Mazdaznan in Deutschland und der Schweiz IX - 2
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 48. EL 2016 1
OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – Frau Voit
Stand: 07.06.2016 2. AK Seite 1
IX - 2 Mazdaznan in Deutschland und der Schweiz –
Grundlagen
Von Ramona Jelinek-Menke
Einleitung
Das Anliegen Mazdaznans ist es, die Ur-Religion, von der Mazdaznan aus-
geht, für die Gegenwart verständlich und praktisch anwendbar aufzubereiten
und anzubieten. Dabei geht es um die Verbesserung menschlicher Konstitution
(Reinigung und Heilung) sowohl in individueller als auch in intergenerationaler
und kollektiver Hinsicht, um dadurch „Vervollkommnung“ bzw. Heilung, Heil
und Erlösung zu erlangen.
Aus religionswissenschaftlicher Sicht handelt es sich bei Mazdaznan um eine
religiöse Bewegung, deren Lehre, ausgehend von einer monistischen und teleo-
logischen Weltdeutung, Erkenntnisse und Anschauungen aus unterschiedlichen
Bereichen (wie z. B. Religionen, wissenschaftliche Disziplinen und Alternativ-
kultur/en vereint und der eigenen Logik gemäß erklärt bzw. in einen kausalen Zu-
sammenhang bringt. Hervorgehoben wird die bewusste Praxis des Individuums,
welche die Lehre umsetzen und Erlösung bewirken soll. Dabei werden vor allem
Begriffe und Konzepte des Christentums, des Zoroastrismus sowie der Alterna-
tivkultur und -medizin des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts aufgenommen,
zueinander in Beziehung gesetzt und dafür z. T. umgedeutet.
Religionswissenschaftliche Forschung über Mazdaznan und ihre
relevanten Quellen
In Wissenschaft und Öffentlichkeit ist wenig über die Mazdaznan-Gemein-
schaft, ihre Anfänge und ihre Entwicklung bekannt; ihre Lehren, Praktiken
und gegenwärtige Organisation sind nahezu unerforscht.
Die bis dato aktuellste und ausführlichste Darstellung des religionswissen-
schaftlichen Forschungsstandes zu Mazdaznan ist in der Dissertation des Re-
ligionswissenschaftlers Johannes Graul enthalten, die selbst das staatliche bzw.
polizeiliche Vorgehen gegen die Gemeinschaft und ihre Vertreter/innen zur Zeit
des Deutschen Kaiserreiches analysiert.
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IX - 2 Mazdaznan in Deutschland und der Schweiz
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Als wichtigste Quellen für die weitere Erforschung Mazdaznans sind die ver-
schiedenen Periodika und Monografien der Bewegung, Broschüren, Flugblätter,
Versandhauskataloge, Archivquellen und Nachlässe zu nennen. Die Mazdaznan
eigene Bibliothek in Zürich ist mit ihren Beständen von herausragender Bedeu-
tung für die Beschäftigung mit Mazdaznan, die sich auf schriftliche Zeugnisse
stützt.
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Aufschlüsse wären darüber hinaus von Befragungen sowie Besuchen und Ana-
lysen der Kursprogramme zu erwarten, die von der Mazdaznan-Lebensschule
in Zürich, den Arbeitsgemeinschaften Wassermann in Karlsruhe und Lichtweg
in Bockenem (Landkreis Hildesheim) sowie verschiedenen Einzelpersonen
angeboten werden.
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Geschichtlicher Überblick
Ursprungsüberlieferungen
Die (Offenbarungs-)Geschichte der Mazdaznan-Religion beginnt nach ihrer
eigenen Überlieferung vor „tausende[n] von Jahren vor Zarathustra“
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in Ti-
bet. Dort habe ein Mädchen mit dem Namen Ainyahita gelebt. Sie habe durch
den Vollzug ritueller Handlungen Lehrgespräche „mit ihrem eigenen Gott“
in ihr, das heißt mit sich selbst geführt. Sie gilt Mazdaznan als „Begründerin
der Zendphilosophie“, deren „Wiedererwecker“ Zarathustra und später Jesus
Christus gewesen seien.
Gemäß dem Geschichts- und Evolutionsbildes Mazdaznans habe der Mensch
die Aufgabe, sich weiterzuentwickeln, um sich selbst und die gesamte Mensch-
heit von jeglichen Krankheiten und Leiden sowie allem Hässlichen zu erlösen.
Damit dies gelinge, müsse auch die Präsentation von Lehre und Praxis (Re-
ligion/Erziehungssystem) sich fortentwickeln und dem jeweiligen kulturellen
Umfeld entsprechen, damit sie dem Menschen in seinem jeweils gegenwär-
tigen Entwicklungsstadium verständlich und umsetzbar bleibe. Die Aufgabe
der Erneuerung sei im 19. Jahrhundert schließlich Otoman Zaradusht Hanish
(1844–1936) zugefallen.
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Der „Meister“ Hanish sei, der Mazdaznan-Überlieferung zufolge, als Sohn des
russischen Botschafters in Persien und seiner deutschen Ehefrau 1844 in Teheran
geboren. Aufgrund einer schweren Herzerkrankung in der Kindheit sei er von
seinen Eltern zur Heilung zu einem Tempelorden in den tibetischen Bergen, dort Westarp Science – Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 19 Seiten
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