Buddhismus im Westen VII - 2.10
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 64. EL 2020 1
Zusammenfassung
Der Beitrag behandelt aus einer soziologischen Perspektive die Aufnahme und
Verbreitung des Buddhismus in der westlich geprägten Moderne. Zunächst
werden die traditions- und kulturübergreifenden Elemente der buddhisti-
schen Lehren aufgezeigt (die Wahrheit vom Leiden, von der Unbeständigkeit
aller Phänomene und die Lehre vom Nicht-Selbst). Anschließend werden
mit dem Zen, der Vipassan ā-Meditation und dem tibetischen Buddhismus
die im Westen verbreiteten Traditionen skizziert, wobei vor allem auf die
Gründe für die Attraktivität dieser Schulen eingegangen wird. Darüber hi-
naus werden typische Missverständnisse westlicher Adepten hinsichtlich
der buddhistischen Lehren thematisiert (etwa die magische Überhöhung der
Lehrenden). Im abschließenden Teil wird auf gegenwärtige Bewegungen und
Initiativen eingegangen, die buddhistischen Lehren und Praxen in eine stär-
ker säkularisierte Form zu übersetzen. Insgesamt wird deutlich, dass es sich
beim westlichen Buddhismus um spirituelle Bewegungen handelt, die sich
mittlerweile teilweise zu institutionalisieren beginnen – sei es durch eigene
Lehrerpersönlichkeiten, den Aufbau von Schulungs- und Meditationszentren
und eine größere Zahl von Langzeitpraktizierenden, die sich seit mehr als 30
Jahren dem Buddhismus verbunden sehen.
Schlagwörter
Westlicher Buddhismus, säkularer Buddhismus, Praxis, westliche Rezeption,
Lehrer-Schüler-Verhältnis, Institutionalisierung
VII - 2.10 Buddhismus im Westen
[Buddhism in the West]
Von Jonathan Harth & Werner Vogd
Submitted February 14, 2020, and accepted for publication March 27, 2020
Editor: Martin Rötting
Summary
The article deals with the reception and dissemination of Buddhist teachings
in the West. First, the traditional and cross-cultural elements of the Buddhist
teachings are shown (the truth of suffering, the impermanence of all pheno-
mena and the doctrine of the non-self). Subsequently, with Zen, Vipassanā
meditation and Tibetan Buddhism, the spread of the traditions in the West
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VII - 2.10 Buddhismus im Westen
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Westarp Science – Fachverlage
Die Lehrtradition des Buddhismus entwickelte sich im 5. Jahrhundert v. Chr. in
Nordindien und breitete sich dann mit dem Reich des Ashoka auf dem Subkon-
tinent sowie anderen asiatischen Ländern aus. In seinem Ursprungsland Indien
verschwand der Buddhismus um 1200 n. Christus weitgehend.
In unterschiedlichen Ausprägungen und Varianten sind buddhistische Traditio-
nen vor allem in den Ländern Südostasiens (Thailand, Birma, Laos, Vietnam),
in Sri Lanka sowie in China, Korea, Japan, Tibet und in der Mongolei prak-
tiziert worden.
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In den verschiedenen Ländern fand der Buddhismus sowohl
inhaltlich als auch kulturell recht unterschiedliche Ausformungen. Gegen Ende
des 19. Jahrhunderts wurde buddhistisches Denken vermehrt auch in Europa
und den USA bekannt.
Wie in knapper Form in den Lehrreden über die vier Edlen Wahrheiten aus-
gedrückt, bestehen die kultur- und traditionsübergreifenden Grundelemente
der buddhistischen Lehren in der Wahrheit vom Leiden, der Unbeständigkeit
aller Phänomene und der Lehre vom Nicht-Selbst (in der Pali-Sprache: dukkha,
anicca und anattā) und dem soteriologischen Anspruch, mittels der im Edlen
achtfachen Pfad formulierten Praxis das typisch menschliche Leiden überwin-
den zu können. Dies wird möglich, indem der Mensch lernt, nicht mehr in ge-
wohnheitsmäßiger Form auf positiv oder negativ erscheinende Erfahrungen und
Empfindungen zu reagieren. Allgemein wird die Entwicklung eines zugleich
gleichmütigen wie empfindsamen Geistes als der Schlüssel auf dem Weg zur
Befreiung gesehen. Der buddhistische Weg zielt damit auf die Überwindung
der dem Menschen typischen Egozentrik, die sich darin ausdrückt, die eigenen
will be outlined and the reasons for the attractiveness of these schools will
be discussed. In addition, typical misunderstandings of Western adepts regar-
ding the teachings (e.g. the magical exaggeration of the teacher) are exami- ned. The concluding part deals with temporary movements and initiatives to translate the Buddhist teachings and practices into a more secularized form of Buddhist practices. Overall, it becomes clear that Western Buddhism is a spiritual movement that is now beginning to institutionalize - be it through its own teachers, the establishment of training and meditation centres and a larger number of long-term practitioners, who have been associated with Buddhism for more than 30 years.
Keywords
Western Buddhism, secular Buddhism, practice, Western reception, teacher-
disciple relationship, institutionalization
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Der vollständige Artikel umfasst 13 Seiten
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