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Vedanta-Bewegung/Ramakrishna-Mission

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Vedanta-Bewegung/Ramakrishna-Mission VIII - 15 VIII - 15 Vedanta-Bewegung/Ramakrishna-Mission Von Helmut Langel Entstehung Zwei Namen sind es, die das Bild dieser neohinduistischen Bewegung vor al­ lem auch in der westlichen Rezeption indischen Denkens prägten: Ramakrishna und Vivckananda. 1836 wurde der Brahmanensohn Gadadahr geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters wuchs er als junger Mann bei seinem Bruder, einem Priester, auf. In einem Tempel von Kalkutta zeigte er seine tiefe spirituelle Veranlagung vor allem in seiner Verehrung der Göttlichen Mutter. In dieser Zeit bekam er den Namen Ramakrishna. Seit 1855 wurde er Priester im Kali-Tempel von Dakshinevar. Das mystische Element seiner Religion faszinierte den jungen Ramakrishna mehr als der rituelle Dienst, den er angeblich vernachlässigte. Seine Mutter verheiratete ihn mit dem Mädchen Sarada, mit der er in Dakshinevar lebte. In diese Zeit fällt auch seine Auseinandersetzung mit dem Tantrismus, mit dem Monismus der Vedanta-Philosophie, mit dem Islam und mit dem Christentum. Ramakrishna erkannte in den ihn begegnenden Religionen immer wieder die „intensive Erfahrung des Göttlichen“. In besonderer Weise beeinflußten sein Denken die Nonne Bhairavi Brahmani mit ihrer Lehre über die Weltenmutter Kali und der Asket Tota Puri mit seiner Deutung der Lehre Shankaras. Ramakrishna hatte eine enorme Ausstrahlung auf die Menschen seiner Zeit. Er sprach in einer einfachen und klaren Sprache und anschaulichen Gleichnissen. Hindus, Muslime und Christen fühlten sich durch seine Persönlichkeit angezo­ gen. Er versuchte, die religiösen Gegensätze seiner eigenen Tradition (Shaktismus und Vishnuismus) und später auch die zu den anderen Religionen auszugleichen. Selbst die Außenseiter der indischen Gesellschaft, zum Beispiel die Prostituierten Kalkuttas, zählten zu seinen Anhängerinnen. Da Ramakrishna selbst seine Vorstellungen nicht systematisch aufgeschrieben hat, sind uns sei­ ne Äußerungen nur durch seine Schüler überliefert. Auch sein sozial­ reformerischer Impetus, sein Empfinden für Gerechtigkeit und seine ungeteilte Zuneigung zu allen Lebewesen verschafften ihm eine Glaubwürdigkeit, die das Bild des Gurus ganz neu prägten. Man nannte ihn den „Heiligen von Dakshineshwar“. 1886 starb Ramakrishna. Sein berühmtester Schüler wurde Vireshvar Narcndranath Datta, genannt Vivekananda, der 1863 in Kalkutta geboren wurde. Er erhielt seine Ausbildung am Scottish Church College in Kalkutta. Religiös fühlte er sich während seiner Jugendzeit zu mehreren Autoritäten seiner Zeit hingezogen. Derjenige aber, der sein Leben grundlegend bestimmte und mit ihm eng verbunden war, blieb Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- VIII -15 Vedanta-Bewegung/Ramakrishna-Mission Ramakrishna. Viele Geschichten und Legenden berichten über diese Beziehung. Nach dem Tod von Ramakrishna gründete Vivekananda eine Art Kloster (Math) in Baranagar. Ihm ging es aber nicht nur um die spirituelle Entwicklung seiner Jünger, sondern auch um ein Programm sozialer Arbeit. Sein Auftritt 1893 vor dem „World Parliament of Religions“ machte ihn mit einem Mal weltberühmt. Der Maharaja von Khetri hatte ihm diese Reise finan­ ziert und soll ihm auch den Namen Vivekananda gegeben haben (Finger, S. 155). Auf seine Bekanntheit aufbauend, konnte Vivekananda seine sozialen Ideen und die Idee einer Missionierung des Westens besser ausbauen. 1897 gründete er die „Ramakrischna Math and Mission“. Die Math ist eher der spirituelle und kontemplative Mittelpunkt, während die Mission die sozialen Aktivitäten orga­ nisiert. Vivekananda starb 1902 in dem neuen Hauptsitz „Belur Math“ im Norden von Kalkutta. Die dritte Persönlichkeit, die für die Organisation eine entscheidende Rolle spielt, ist Ramakrischnas Witwe Ma Sarada Devi. Sie hat nicht nur Vivekananda beraten sondern nach seinem Tod die Rolle der geistigen Autorität der Ramakrishna-Mission übernommen. Nach ihrem Tod (1920) gab es auf dem Gelände von Belur Math auch für sie eine kleine Verehrungsstätte. Lehre Ramakrishna und Vivekananda standen sich in ihren religiösen Vorstellungen sehr nahe, wenn es auch Vivekananda vorbehalten war, sie auszuformulieren und zu veröffentlichen. Im Mittelpunkt ihres Denkens steht eine Neu­ formulierung der Vedanta-Philosophie Shankaras. Shankara war einer der größ­ ten indischen Philosophen, der etwa um 800 n.u.Z. lebte. Er lehrte ein System der „reinen Zweitlosigkeit“ (kevala advaita). Seinen monistischen Ansatz fand er in den heiligen Schriften der Bhagavatgita und den Upanishaden. Befruchtet wurde er durch die buddhistische Philosophie seiner Lehrer Gaupada und Govinda. Für ihn erschließt sich dem höheren Wissen die Erkenntnis von der Identität der Weltseele (brahman) mit der Einzelseele (atman). Die differen­ zierte Erscheinungswelt der empirischen Realität ist für ihn eine Täuschung (maya) und somit ihre Wahrnehmung letztlich Nichtwissen (avidya). Die Seele wird nach seiner Lehre dadurch dem Geburtenkreislauf entzogen, daß sie sich durch die Erkenntnis der Relativität allen realen Seins sowie der Götterwelt aus der avidya befreit und sich ganz auf die Vereinigung mit Brahman konzentriert. Der Religionswissenschaftler H. v. Glasenapp schreibt dazu: „Wer erkannt hat, daß sein Selbst (atman) mit dem Selbst des Weltalls, mit dem Brahma, eins ist, 2 Westarp Science - Fachverlage
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