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Rhein-Main Bengali Cultural Association e.V.

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Rhein-Main Bengali Cultural Association e.V. VIII -18 VIII - 18 Rhein-Main Bengali Cultural Association e.V. Von Matthias Dech Soziale Situation in Deutschland Betrachtet man die Einwanderungsgeschichte von Hindus aus südostasiati­ schen Ländern nach Deutschland, dann lassen sich mehrere Phasen unter­ scheiden. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts lebte lediglich eine klei­ ne Gruppe von Hindus aus Indien in Deutschland, die meist ohne Familien­ verbund zu Ausbildungszwecken nach Deutschland kamen. Der Großteil dieser Migranten blieb in der Regel nur einige Jahre in der Bundesrepublik, die meisten kehrten später entweder nach Indien zurück oder migrierten in die USA oder Kanada. Anfang der 80er Jahre veränderte sich die demographische Struktur der hindui­ stischen Zuwanderer. Nun kamen statt Ausbildungs- und Arbeitsmigranten ver­ mehrt politische Flüchtlinge aus Sri Lanka, Bangla Desh und später Afghani­ stan nach Deutschland. Die Bengalis im Großraum Frankfurt gehören zu der ersten Einwanderungs­ gruppe. Ein Großteil lebt schon über 20, im Einzelfall mehr als 30 Jahre in Deutschland. Seit den frühen 60er Jahren zog es bengalische Studenten, Prakti­ kanten, Facharbeiter und Akademiker nach Deutschland, weil die damalige li­ berale Stipendienpolitik der Bundesregierung und privater Träger sowie eine gewisse historische Verbundenheit (verschiedene bengalische Freiheitskämpfer und Intellektuelle wie Subhas Chandra Bose, M.N. Roy, Tagore u.a. hatte Deutschland besucht und in ihrer Heimat ein sehr positives Bild davon hinter­ lassen) den Aufenthalt zwecks Ausbildung in der Bundesrepublik für Bengalis attraktiv machten. Nahezu ein Drittel der damals eingereisten bengalischen Männer, die hier geblieben sind, haben eine deutsche Partnerin geheiratet. Die Inder im allgemeinen und die Bengalis im besonderen gehören zu denjeni­ gen Immigranten, die das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Zuwanderer in Deutschland aufweisen. In der Regel sind die Bengalen finanziell und beruflich gut situiert und sozial voll integriert. Vereinsbildung und Durga-Fest Seit den 60er Jahren kam es zu sporadischen Zusammenkünften von Benga­ len im privaten Kreis. Daraus entwickelten sich regelmäßige monatliche Tref­ fen, bei denen die gemeinsame Muttersprache gepflegt sowie wichtige Hei­ matfeste und persönliche, biographische Feiern zusammen gefeiert wurden. Das bedeutendste Gemeinschaftsfest ist die Durgapuja (etwa: „Anbetung, An­ dacht für die Durga“), die unter verschiedenen Namen bekannt ist: Geläufig Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 4. EL 2000 1 --- Seite 1 Ende --- VIII -18 Rhein-Main Bengali Cultural Association e.V. ist es auch unter Durgotsava („Fest der Durga“) oder Navaratri („Neun-Nächte- Fest“). In den ersten Jahren wurde dieses in Bengalen wichtigste Fest im klei­ nen Rahmen bei privaten Zusammenkünften gefeiert. 1982 erfolgte erstmalig die Anmietung eines Bürgerhauses, um mehr Bengalis in und um Frankfurt die Möglichkeit der Teilnahme und des kollektiven Feierns zu geben. Dies war die Initialzündung für die Gründung eines Vereins - „Rhein-Main-Bengali Cultural Association“ der im gleichen Jahr ins Leben gerufen wurde. Die Bengali Association ist einer der ersten Vereine im Großraum Frankfurt, der sich nach dem Prinzip einer regionalen Ausrichtung mit gemeinsamer Spra­ che und vor allem gemeinsamer Festtradition konstituiert hat. Darüber hinaus brachte diese formaljuristische Maßnahme den Vorteil mit sich, daß dadurch städtische Zuschüsse bei der Anmietung von öffentlichen Gebäuden und Räu­ men gewährleistet sind. Dies ist insbesondere deshalb von Belang, weü der Verein über kein eigenes, ständiges Vereinszentrum verfugt und somit für die verschie­ denen Veranstaltungen jeweils geeignete Räume anmieten muß. Der Verein zählt zwischen 150 und 200 Mitgliedern, wobei insbesondere bei den Feierlichkeiten zu Ehren der Durga aber zwischen 500 und 600 Personen teilnehmen. Unumstritten bildet die Durgapuja den jährlichen Höhepunkt der Aktivitäten der Bengali Association, daneben organisiert der Verein aber noch eine Reihe von anderen, kleineren Festen und Veranstaltungen: den Geburtstag der bengalischen Literaten Rabindranath Tagore und Kazi Nazrul Ilsam im Mai, ein Grillfest im Sommer sowie zwei kleinere Andachtsfeiem für die Göttinnen Sarasvati und Lakshmi im Oktober/November und Februar/März. Die Durgapuja gilt als Nationalfest der Bengalen und wird zur Zeit der Tag- und-Nachtgleiche im Herbst gefeiert (in Bengalen wird das Festdatum nach ei­ nem Mondkalender astronomisch errechnet, und deshalb variiert der Festtermin im gregorianischen Kalender). In Deutschland findet es etwa in der Zeit Sep- tember/Oktober statt. Die Festdauer erstreckt sich über fünf Tage; 1999 begann die Durgapuja am 15.10. und endete am 19.10. (im Jahr 2000 fällt das Fest auf die Zeit vom 3.-7.Oktober). Jedem Fest liegt eine (oder mehrere) mythologische Rahmenerzählung zu­ grunde, die berichtet, wie es zu dem betreffenden Fest kam und welcher Be­ sonderheit gedacht wird. Im Falle der Durgapuja feiern die mythologischen Kulterzählungen die Göttin Durga als mächtige Kriegerin. Es gibt verschiede­ ne solcher Kulterzählungen; die verbreitetste und bekannteste handelt vom Sieg der Göttin über den Dämonen Mahisha, der die Vorherrschaft der Götter durchbrochen hatte und im Begriff stand, diese zu unterjochen. An diesen (mythologischen) Vorfall erinnern die während des Festes verwendeten Kult­ figuren, deren zentrale die Durga zeigt, wie sie dem Dämonen ihren Speer ins Herz rammt. 2 Westarp Science - Fachverlage
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