dem Löschen einer Computerdatenbank elimi­ niert werden. Der zu Auditierende wird durch gezielte Fragen dazu gebracht, sich an alle Einzelheiten derjenigen Situationen zu erinnern, die die Engramme hervorgerufen haben. Nach diesem oft schmerzhaften psychischen Prozeß sind im Idealfall die Inhalte des reaktiven Verstands dem bewußten analytischen Verstand zugänglich und können somit ausgelöscht werden. Am Ende dieses Prozesses ist die betreffende Person vom „Preclear“ zum „Clcar“ geworden. 2 Westarp Science - Fachverlage
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