Reiki VIII - 10
VIII - 10 Reiki
Von Helmut Langel
Entstehung
Reiki ist eine Art Hciltcchnik aus Japan, die auch Radiance Technic genannt
wird. Das Wort Reiki wird auf die beiden Silben rei („universal“) und ki
(„Lebensenergie“) zurückgeführt. Das japanische Wort rei „bezeichnet die Gei
ster Verstorbener, sodaß Reiki mit,Geist-Energie
4
,,Geist-Kraft
4
zu übersetzen
wäre. Die damit anklingende spiritistische Vorstellung, nach der der Heiler ein
,Kanal
4
für die Geister ist, findet sich in Japan häufig.“ (Hummel, MD 6,1991,
S. 164f) Dieser spiritistische Aspekt in der Wortgenesc wird von der Reiki-
Bewegung selbst in keiner Weise gesehen.
Die Entstehung von Reiki ist eng mit der Legende von Dr. Mikao Usui (1865-
1929) verbunden, der angeblich Direktor eines christlichen Seminars in der
japanischen Stadt Kyoto war.Von seinen Schülern wurde er nach eigenen Be
richten befragt, „wieso denn zu ihrer Missionarsausbildung nicht auch Heilen
gehört habe“. Usui soll nach Amerika gereist sein und sich nach seiner Rück
kehr auf die Suche nach einer Hcilkunst begeben haben. Er habe sich sowohl
mit japanischen und chinesischen Schriftzeichen wie auch mit Sanskrit ver
traut gemacht, so daß es ihm möglich wurde, „in den auf Sanskrit niederge-
schriebencn Sutras die Schlüssel dafür“ zu finden, „wie universelle Lebens
energie zu Heilungszwecken aktiviert und gelenkt werden kann. Es war eine
Art einfacher Formel, nicht schwieriger als 2+2= 4.
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Von Usui wird berichtet,
er habe 21 Tage auf dem Berg Kuriyama gefastet und meditiert. Vor Sonnen
aufgang des letzten Tages wurde ihm eine Vision zuteil: „Er sah einen Licht
schimmer und sagte, Jetzt geschieht es
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. Das Licht bewegte sich schnell auf
ihn zu....Er sah das Licht in die Mitte seiner Stirn einschlagcn [...] Er hatte den
Eindruck zu sterben [...JEr fühlte gar nichts [...] Er sah Millionen und Aber-
millionen durchsichtiger Kugeln in allen Regenbogenfarben vor sich [...] Dann
zum Schluß sah er ein großes weißes Licht und dann, wie auf einer Leinwand
direkt vor sich [...] erblickte er die Sanskritzcichcn, die er gelernt hatte (...) In
goldenen Lettern leuchteten (die Worte) vor ihm auf [...] und er sagte ,Ja, ich
erinnere mich.
4
“ (zitiert nach Barbara Ray, 1982, S. 62) Nach dieser Vision
wird von vielen „Wundern
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berichtet, die Usui begegneten und die mit seinen
neu gewonnenen Energien in Zusammenhang zu sehen seien. Besonders ein
drucksvolle Krankenheilungen werden ihm zugcschricbcn. Er unternahm zahl
reiche Reisen, auf denen er Vorträge hielt und seine neue Lehre verbreitete.
Einer seiner Schüler, der japanische Aristokrat Dr. Churijo Hayashi, wurde sein
Nachfolger und gründete eine private Reiki-Klinik in Tokio. Er bestimmte eine
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1
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VIII -10 Reiki
von ihm geheilte Frau Hawajo Takata, zu seiner Nachfolgerin. Sie war auf einer
der haiwaiianischen Inseln geboren und hatte zeitlebens die amerikanische
Staatsbürgerschaft. Als Tochter eines Plantagenarbeiters führte sie ein relativ
einfaches und bescheidenes Leben. Nach dem Tod ihres Mannes wurde sie
angeblich sehr krank und dann auf wunderbare Weise in der Rciki-Klinik in
Tokio geheilt.
Im Dezember 1980 starb Hawayo Takata. Nach ihrem Tod ergaben sich Nach
folgestreitigkeiten zwischen Phylis Furomoto, der Enkelin von Hawayo Takata,
und der amerikanischen Großmeisterin Dr. Barbara Ray. Furomoto leitet die
Reiki-Allianz und betont den spirituellen Aspekt des Usui-System. Ray grün
det 1980 in Atlanta die American Reiki Association, die sich ebenfalls in direk
ter Linie zu Usui versteht. Ray berichtet über eine Initiation durch Hawayo
Takata in allen sieben Graden des Reiki-Systems, was ihr die Legitimation ver
schaffe, das Rciki-System weltweit zu vertreten. 1982 wurde der Name der
Organisation in American-International Reiki Association Inc. (A.I.R.A.) um
gewandelt und damit noch einmal die eigene Legitimation unterstrichen. (Ray,
1982,S. 65) Die Frage, wer wann zuerst bevollmächtigt wurde, das Reiki-Sy-
stem weltweit zu vertreten, tritt gegenüber inhaltlichen Differenzen in den Vor
dergrund. „Die erste deutsche Reiki-Meisterin scheint die Heilpraktikerin Bar
bara Müller aus Frankfurt zu sein, die der ,Rciki-Alliancc‘ angehört.“ (Hum
mel, S. 164)
Lehre
Reiki sieht sich nicht als „eine Religion, ein Kult oder ein Glaubenssystem“. Im
Gegenteil, „Reiki ist mit allen Glaubcnsrichtungen vereinbar.“ Auf diesem Hin
tergrund ist es sicherlich problematisch, Reiki im Kontext neureligiöser Bewe
gungen einzuordnen, eine Schwierigkeit, die sich unter anderem auch bei der
Transzendentalen Meditation ergibt (vgl. •). Bei der positiven Bestimmung von
Reiki werden indessen durchaus auch religiöse Elemente sichtbar. Die Formu
lierungen sind unbestimmt und vermischen Weltanschauung, Religion und
Medizin: „Reiki ist die Kunst und Wissenschaft, natürliche, universelle Lebens
kraft zu aktivieren, zu lenken und anzuwenden, um Ausgewogenheit der Ener
gien, Heilung und Ganzheit zu fördern, um Störungen vorzubeugen und in je
dem Lebensalter echtes Wohlbefinden zu erhalten.“ Ganz ähnlich wie bei TM
klingt auch der folgende Satz: „Reiki ist eine sehr wirkungsvolle Selbsthilfe
technik zur vollkommenen Entspannung und um Streß abzubauen.“ (Ray, S. 2)
Auf der einen Seite stehen Begriffe wie „Wissenschaft“, „Heilung“, „Selbsthilfe
technik“, die ein eher mechanistisches Verständnis signalisieren, auf der ande
ren Seite Begriffe, die vor allem in der modernen Esoterik und der humanisti-
2 Westarp Science - Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 6 Seiten
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