VIII - 25.1

Hindu-Religionen in Österreich

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Hindu-Religionen in ÖsteRReicH VIII - 25.1 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 73. EL 2022 1 Zusammenfassung Hindu-Religionen bilden heute einen festen Bestandteil der österreichischen Religionenlandschaft. Allerdings führt die ausgesprochene Heterogenität der damit bezeichneten Religionstraditionen zu einem breit aufgefächerten Feld, das nur bedingt aufeinander bezogen bleibt. Neben Hindus, die durch ethni- sche und sprachliche Anbindung und der damit einhergehenden Sozialisie- rung ihre Religion kennenlernen, ist ein sehr buntes Feld von Gemeinschaf- ten zu thematisieren, die sich dem Hindu-Kontext zurechnen, aber zumeist jüngeren Entstehungsdatums sind und zuweilen eine hohe Attraktivität für Personen entwickelten, die nicht ethnisch mit dem südasiatischen Kontext verbunden sind. Der Beitrag setzt sich zum Ziel, diese Vielfalt darzustellen und sowohl als Ausdruck historischer Entwicklungen (einschließlich der positiven Rezeption „Indiens“ in der europäischen Geistesgeschichte) als auch als Spiegel der an sich schon sehr heterogenen Religionenlandschaft Südasiens darzustellen. Schlagwörter Hindu-Religionen, Südasien, Migration, neureligiöse Bewegungen, Religion(en) und Staat VIII - 25.1 Hindu-Religionen in Österreich [Hindu Religions in Austria] FRanz WinteR Submitted March 05, 2022, and accepted for publication June 10, 2022 Editor: Udo Tworuschka Summary Hindu religions are an important aspect of the religious landscape of Austria. The scene is characterised by a variety of communities, movements and as- sociations. Apparently, there are at least two layers of Hindu religions that are only partially related to each other: Hindus who are ethnically and be- cause of their socialisation practising traditional forms of religiosity, mostly organised in various “temples” (with most of them located in Vienna, the country’s cultural and administrative centre); and a sample of movements, --- Seite 1 Ende --- VIII - 25.1 H indu-Religionen in ÖsteRReicH 2 © Westarp Science Fachverlag 1 Allgemeine Vorbemerkungen Die folgende Auseinandersetzung will eine Übersicht über die Präsenz von Religionstraditionen in Österreich geben, die gemeinhin unter den generischen Begriff „Hinduismus“ subsumiert werden. Diese Bezeichnung ist bekannter- maßen äußerst umstritten, weil es ein klassisches Beispiel für eine sehr junge Traditionsbezeichnung darstellt, deren Entstehung sich spezifischen Konstel- lationen einer komplexen euro-asiatischen Verflechtungsgeschichte verdankt und zudem immer im Anruch stand, primär ein europäisches koloniales Ex- portprodukt zu sein, das der vielfältigen Religionenwelt Südasiens nicht gerecht werde. 1 Im Folgenden wird deshalb auf den Begriff „Hinduismus“ verzichtet, weil er zudem eine geschlossene Religion suggeriert. Demgegenüber wird die etwas flexiblere Bezeichnung Hindu-Religionen bzw. das Begriffsfeld Hindu- beibehalten, zumal sich ansonsten die Frage stellt, auf welche Bezeichnun- gen man zurückgreifen sollte. Sowohl die Alternative, die verschiedenartigen Traditionen mit ihren jeweiligen Eigenbezeichnungen separat zu behandeln, als auch die Suche nach neuen, alternativen Begrifflichkeiten erscheint nicht als sinnvoll, weil es entweder zu einer Atomisierung des Forschungsgebietes kommt oder gängige Begrifflichkeit durch künstliche Termini ersetzt werden, die nur für die akademische Forschung relevant sind. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang wohl, sich der Heterogenität des Kontextes bewusst zu sein und eine gewisse Sensibilität für den veranschlagten Begriff mitzubringen. Bei aller Kritik am Hindu-Begriff muss nämlich ganz deutlich in den Fokus gerückt werden, dass das Begriffsfeld selbst von den damit in der Regel Bez- eichneten übernommen wurde und in weiterer Folge auch so etwas wie ein Selbstverständnis markiert, das wiederum eine gemeinsame Klammer bietet. Das ist in Österreich evident in der Tatsache erkenntlich, dass die „Hinduis- tische Religionsgesellschaft in Österreich“, die in dieser Form seit 1 998 ex- commonly referred to as “new religious movements”, that came into being in the course of the twentieth century due to certain developments within the highly vibrant religious landscape of South Asia (and in close connection to European contexts). The article intends to give a concise overview of the current situation and its historical development. Keywords Hindu religions, South Asia, migration, new religious movements, religion(s) and the state
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