ISKON - International Society for Krishna-Conciousness VIII - 6
VIII - 6 ISKCON - International Society for Krishna-Conciousness
(Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein)
Von Clemens Hütte
Entstehung
Die ISKCON, auch häufig als Hare-Krishna-Bewegung bezeichnet, wurde 1966
in New York von dem Inder A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada gegründet.
Seine Anhänger sprechen von ihm häufig als Srila Prabhupada.
1896 wurde er unter dem Namen Abhay Caran De in Calcutta als Sohn eines
Tuchhändlers in die Goldhändler-Kaste geboren. Er wuchs dort in frommer,
vaishnavitischer Umgebung auf. 1922 trifft er erstmalig mit seinem spirituellen
Meister Bhaktisiddhanta Sarasvati zusammen. 1933 erfolgte die formelle Ein
weihung in Allahabad. Ein Brief Bhaktisiddhantas aus dem Jahr 1936 ist die
Aufforderung für Prabhupada, die Lehre Caitanyas im Westen in englischer
Sprache zu verbreiten. Ab 1944 gibt Prabhupada das Magazin „Back to Godhead“
heraus, das später zur Monatszeitschrift der ISKCON werden sollte. Zehn Jahre
später verließ er seine Familie, um als Sannyasin zu leben, wozu er weitere vier
Jahre später die Weihe empfing.
Am 13. August 1965 brach Prabhupada nach Amerika auf, nachdem eine indi
sche Reederei ihm eine freie Überfahrt gewährt hatte. Nachdem er dort fast
mittellos angekommen war, soll er sich mitten in New York niedergelassen ha
ben und das zentrale Mantra seiner geistigen Bewegung angestimmt: „Haie
Krishna, Hare Krishna, Krishna Krishna, Hare Haie, Hare Rama, Hare Rama,
Rama Rama, Hare Hare.“ Ein Jahr später, 1966, erfolgte die Gründung der
ISKCON. 1968 reiste Prabhupadas Anhänger Samuel Greer nach Europa, wo
dann in London und Hamburg die ersten Zentren entstanden. 1970 erreichten
die ersten Krishna-Anhänger aus dem Westen Mumbai, womit die Idee
Prabhupadas in ihr Heimatland Indien zurückkehrte. Hier begann man in Maya
pur/ Westbengalen, der Geburtsstadt Caitanyas, mit dem Aufbau der bis heute
dort ansässigen Weltzentrale.
Prabhupada verstarb im November 1977 in Indien. Bis dahin verfaßte er 51
Bände mit Übersetzungen und Kommentaren der vedischen Literatur, die in 28
Sprachen übersetzt wurden. Die zentralen Schriften sind die Übersetzungen und
Kommentare zur Bhagavadgita und dem Srimad-Bhagavatam.
Heute liegt die Leitung der ISKCON in der Hand der GBC (Gouvernement
Body Commission), einem Gremium von 35 Mitgliedern, das für die Organisa
tion, die Lösung von Problemen und die Einhaltung der Lebensweise zuständig
ist. Weiterhin erteilt dieses Gremium die Zustimmung für die Ernennung von
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 6. EL 2002 1
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spirituellen Meistem (zur zeit ca. 70) aus den Reihen von Prabhupadas Schü
lern. So soll die authentische Fortsetzung der vedischen Schülemachfolge ge
währt bleiben.
Lehre
Zurückgeführt wird die Lehre Prabhupadas auf Sri Caitanya (1486-1533), in
dessen direkter Schülemachfolge Prabhupada stehen soll und die rückwärtig
auf Krishna selbst zurückgeführt wird (Prabhupada, S.34). Weiterhin sieht die
ISKCON in Caitanya den zehnten Avatar Vishnus (Hummel, Gums, Meister,
Scharlatane, S.203), der in anderen Vaishnava-Kulten noch erwartet wird.
Caitanya, selbst unter dem Einfluß des Gitagovindas stehend, verkündete die
Lehren des Srimad-Bhagavatam und verbreitete das Chanten des Namens
Krishnas. Seine Schüler sahen in ihm die gleichzeitige Verkörperung Krishnas
und seiner Geliebten Radha. Die Welt wird als Ablenkung von Gott gesehen,
wodurch die Sehnsucht nach ihm zum spirituellen Mittelpunkt des Lebens wird.
Moksha, Befreiung, wird durch die liebende Hingabe an Gott, Bhakti, erreicht,
wobei ein durchaus monotheistisch zu nennendes Gottesverständnis zu Grunde
liegt. Das durch Bhakti erlangte Gottesbewußtsein ist nicht an Kasten
zugehörigkeit gebunden (Stutley, S.132). Der höchste Gott, auf den das Be
wußtsein auszurichten ist, ist für die ISKCON Krishna, der als persönlicher
Gott und höchstes Brahman verstanden wird (Prabhupada, S.5). Zehn Genera
tionen nach Sri Caitanya fällt nun Prabhupada die Aufgabe zu, den Namen
Krishnas weltweit bekannt zu machen, wobei er die Autorität der Veden für sich
in Anspruch nimmt.
Wichtigste Schrift der ISKCON ist die Bhagavadgita. Sie steht im sechsten Buch
(Bishma-Parvan) des großen indischen Epos Mahabharata in den Kapiteln 23-
40. Nach Prabhupada ist die Bhagavadgita die „Essenz des vedischen Wissens“
(Prabhupada, S.2). Auch wenn in der Forschung inzwischen davon auszugehen
ist, daß sie in ihrem Grundbestand etwa um 300 BCE (Glasenapp) entstanden
sein muß, geht Prabhupada davon aus, daß sie Krishnas eigenes offenbartes
Wort ist (Prabhupada, S.3) und somit im Morgengrauen des letzten Weltzeitalters,
des Kali-Yuga, also vor etwa 5000 Jahren, entstanden sein muß. Sie ist nach
seiner Auffassung ihre eigene Deutungsquelle und der Schlüssel des Verständ
nisses liegt in der Hingabe an Krishna in Verbindung mit der richtigen Schülem
achfolge (BG 4,2). Ihr Thema ist das Verhältnis von Dharma, Karma und Moksha.
Dharma ist das „göttliche Gesetz“, die dynamische Ordnung aller kosmischen
Erscheinungsformen (Stutley, S.197). Karma meint die Tat, aber auch deren
Wirkung. Unter Moksha ist die Befreiung von Tod und Wiedergeburt, durch
Überwindung des Verhaftet-Seins an der Welt zu verstehen. Das fuhrt die Haupt
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Der vollständige Artikel umfasst 8 Seiten
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