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Theosophische Gesellschaft

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Theosophische Gesellschaft VIII -13 VIII - 13 Theosophische Gesellschaft Von Helmut Langel Entstehung Der Begriff Theosophie umfaßt verschiedene, durchaus unvereinbare geistige und religiöse Strömungen der „Gottesweisheit“ oder der „Erkenntnis der gött­ lichen Welt“. Es geht dabei um eine Wahrheitsschau, die dem Erkennenden Einblicke in die höheren Welten gestattet. Anders als die klassische Metaphy­ sik erarbeitet sich die Theosophie ihre Erkenntnisse nicht nur mit den Mitteln des Intellekts und der rationalen Spekulation, sondern ebenso mit Formen der Vision, mystischen Schau und der intuitiven Erfahrung. In der christlichen Theologiegeschichte stellen Denker wie z.B. Origenes, Böhme, Octinger, Hahn, Schelling mannigfaltige Formen der Gotteserkenntnis dar, die teilweise ebenso religiös-mystische wie philosophisch-spekulative Züge tragen. Eine ganz eige­ ne und mit dieser Geschichte sicherlich unvereinbare Entwicklung ergab sich aus dem nordamerikanischen Spiritismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahr­ hunderts. Die in New York lebende Deutschrussin Helena Petrowna Blavatsky (1831- 1891), geb. Hahn von Rottenstein, galt in Amerika als medial begabte Spiriti­ stin und fand in der Öffentlichkeit aufgrund ihrer Reisen durch Westeuropa und Amerika vor allem aber in spiritischcn Zirkeln, in den sogenannten „Miracle Clubs“ große Anerkennung. Sie gründete 1875 die „Theosophische Gesellschaft“ (TG). Das Ziel dieser Gründung war zunächst, die experimentelle Verbindung zwischen spiritistischer Erfahrung und den „Magien der Alten“ herzustellen. Auch in Deutschland wurden Ende des 19. Jahrhunderts eine Reihe von Theo­ sophischen Gesellschaften gegründet, die ähnlich wie die Rosenkreuzer oder die Templer okkulte Lehren vertraten. So wurde unteranderem in Elberfeld die „Theosophische Societät Germania“ von dem Juristen Wilhelm Hübbe-Schlciden gegründet. 1877 veröffentliche Helena Blavatsky ihr erstes großes Werk: „Die entschleier­ te Isis“, in dem sic die Verbindung des modernen Spiritismus zur antiken Magie beschrieb. Mittlerweile stand sie in enger Mitarbeit zu dem Oberst Olcott, der Präsident der TG wurde. 1878/79 reisten die beiden nach Indien und setzten sich dort mit den neu entstandenen Bewegungen der Hindu-Renaissance aus­ einander. Inspiriert wurde sie vor allem von der nordindischen Bewegung „Arya Samaj“. Diese von dem Inder Swami Dayananda Sarasvati 1875 in Bombay gegründete reformhinduistischc Bewegung vertrat zwei grundlegende Ideen, die für Helena Blavatsky von großer Bedeutung waren: 1. die Ablehnung des Bilderkults, die Anerkennung der Frauen und die Einbeziehung der unteren Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- VIII -13 Theosophische Gesellschaft Kasten in das Studium der Veden, sowie 2. die Gewinnung eines indischen National- und Kulturbewußtseins, das sich auf die Weisheit der vedischcn Zeit zurückbesinnen wollte. Beide Impulse standen in deutlicher Spannung zum orthodoxen Brahmanismus. In dieser Zeit machte Blavatsky eine deutliche Wendung in ihrem Leben durch. Sic und Oberst Olcott wandten sich von ihrer spiritistischen Vergangenheit teilweise ab und den indischen Weisheiten zu. Sie nahmen intensiven Kontakt zur Arya Samaj-Bewegung auf. 1879 kam es zu einer zeitweiligen Assoziation der Arya Samaj mit der Theoso­ phischen Gesellschaft, die aber schon 1881 wieder beendet wurde. 1882 wurde das Hauptzentrum der TG nach Adyar bei Madras verlegt, wo es bis heute sei­ nen Sitz hat. 1880 traten Olcott und Blavatsky offiziell dem Buddhismus bei. Vor allem Olcott setzte sich in Ceylon für die Wiederverbreitung des Buddhis­ mus ein. In dieser Phase berichtet Helena Blavatsky von spirituellen Begegnungen mit den uralten tibetischen Meistern, den Mahatmas. War noch in dem „Isis“-Buch „John King“ der sic inspirierende Geist, so werden nun diese Mahatmas zu den spirituellen Autoritäten, nach denen sie ihre „Geheimlehre“ aufschrieb, jenem dreibändigen Grundwerk, das die Titel „Kosmogenesis“, „Anthropogenesis“ und „Esoterik“ trägt. Sie entwickelt ihre Lehre seit 1884 nach dem Verlassen Indiens, da es dort vor allem durch Angriffe christlicher Missionare, die die Aufrichtigkeit ihrer „Meister“- Übermittlungen infrage stellten, zu Schwierig­ keiten gekommen war. Helena Blavatsky vollendete ihr Werk in Würzburg und in London und starb 1891. Der Hochgradfreimaurer und Rosenkreuzer Franz Hartmann, der einige Zeit in enger Verbindung zu Helena Blavatsky stand, gründete 1884 in Deutschland die „Theosophische Gesellschaft in Deutschland“. Aufgrund interner Streitig­ keiten kam es zur Spaltung dieses Zweigs von der Adyar-Linie. Die Engländerin Annie Besant (1847-1933) übernahm nach dem Tod Blavat- skys die geistige Führung der TG, sie wurde zur Weltpräsidentin der Theoso­ phischen Gesellschaft Adyar und setzte durch ihre starke Hinwendung zum Hinduismus einen eigenen Akzent. „Ihr Engagement für den Hinduismus und die indische Kultur sowie ihr Einsatz für eine Reform und Wiederbelebung in Übereinstimmung mit den alten Schriften trugen ihr 1918 die Präsidentschaft des indischen Nationalkongresscs ein, wo sic ihren Einfluß aber bald an Gan­ dhi verlor.“ (Finger, S. 132) Einen großen Einfluß auf Annie Besant hatte der ehemalige anglikanische Prie­ ster und Okkultist C.W. Leadbeater, der in einem indischen Brahmancnsohn, Jiddu Krishnamurti, den Träger des Christusgeistes und eines neuen Buddha, dem Buddha Maitreya, sah. Es kam um diesen Knaben 1911 zur Gründung des Ordens des Sterns im Osten. Krishnamurti hat sich aber im Laufe der Zeit ganz 2 Westarp Science - Fachverlage
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