Buddhismus in Österreich V II - 3
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 69. EL 2021 1
Zusammenfassung
Der Artikel gibt einen Überblick über den Buddhismus in Österreich. Neben
der Darstellung der Situation zu Ende des ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhun-
derts bietet die Darstellung einen historischen Abriss über die frühen Jahre
bis zur staatlichen Anerkennung, sowie die weiteren Entwicklungen bis heute.
Theravada (3.1), Mahayana (3.2) und Vajrayana-Traditionen (3.3) werden vor-
gestellt, ebenso übertraditionelle Gruppen (3.4) sowie soziokulturell asiatisch
dominierte (3.5). Die Länderdarstellung schließt mit einem Überblick über
nationale Organisationsformen (3.6) und nationales Besonderheiten (3.7) ab.
Schlagwörter
Buddhismus, Österreich, Lehrende, Organisationen, Geschichte, Entwick-
lungen
VII - 3 B uddhismus in Österreich
[Buddhism in Austria]
Von Kurt Krammer
Submitted March 25, 2021, and accepted for publication June 22, 2021
Editor: Martin Rötting
Summary
This article gives an overview of the status of Buddhism in Austria. In ad-
dition to the presentation of the situation at the end of the first decade of the
21st century, the presentation offers a historical outline over the early years
up to the state recognition in 1983, as well as the further developments up
to today. The description follows the traditional categorizations of Buddhist
organizations: Theravada (3.1), Mahayana (3.2) und Vajrayana traditions (3.3),
followed by an introduction of non-traditional and trans-traditional groups
(3.4), as well as groups whose membership is predominantly of Asian heri-
tage (3.5). The country presentation concludes with an overview of national
organizational forms (3.6) and national peculiarities (3.7).
Keywords
Buddhism, Austria, teachers, organizations, history, developments
--- Seite 1 Ende ---
VII - 3 Buddhismus in Österreich
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Westarp Science – Fachverlage
1 Einführende Grundinformationen
1.1 Die aktuelle Situation
Wien, ÖBR, Zersplitterung, Öffentlichkeit
Der Buddhismus ist seit 1983
1
eine von 16
2
als Körperschaft öffentlichen Rechts
anerkannten Religionsgemeinschaften. Anlässlich der Volkszählung von 2001
bekannten sich 10.402
3
Menschen (davon 44,5% AusländerInnen) zum Bud-
dhismus. Da seither das Religionsbekenntnis nicht mehr Gegenstand dieser
Erhebung ist, beruhen neuere Angaben auf Schätzungen. Die Österreichische
Buddhistische Religionsgesellschaft (ÖBR) schätzt die Anzahl der BuddhistIn-
nen derzeit (2019) auf ca. 25.000. Da der Neuzuzug von Menschen aus Asien
seit Beginn des 21. Jahrhunderts im Vergleich zu den 1970er bis 1990er Jah-
ren deutlich zurückgegangen ist, und aufgrund von Einbürgerungen dürfte der
Prozentsatz von AusländerInnen unter den BuddhistInnen in Österreich stark
gesunken sein. Lediglich ein Bruchteil aller BekennerInnen des Buddhismus hat
auch den formalen Beitritt als Einzelmitglied der ÖBR vollzogen. Die Mehrheit
der Konvertierten, wie auch der BuddhistInnen mit asiatischem Hintergrund
sind nicht Mitglieder der ÖBR. Manche davon sind in Gruppen nach dem Ver-
einsrecht organisiert, viele gehören keiner buddhistischen Organisation an.
Hinzu kommt, dass sich eine nicht bekannte Anzahl als ‚dual belonger‘
4
, z.
B. als Buddhisten und Christen verstehen, was zwar dem aktuellen Stand des
Religionsdiskurses entspricht, aber nach geltendem österreichischem Religi-
onsrecht (§ 2 des Gesetzes vom 20. Mai 1874, RGBl. Nr. 68) weder vorgesehen
noch zulässig ist.
2 Die historische Entwicklung
Der in Wien geborene Karl Eugen Neumann (1865–1915) gilt als der Urvater
des Buddhismus in Österreich. Angeregt durch Schopenhauer, wandte sich
Neumann dem Studium der Indologie zu und übersetzte in der Folge große Teile
des Palikanon ins Deutsche. Bis zum heutigen Tag wenig Beachtung fanden
zwei aus Österreich stammende Pioniere, die in Asien buddhistische Mönche
geworden waren. Anton Payer, ein Kärntner, war 1878 in ein Kloster in Bangkok
eingetreten, wo er sich auch gute Pali-Kenntnisse aneignete. 1880 wurde er an
den siamesischen Königshof als Berater gerufen.
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Angesichts eines Heimatur-
laubs verstarb er allerdings dreißigjährig unter mysteriösen Umständen in Wien.
Als offizielle Todesursache wurde Selbstmord angeführt, die New York Times
titelte am 25. November 1883: „Anton Payer’s Strange Suicide“.
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Der vollständige Artikel umfasst 29 Seiten
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