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Vereinigungskirche

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Vereinigungskirche VIII - 16 VIII -16 Vereinigungskirche Von Helmut Langel Entstehung 25. Februar 1920: Yong Myung Mun wird in Chongju, in Nordkorea geboren. Er stammt aus einer Bauernfamilic, die 1930 zum presbyterianischen Chri­ stentum konvertierte. Nach den Interna der Organisation wird dieses Datum folgendermaßen beschrieben: „An diesem Tag wurde einem Menschen das Leben geschenkt, dem der göttliche Auftrag für die schwierigste Aufgabe der Gechichte bestimmt war: die Welt zu erneuern.“ Schon 1936 soll Mun eine erste Vision gehabt haben, in der Jesus ihm den Auftrag gab, seine unabgeschlossene Sendung auf Erden zu erfüllen. Mun kam während des zweiten Weltkrieges nach Japan und studierte dort Elektrotechnik. Seine Visionen setzten sich fort. 1946 kehrt er in das befreite Korea zurück. In dieser Zeit wird er in bemerkens­ werter Weise geistlich und geistig beeinflußt durch einen sechsmonatigen Auf­ enthalt „im ‘Israel-Koster’ von Kim Baek-Mun, einem Schüler von Guk Ju Hwang. (In diesen Kreisen wurde der Sündenfall sexuell gedeutet: Der Mensch müsse sein durch den Sündenfall verdorbenes Blut durch ‘Blutaustausch’ rei­ nigen lassen. Erlösung komme dadurch zustande, daß er durch Geschlechtsver­ kehr an die Blutlinie des Messias Anschluß finde. In Korea ist bis heute die Annahme verbreitet, daß auch in der Frühzeit der VK ‘Blutaustausch’ zwi­ schen Mun und seinen Anhängerinnen in dieser Form praktiziert wurde. Die ‘Weinzeremonie’ könnte ein symbolischer Ersatz dafür sein.)“ (Hummel, 1992, S. 347) Nach Hummel hat Kim Baek-Mun schon wesentliche Gedanken der von San Myung Mun entwickelten „Göttlichen Prinzipien“ vorweggenommen. Mun gründet in dieser Zeit eine pfingstlerische Kirche und wird von der Presbyterianischen Kirche ausgeschlossen. Eine wesentliche Periode in seiner Biographie ist seine Verhaftung durch die kommunistischen Behörden. 1948 wurde er zu fünf Jahren Arbeitslager verur­ teilt, aber schon 1950 von UN-Truppen befreit. Ab 1951 predigt Mun seine eigene Lehre. Am 15.5.1954 gründet er die eigene Organisation. Nach der Kurzfassung der Geschichte in offizieller Darstellung klingt das so: „S. Myun Moon wurde 1920 geboren in Korea. Er begann mit der Arbeit, eine Vereinigungsbewegung zu gründen etwa 1945. Zu dieser Zeit sammelten sich erste Nachfolger um ihn. Seine Absicht war ursprünglich nie, eine eigenständi­ ge Kirche zu gründen sondern eine Vereinigungsbewegung, um das zersplitter­ te Christentum in Korea zusammenzuführen. Wir glauben, daß Einheit unbe­ Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- VIII -16 Vereinigungskirche dingt notwendig ist, damit Gottes Segen auf der christlichen Gemeinschaft über­ haupt liegen kann. Von daher auch der ursprüngliche Name der Vereinigungs­ kirche: HEILIGGEISTGESELLSCHAFT FÜR DIE VEREINIGUNG DES WELTCHRISTENTUMS. Diese Gesellschaft wurde 1954 gegründet, hat sich immer mehr durchsetzen können und ist heute eine recht respektierte und eta­ blierte Gemeinschaft geworden. Sie ist in Korea bedeutend stärker vertreten als in irgendeinem westlichen Land. Sie hat in etwa 600.000 Mitglieder in Korea, in Japan 400.000, in Amerika 30.000, in der Bundesrepublik etwa 2000 Mit­ glieder. 1964 wurde die Vereinigungskirche in Deutschland offiziell gegrün­ det.“ 1957 bringt Mun sein Hauptwerk: „Die göttlichen Prinzipien“ heraus. In offizi­ ellen Verlautbarungen der Vereinigungskirche wird deutlich, daß sie als die ein­ zige Wahrheit in der Welt der Religionen von den Anhängern gesehen werden: „Nachdem er alle göttlichen Prinzipien herausgefunden hatte, mußte Moon sic von Gott und der geistigen Welt bestätigen lassen. Zuerst legte er sie den geisti­ gen Größen vor, Buddha, Konfuzius und Jesus. Keiner von ihnen akzeptierte sie. Dann brachte er sie vor Gott. Aber selbst Gott wies sie zurück und sagte: Das ist nicht die Wahrheit. Moon versuchte cs noch einmal und wurde wieder zurückgewiesen. Erst beim dritten Mal sagte Gott: Ja, das ist die Wahrheit und die höchsten geistigen Wesen beugten sich vor ihm.“ Ab 1958 beginnen die Aktivitäten Muns im Ausland. Eine seiner heraus- ragendsten Anhängerinnen für die Entwicklung der Vereinigungstheologie ist die Professorin Young Oon Kim. Sie ist eine Anhängerin Swedenborgs und leistet einen maßgeblichen Beitrag zur Systematisierung der „Göttlichen Prin­ zipien“. Ihr „Studienführer“ ist vor allem in der späteren Mission eine Haupt­ quelle der Unterrichtung. „Der gegenwärtige Forschungsstand reicht noch längst nicht aus, um ihre Rolle und diejenige anderer Personen bei der Entstehung der Vercinigungstheologie...abschätzen zu können. Jedenfalls gibt cs eine Reihe von Übereinstimmungen, die einen Einfluß Swedenborgs auf die Vereinigungs­ theologie möglich erscheinen lassen.“ (Hummel, 1995, S. 325) Nachdem ihn seine erste Frau verlassen hattte heiratet Mun 1960 Hak-Ja Han. Diese Heirat gilt als die „Hochzeit des Lammes“, was den messianischen Cha­ rakter dieser Ehe als die „Wahren Eltern“ unterstreichen soll. Ab 1961 kommt es zu sogenannten „Massenhochzeiten“ in der Bewegung, die „vollkommene“ Ehen mit „sündlosen Kindern“ aufbauen sollen. Aus seiner Ehe gehen 12 Kin­ der hervor. Zwei weitere Hauptaktivitäten prägen den Charakter der Vereinigungsbewegung: 1. der Aulbau verschiedener wirtschaftlicher Unternehmungen und 2 Westarp Science - Fachverlage
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