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Universelles Leben

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Universelles Leben IX-4 IX - 4 Universelles Leben Von Thomas Hase Das Universelle Leben (UL) versteht sich als „dynamische Glaubensgemein­ schaft, welche die Tradition des Urchristentums aufnimmt und wie dieses aus der Quelle des Prophetischen Wortes schöpft.“ (IW, S.1379) Im Zentrum der Lehre stehen Offenbarungen und inspirierte Interpretationen biblischer Texte, die die Prophetin Gabriele Wittek empfangen hat. In dieser Hinsicht ist das UL der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) vergleich­ bar. Die christlichen Großkirchen akzeptieren das Selbstverständnis des UL als christliche Gemeinschaft nicht, vor allem deshalb, weil sich in der Lehre neben den christlichen Elementen auch solche finden, die von theosophischen, gnostischen und spiritistischen Traditionen herrühren. Aus religionswis­ senschaftlicher Sicht scheint die Zuordnung des UL zur Tradition der christli­ chen Neuoffenbarungsreligionen jedoch insofern gerechtfertigt, als im Zen­ trum der Soteriologie der Kreuzestod des Jesus von Nazareth steht. Geschichte Die Lehre des UL basiert auf den Offenbarungen Gabriele Witteks. Frau Wittek wurde im Jahr 1933 geboren. Seit den frühen 70er Jahren berichtete sie, nun­ mehr in Würzburg lebend, von Begegnungen mit Wesen aus einer anderen Welt. Eine wichtige Rolle spielte der „Geistlehrer Emanuel“, der seit 1975 regelmä­ ßig erschien, um Frau Wittek und ihre Anhänger über die Beschaffenheit des Kosmos und den Willen Gottes zu unterrichten. Es begann die sogenannte „Heimholung“ der Menschen, die Rückführung der von Gott abgefallenen See­ len. Diese Heimholung wurde durch den Kreuzestod Jesu vorbereitet und er­ möglicht. 1977 trat Gabriele Wittek mit ihrer Lehre an die Öffentlichkeit, zu­ erst in Nürnberg, dann in München und Würzburg. Seit 1980 wurden die Of­ fenbarungen der von ihren Anhängern „Schwester Gabriele“ genannten Pro­ phetin auch in den USA verbreitet. (Melton 1991, S. 292) Die Aktivitäten der sich formierenden religiösen Gruppe nahmen seither auch in Deutschland zu. Es entstanden die von Anhängern des UL geführten sogenannten „Christus- betriebe“. Die anfangs „Heimholungswerk Jesu Christi“ genannte Bewegung gab sich Mitte der 80er Jahre den Namen „Universelles Leben“. Lehre Das UL hat auf der Basis der von Gabriele Wittek verkündeten Botschaften eine komplexe Kosmologie entwickelt, die hier nicht im einzelnen dargestellt Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- IX-4 Universelles Leben werden kann. Die Lehre unterscheidet einen unpersönlichen Gott und einen persönlichen Gott. Am Anfang allen Seins steht der unpersönliche Gott, die Urquelle des Kosmos, die sogenannte „Urzcntralsonne“. Diese ist die Quelle der „Urkraft“, auch „Allkraft“ oder „Heiliger Geist“ genannt. Die „erste und höchste Form, die Manifestation“ (IW, S. 1364) dieses Geistes wird „Gott-Va­ ter“ oder „Vater-Ur“ genannt. Der persönliche Gott, „Gott-Vater“ schuf andere Wesen, darunter Satana, den ersten weiblichen Engel. Satana „empfing Chri­ stus als den erstgeschauten und erst (= ein) geborenen Sohn Gott-Vaters.“ (IW, S. 1373) Sie wandte sich jedoch von Gott ab und löste so das „Fallgeschehen“ aus, in dessen Folge die materielle Welt und die Menschen entstanden. Eine ähnliche Kosmogonie findet sich bereits in den Schriften des christlichen Pro­ pheten Jacob Lorber (1800-1864). Die Entfernung von Gott, das „Fallgesche- hen“, ist laut Lehre des UL die Ursache menschlichen Leids und somit der Grund für die Erlösungsbedürftigkeit des Menschen. Der vom UL angebotene Erlösungsweg basiert auf dem Opfertod Jesu. Der „Erlöserfunken“ Jesu ver­ hindert eine „weitere Degeneration der Seelen“ (IW, S. 1362) und ermöglicht dem Menschen so, den „Inneren Weg“ der Selbsterkenntnis mit dem Ziel der Vereinigung mit Gott zu beschreiten. Das dualistische Weltbild des UL erinnert sehr an die Kosmologie der antiken Gnosis. Aus ihm wird auch die scharfe Kritik am Materialismus abgeleitet. In den Schriften, insbesondere in „Die gro­ ßen kosmischen Lehren des Jesus von Nazareth“ ist oft von der „Scheinwelt der Äußerlichkeiten“ die Rede. Die Hingaben an diese Scheinwelt hält die Ent­ fernung des Menschen von Gott aufrecht und ist die Ursache für die permanen­ te Reinkarnation der Seelen. Nur der „innere Weg“ verhindert die Vertiefung dieser Kluft und führt die Seele zu Gott zurück. Dieser vom UL gelehrte Weg führt zum „Durchbruch der Lichtmauer“ und somit zur „Wiedererentfaltung des Göttlichen im Menschen“ (IW, S. 1366). Praxis Zur Erlangung dieses Heilsziels werden vor allem asketische Praktiken emp­ fohlen. Die Welt gilt als „Schadstoff“. (IW, S. 1297) Der Mensch wird als inne­ rer Tempel Gottes aufgefaßt. Die religiöse Praxis des UL zielt auf eine Reini­ gung dieses Tempels. Die Reinigung weist den „Pfad nach innen“, der letztlich zur Vereinigung mit Gott führen soll. Zu diesem Zweck werden vor allem Me­ ditationen durchgeführt. Grundlage dafür ist die Schrift „Der innere Weg“. Der über tausend Seiten umfassende Text enthält detaillierte und illustrierte Meditationsanlcitungen mit exakt beschriebenen Körperübungen. Eine wichti­ ge Rolle spielt dabei die musikalische Umrahmung. Treffen zur gemeinsamen Meditation stehen im Zentrum der religiösen Praxis der Anhänger des UL. 2 Westarp Science - Fachverlage
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