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Zoroastrismus in Deutschland

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Zoroastrismus in Deutschland VIII - 21 VIII - 21 Zoroastrismus in Deutschland Von Manfred Hutter Grundzüge des Zoroastrismus Zarathustra, der wahrscheinlich kurz vor der Wende vom 2. zum 1. Jahrtausend v. Ohr. etwas nordöstlich der Grenzen der heutigen Islamischen Republik Iran gelebt hat, gilt als Ausgangspunkt jener Religion, die - abhängig von der griechischen Namensform Zoroaster für Zarathustra - als Zoroastrismus bezeichnet wird. Anhänger dieser Religion leben bis heute hauptsächlich im Iran, wobei Schätzungen der Anhängerzahl zwischen 30.000 und 50.000 Personen schwanken. Andere Zahlcnangaben sind höher; bei solchen höheren Zahlen ist zu berücksichtigen, dass sic stärker eine „Wiederentdeckung“ zoro­ astrischer Identität als „iranisches Kulturgut“ in Reaktion auf die Islamisierung der iranischen Gesellschaft seit der Islamischen Revolution (1978/79) aus­ drücken als die Zahl von Zoroastriern, die die rituelle Seite der Religion ausüben. Dieses Phänomen lässt sich auch unter Iranern in Mitteleuropa, Großbritannien und den Vereinigten Staaten von Amerika beobachten, die im Gefolge der Islamischen Revolution ihr Heimatland verlassen haben. Die zweite wichtige Gruppe sind die Parsen in Indien; diese Bezeichnung bezieht sich auf jene Zoroastrier, die im 8. oder 10. Jahrhundert als Folge des weiten Vordringens des Islam in Iran ihre Heimat verlassen und sich in Indien niedergelassen haben, wo sie aufgrund ihrer Herkunft als Parsen (zurückführbar auf die Herkunfts­ bezeichnung: Perser) bezeichnet wurden. Ihre Zahl ist seit mehr als einem halben Jahrhundert rückläufig und hat bei der Volkszählung des Jahres 2001 nur noch 69.601 Personen umfasst. Diese rückläufige Tendenz hängt mit einer Überalterung der Bevölkerung und einer vermehrt seit Mitte der 60er Jahre des 20. Jahr­ hunderts zu beobachtenden Auswanderung von (jüngeren) Parsen aus Indien zusammen, die v.a. in Großbritannien, Nordamerika und in Australien sowie Neuseeland sich neue Existenzmöglichkeiten erschließen. Die Gesamtzahl der dadurch in solchen Ländern der Diaspora lebenden Angehörigen des Zoro­ astrismus mag dabei auch etwa 30.000 bis 40.000 Personen umfassen. Weltweit sind somit ungefähr 160.000 Personen Anhänger des Zoroastrismus. Kenntnisse über die Lehrinhalte des ursprünglichen Zoroastrismus lassen sich aus dem Avesta gewinnen. Der kleinere Teil des Avesta sind die so genannten Gathas und der Yasna I Iaptanhäiti, die ursprünglich als Texte zur Durchführung von Ritualen zusammengeslcllt wurden und die nach weitgehend akzeptierter Forschungsmeinung von Zarathustra bzw. seinem unmittelbaren Anhängerkreis stammen. Im Mittelpunkt dieser Texte steht Ahura Mazda als höchster Gott, der Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 10. EL 2005 1 --- Seite 1 Ende --- VIII - 21 Zoroastrismus in Deutschland von anderen göttlichen Geschöpfen umgeben ist, die heutzutage von Zoroast­ riern gelegentlich als „Engel“ (bzw. neupersisch als izad) bezeichnet bzw. als Eigenschaften Ahura Mazdas verstanden werden. Die Texte des jüngeren Avcsta sind Hymnen an verschiedene Gottheiten (z. B. Yast), Verehrungsformeln (z.B. Visprad), weitere Ritualbcschreibungen (z.B. Yasna,Siröza) sowie Rechtstexte (z. B. Videvdäd), die u.a. Sühneleistungen für zwischenmenschliche Ver­ fehlungen, aber auch eine Fülle von Reinheitsvorschriften beinhalten. Weitere Texte in mittclpcrsischer Sprache, die zum Großteil in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends n.Chr. entstanden sind, bringen z. T. systematische theologische Ausformulierungen von Lehren der Religion, wobei ein Teil dieser Texte erst entstanden ist, nachdem der Islam den Zoroastrismus im Iran als dominierende Religion abgclöst hat. Analog zum strengen Monotheismus des Islam formu­ lieren daher auch diese Texte einen zoroastrischen Monotheismus, wobei die ethischen Werte, die bereits im Avcsta genannt sind, weiter betont werden, und auch die Wertschätzung des Avesta als „heiliges Buch“ der Religion zunimmt, das die zeitlos gültige Lehre des Gottes Ahura Mazda beinhaltet, die Zarathustra verkündet hat. Zoroastrische Gruppierungen in Deutschland Mit dem beginnenden wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands ab dem Ende der 1950er Jahre kam es zur Anwerbung von u. a. iranischen Arbeitskräften, aber auch Studierende aus dem Iran konnten ab den 1960er Jahren die Bildungs­ angebote in Deutschland nutzen. Unter diesen Iranern befanden sich vereinzelt auch Zoroastrier, die sich jedoch bestenfalls auf privater Ebene zu religiösen Anlässen trafen. Quantitativ noch geringer war (und ist bis heute) die Zahl von Parsen aus Indien, die primär zu Studienzwecken nach Deutschland kamen (v. a. Medizin, Jura. Pharmazie). Während dabei auch in den folgenden Jahrzehnten der Zuzug von Parsen v. a. auf Bildungsmigration beschränkt blieb, veränderte sich in den 70er Jahren die Situation bzgl. der iranischen Zoroastrier, indem einige aus politischen Gründen bereits während der letzten Jahre der Regierung von Muhammad Reza Shah Pahlavi ihre Heimat verließen, um in Deutschland eine neue Lebensgrundlage zu finden. Ein entscheidender Einschnitt war jedoch die gesellschaftliche Umgestaltung Irans durch die Islamische Revolution, indem Zoroastrier - obwohl ihre Religion bis heute in der iranischen Verfassung als offizielle Religion anerkannt ist -- in größerer Zahl als Flüchtlinge oder Asyl­ bewerber nach Deutschland kamen. Vor diesem Hintergrund muss man sagen, dass der Zoroastrismus erst seit knapp mehr als zwei Jahrzehnten ein Teil der Religionswclt in Deutschland ist, auch wenn es vereinzelte ältere historische 2 Westarp Science - Fachverlage
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