Buddhismus in der schweiz VII - 4
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen | 74. EL 2022 1
Zusammenfassung
Erste Anfänge des Buddhismus in der Schweiz reichen ins 19. und frü-
he 20. Jahrhundert zurück. Ab den 1960er-Jahren setzte mit dem Bau des
Klösterlichen Tibet-Instituts und ab den 1970er-Jahren mit der Gründung
zahlreicher buddhistischer Gruppen und Zentren eine Etablierung auf Dauer
ein. Im 21. J ahrhundert besteht eine große Vielfalt buddhistischer Schulen
und Traditionen, und zahlreiche buddhistische Sanghas, die Teil internati-
onaler Organisationen und Netzwerke sind, sind in der Schweiz etabliert.
Der Beitrag gibt einen Überblick über die Geschichte des Buddhismus in
der Schweiz, gefolgt von der Einzeldar stellung buddhistischer Lehrerinnen
und Lehrer sowie exemplarischer Gruppen und Zentren in der Theravāda-
und Mahāyāna-Tradition und dem tibetischen Buddhismus sowie von Immi-
granten errichteten Kulturzentren und Klöstern. Der Beitrag schließt mit der
Darstellung nationaler Organisationsformen und Überlegungen zu nationa-
len Besonderheiten des Buddhis mus in der Schweiz.
Schlagwörter
Buddhismus, Schweiz, Geschichte, Lehrerinnen, Lehrer, Gruppen, Zentren,
Klöster, Tibeter
VII - 4 B uddhismus in der Schweiz
[Buddhism in Switzerland]
martin Baumann
Submitted August 12, 2022, and accepted for publication September 15, 2022
Editor: Martin Rötting
Summary
The first beginnings of Buddhism in Switzerland date back to the 19th and
early 20th centuries. It was not until the 1960s with the construction of the
Monastic Tibet Institute and the founding of numerous Buddhist groups
and centres in the 1970s that Buddhism became firmly established. In the
21st century there is a great diversity of Buddhist schools and traditions and
numerous Buddhist sanghas are established in Switzerland as part of inter-
national organizations and networks. The article gives an overview of the
history of Buddhism in Switzerland, followed by a presentation of Buddhist
--- Seite 1 Ende ---
VII - 4 B uddhismus in der schweiz
2
© Westarp Science Fachverlag
Einführung
Ein Zazen-Tag im Zen Dōjō in Zürichs Innenstadt, ein dreitägiges Meditati-
onsseminar im Meditationszentrum Beatenberg hoch über dem Thunersee mit
Blick auf die Alpenkette, wöchentlicher Unterrichts- und Meditationsabend im
buddhistischen Zentrum Vimalakirti in Genf oder ein Dharma-Wochenende
mit Rezitation und Belehrungen in den vietnamesischen Pagoden in Bern oder
Luzern – Buddhismus in der Schweiz im 21. J ahrhundert ist vielfältig, und die
Praxis- und Lehrangebote unterscheiden sich in hohem Maße. In den Städten
besteht ein großes Angebot an Gruppen und Zentren verschiedener buddhisti-
scher Traditionen, überdies finden sich zahlreiche stadtfern gelegene Tagungs-
häuser und Retreat-Zentren für mehrtägige Anlässe. Wie in anderen Ländern
Europas ist das Interesse an buddhistischer Meditation und Unterweisung
groß und führte seit den 1970er-Jahren zur Gründung zahlreicher Gruppen
und Zentren. Die Anzahl Buddhistinnen und Buddhisten ist aufgrund von
Konversionen sowie Flucht- und Zuwanderungsbewegungen aus mehrheitlich
buddhistischen Ländern Asiens stetig gewachsen und beläuft sich dem Schwei-
zerischen Bundesamt für Statistik zufolge im Jahr 2 020 auf 37 0 00 Personen
(ab 15 Jahren). Damit erhöhte sich der Anteil Buddhistinnen und Buddhisten
in der Bevölkerung von 0,3 Prozent im Jahr 2000 auf 0,5 Prozent 2020.
1
Vor dem Boom des Interesses an buddhistischer Praxis und Lehre sind nur
wenige buddhisti sche Aktivitäten, zumeist von Einzelpersonen, zu benen-
nen. In der zweiten Hälfte des 19. J ahrhunderts zeigte der aus Deutschland
in die Schweiz geflohene Musiker Richard Wagner ein offenes Interesse am
Buddhismus. Über die Schriften Arthur Schopenhauers war Wagner auf den
Buddhismus gestoßen und plante 1856 die buddhistische Oper Der Sieger. Das
Stück vollendete Wagner trotz mehrerer Revisionen und weiterer, schöngeistig-
idealisierender Buddhis mus rezeption nie.
2
Eine gänzlich andere, lebensprak-
teachers and exemplary groups and centres in the Theravāda and Mahāyāna tradition and Tibetan Buddhism as well as cultural centres and monasteries built by immigrants. The article concludes with a presentation of national forms of organisation and considerations of national characteristics of Bud- dhism in Switzerland.
Keywords
Buddhism, Switzerland, history, teachers, groups, centres, monasteries,
Tibetans
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 59 Seiten
Der vollständige Artikel umfasst 59 Seiten