VIII - 9

Radhasoami Satsang/Ruhani Satsang/Unity of Man

📖 Leseprobe – 2 von 9 Seiten
Radhasoami Satsang/Ruhani Satsang/Unity of Man VIII - 9 VIII - 9 Radhasoami Satsang/Ruhani Satsang/Unity of Man Von Helmut Langel Entstehung Das Wort Radhasoami bedeutet eigentlich „Herr der Radha“, d.h. es ist ein Epithet von Krishna. Für die Anhänger des Radhasoami ist dieses Wort indes­ sen ein universaler Gottesname. Radhasoami ist auf dem Hintergrund der in Nordindien beheimateten Sant-Tradition entstanden. Sie nennt darum auch ihre Lehre „Sant Mat“ und versteht sich als eine Art „Religion der Heiligen“. Aus der Verbindung verschiedener religiöser Elemente der vaishnavitischen Bhakti, der Sufis und der Sikhs sind eine Reihe von hervorragenden Poeten und reli­ giösen Denkern hervorgegangen, die als Inspiratoren der Radhasoami-Entwick- lung gesehen werden können, etwa der Mystiker Kabir (1440-1518), Nanak (1469-1539), Namdev (1270-1350) oder Ramanand (12. Jh.), um nur einige zu nennen. Vor allem Kabir wird immer wieder in den Radhasoami-Schriften zi­ tiert. Die Lehren der nordindischen Sants enthalten drei auch für die Radhasoami- Bewegung wesentliche Kerngedanken: 1. die Hinhabe an das Göttliche, das durch einen persönlichen Guru verkör­ pert wird (Sadguru), 2. die Konzentration auf den göttlichen Klang (Shabd) und 3. die Gemeinschaft der Anhänger (Satsang). Die Sants entstammen der Hindugesellschaft, stehen aber gewissen indischen Gewohnheiten wie der Bilderverehrung, dem Kastensystem und der Fixierung auf das Ritual kritisch gegenüber. Ihre Betonung der mystischen Erfahrung und die damit verbundene mehr esoterische Deutung manifester Religionen bilden einen reichen Schatz lehrhafter und poetischer Zitate, aus denen die Radhasoamis immer wieder schöpfen. Am Beginn der Radhasoamis steht die Gestalt des Tulsi Saheb von Hathras (gest.1843), der in einer gewissen Beziehung zu dem von allen anerkannten Gründer Shiv Dayal Singh (Munshi Ji) (1818-1878) stand. Dayal entstammt einer in Agra ansässigen Khatri-Familie. Er wurde Persisch-Lehrer. 1861 wurde das sog. Radhasoami-Satsang gegründet. Dayal hielt zahlreiche Vorträge über spirituelle Themen und führte das Satsang ein, die Pflege religiö­ ser Gemeinschaft. Er initiierte bis zu seinem Tod etwa 3.000 Satsangis. Neben der Entstehung einer neuen, dem Kali-Yuga entsprechenden Meditationspraxis, in der die Verbindung des Selbst mit dem Klang- und Lebensstrom erfahren werden soll, steht die hervorragende Bedeutung eines lebenden Gurus, der als Beziehungsgröße für den einzelnen Anhänger konstitutiv ist. Gerade diese Be­ Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 2. EL 1999 1 --- Seite 1 Ende --- VIII - 9 Radhasoami Satsang/Ruhani Satsang/Unity of Man tonung des Sant Sadguru (der alle Gurus überragende, allein im Besitz der Wahrheit und Erkenntnis befindliche Guru) hat in der Nachfolge zu erhebli­ chen Auseinandersetzungen und Spaltungen in der Bewegung geführt. Hauptsächlich zwei Linien haben sich im Laufe der Zeit durchgesetzt: die Agra- Linie und die Beas-Linie. Die von Bahadur Salig Ram gegründete Agra-Linie ist der kleinere und exklusivere Zweig der Bewegung, die sich indessen auch weiterhin gespalten hat. Am Rande der Stadt Agra gründete Anand Sarup (1881- 1937) Dayalbagh, die sich zu einer blühenden Siedlung mit Kleinindustrie und landwirtschaftlicher Infrastruktur entwickelte. Eine andere Gruppe von Radhasoamis baute eine Siedlung in Swamibagh auf. Swamibagh ist auch der Ort, an dem das berühmte Grabmal von Shiv Dayal Singh steht. Die Agra-Linie lehnt die organisierte Mission ab. Neben sie trat die Beas-Linie, gegründet 1891 in Beas von einem Anhänger Dayals Jaimal Singh (1839-1903), der von seinem Meister den Auftrag hatte, die Lehre im Panjab zu verbreiten. Jaimal Singh war ein geborener Sikh, wie überhaupt der Panjab durch diese Religion stark beeinflußt ist. Durch ihn wur­ den die sikhistischen Einflüsse im Radhasoami deutlich spürbar. „Die Heilige Schrift der Sikhs, der Adi Granth, gilt neben Shiv Dayals Singhs Hauptschrift ,Sarbachan‘ als wichtige Grundlage“ (Hummel, 1981, S. 218). Für Jaimal Singh war die Institutionalisierung eines Nachfolgers von Dayal in Agra der Auslöser des Bruchs mit Agra. Sein Nachfolger wurde Sawan Singh (1858-1948), der versuchte, zwischen den verschiedenen Fraktionen zu vermitteln. Dennoch kam es zur organisatorischen Trennung von Agra. Sawan Singh förderte die Begeg­ nung mit westlichen Ausländern und ging sogar so weit, die Vollmacht der Initiation an sie weiterzugeben. Sein prominentester westlicher Schüler war Julian P. Johnson, dessen Werk „Path of the Masters“ als Grundlagenliteratur von den meisten Richtungen der Bewegung anerkannt wird. Nach dem Tod von Sawan Singh kam es zu einer Nachfolgekrise. Kirpal Singh (1894-1974), der sich in der Nachfolge übergangen fühlte, gründete einen ei­ genen Zweig und führte eine gewisse Wende herbei. Zum ersten Mal in der Geschichte von Radhasoami Satsang kam es zu einer Namensänderung in Ruhani Satsang („Erhebungs-Satsang“). Daraus wurde später die „Kirpal Ruhani Mis­ sion“, die ihren Hauptsitz in Delhi hatte. Für Kirpal Singh wurde die Mission im Westen zu einem wesentlichen Bestandteil seines Auftretens. Er unternahm eine Reihe von Auslandsreisen. Eine große Anzahl von Zentren bildete sich in Indien, in der westlichen Welt, vor allem in den USA. 1974 gründete Kirpal Singh die „World Conference on Unity of Man“, die ihre erste Konferenz in Delhi abhielt. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen, die Akkreditierung bei den Vereinten Nationen und bei der UNESCO zu bewirken. Zugleich setzte sie sich für ein vergleichendes Studium der Religionen in den Schulen und in der 2 Westarp Science - Fachverlage
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 9 Seiten