IX - 1

Gralsbewegung

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Gralsbewegung IX - 1 IX - 1 Gralsbewegung Von Heinz Murmel Die Gralsbewegung wurde von dem aus Bischofswerda stammenden Oskar Ernst Bernhardt (1875-1941) gegründet. Als Religionsstifter nahm er den Namen Abd- ru-shin an. Er verfaßte zahlreiche Schriften, von denen besonders auf die drei­ bändige Ausgabe von „Im Lichte der Wahrheit“ (umfaßt 168 Vorträge) verwie­ sen werden soll. Dieser „Gralsbotschaft“, zwischen 1923 und 1937 verfaßt, kommt eine außerordentliche Autorität zu. Nach seinem Tod ging die Führung auf seine (zweite) Frau Maria über, die 1957 starb. Im Umkreis der Familie blieben auch weiterhin wichtige Leitungs­ positionen. Die Lehre ist in ihrer Theologie, Kosmologie, Anthropologie und Soteriologie außerordentlich komplex. Von grundsätzlicher Bedeutung ist, daß die gesamte „kosmische“ Schöpfung als in übereinander liegenden Schichten vorgestellt wird, wobei die „Kraftzufuhr“ für die unteren, immer „gröber“ werdenden, aus der darüberliegenden erfolgt. Im Zentrum der Erlösungsbotschaft befindet sich die Anschauung, daß es Be­ stimmung des Menschen ist, sich durch die Führung des Geistes unter Beachtung der göttlichen Gesetze der grobstofflichen Sphäre zu entledigen um letztlich stufenweise aufsteigend im „Reich des Geistes“ seine Erlösung zu finden. Die­ se muß ein jeder selbst erreichen, wofür eine nur begrenzte Zahl von Reinkar­ nationen zur Verfügung stehen. Das Hören auf die „innere Stimme“, die zur notwendigen „geistigen Wiedergeburt“ führt und „einen Aufstieg in die nicht­ stoffliche Ebene des Seins ermöglicht“, ist dabei von wesentlicher Bedeutung. Die Unterwerfung unter seine Ratio führt im Gegensatz dazu in das Verderben, in die Bindung an das Grobstoffliche. Kultischer Mittelpunkt ist der Vomperberg wo auch die zentralen Feste (Haupt­ fest, Fest der Heiligen Taube, am 30.5.) begangen werden. Die Zeremonie der Versiegelung nimmt im eigentlichen Sinne in die Gemeinschaft des „neuen Bundes“ auf. Auf lokaler Ebene sind vor allem die (sonntäglichen) Andachten für die Ver­ siegelten zu erwähnen, die Lektionen aus den Schriften des Stifters in ihr Zen­ trum stellen. Zur Geschichte und Verbreitung Nach einem bewegten Leben (u.a.Weltreisen, Gefängnisaufenthalt) wurde Bernhardt sich 1923 seiner Sendung bewußt. Eine rege Vortragstätigkeit schuf ihm eine untereinander nur lose verbundene Anhängerschaft. Er verstand sich Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1. EL 1998 1 --- Seite 1 Ende --- IX-1 Gralsbewegung als Brücke zu Gott, als „ewiger Mittler“, dem es als gegenwärtige Inkarnation des Menschensohnes beschieden ist, die endgültigen Antworten auf letzte Fra­ gen zu geben die bisher unbeantwortet geblieben waren. Bernhardts Übersiedelung nach Tirol (auf den Vomperberg) legte die Basis für die Herausbildung eines Zentrums. Nach der Annektion Österreichs im Jahre 1938 wurde Bernhardt kurzzeitig verhaftet und ihm jede weitere Tätigkeit ver­ boten. Er zog sich nach Kipsdorf im Erzgebirge zurück wo er im Dezember 1941 starb. Aber die Gralsbewegung etablierte sich international. So etwa kam sie als „Grail Movement“ im Jahre 1939 in die USA (Mt. Morris, Illinois). 1945 sammelt sich der deutschsprachige Teil der Bewegung erneut mit dem Vomperberg als Zentrum. Gegenwärtig gibt es nach eigenen Angaben Gruppen in Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Belgien, Großbritannien, Frank­ reich, Spanien, Italien, Rumänien, Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Rußland, den USA, Kanada, Brasilien, Australien, Neuseeland, Nigeria, Südafrika, Ka­ merun, Zaire, Indien und Thailand. Ende der 80er Jahre soll es ca. 8.000 Versie­ gelte (in Deutschland etwa 2.300) gegeben haben. Die Gralsbewegung bestimmt ihr Verhältnis zu anderen Religionsstiftern (hi­ storischen oder mythischen) als das zu „Wegbereitern“. Zu diesen gehören Hjalfdar und Holda (für das „Goldene Zeitalter“), Zarathustra, Lao-tse, Bud­ dha, Jesus Christus, der indes eine besondere Rolle spielt, und Mohammed. Literatur Abd-ru-shin: Im Lichte der Wahrheit, 20. Aull., 1994 Gralswelt. Zeitschrift für Geisteskultur und ganzheitliche Zusammenhänge, Jg. 1, Ditzingen 1996 Klöcker, Michael/Tworuschka, Udo: Religionen in Deutschland, München 1994 Reller, Horst u. Manfred Kießig (Hg.): Handbuch religiöse Gemeinschaften, 3. völlig überarb. Aull., Gütersloh 1985, S. 281-295 Verseht-Biener, Karin u. Hans-Diether Reimer: Die „Gralsbewegung“, EZW: Orientie­ rungen und Berichte 18, Stuttgart 1991 Adresse Stiftung Gralsbotschaft Lenzhalde 15 70192 Stuttgart Tel.:7156-5096 Internet-Adresse http://www.grail.org.au/ 2 Westarp Science - Fachverlage
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