Koreanischer Buddhismus in Deutschland VII - 2.8
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 42. EL 2014 1
VII - 2.8 Koreanischer Buddhismus in Deutschland
Von Manfred Hutter
Sucht man nach einem Datum, das den Anfang des Buddhismus in Deutschland
als „gelebte Religion“ markiert, so kann man auf das Jahr 1888 verweisen. Da-
mals hat Friedrich Zimmermann einen auf Quellen des Theravada-Buddhismus
beruhenden „Buddhistischen Katechismus“ verfasst.
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Dennoch bleibt bis in die
späten 1950er-Jahre der Buddhismus in Deutschland eine weitgehend unbeach-
tete Minderheit, der in der Ă–ffentlichkeit wenig Aufmerksamkeit geschenkt
wurde. Als im Jahr 1958 mit der „Deutschen Buddhistischen Union“ erstmals
ein Dachverband fĂĽr alle deutschen Buddhisten entstand, war zwar ein brei-
tes Spektrum buddhistischer Richtungen in Deutschland vorhanden; die Zahl
deutscher Buddhisten dĂĽrfte aber zu jener Zeit lediglich knapp 2.000 betragen
haben. Zu Beginn der 1960er-Jahre setzte jedoch eine neue Entwicklung ein,
da aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland auch Menschen
aus asiatischen Ländern nach Deutschland kamen, um sich als Studierende
oder Arbeitssuchende für kürzere oder längere Zeit hier niederzulassen; zu
diesen ersten asiatischen Buddhisten in Deutschland gehörten vornehmlich Ja-
paner und Koreaner. Seit der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre kamen – bedingt
durch politische Umwälzungen in Asien – weitere buddhistische Migranten
als FlĂĽchtlinge vor allem aus Sri Lanka bzw. Vietnam nach Deutschland, aber
auch Buddhisten aus Thailand. Diese Prozesse tragen somit seit mehr als drei
Jahrzehnten in zunehmend intensiver Weise zum Pluralismus des Buddhismus
in Deutschland bei. Nach aktuellen Schätzungen kann man davon ausgehen,
dass derzeit die rund 60.000 Buddhisten vietnamesischen Ursprungs sowie
die rund 45.000 Buddhisten aus Thailand die größten ethnischen Gruppen aus
Asien sind, die hier den Buddhismus praktizieren.
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Als drittgrößte Gruppe kann
man koreanische Buddhisten nennen. Rechnet man alle Buddhisten asiatischer
Herkunft in Deutschland zusammen, so dürften etwa 150.000 Angehörige die-
ser Weltreligion in Deutschland leben. Sie sind zwar auf alle groĂźen Ballungs-
zentren verteilt, wobei jedoch das Rhein-Main-Gebiet, Nordrhein-Westfalen
mit einem Schwerpunkt in DĂĽsseldorf und im Ruhrgebiet sowie der GroĂźraum
Hannover besonders zu nennen sind.
Koreanische Migration nach Deutschland
Rund 32.000 Koreaner (einschlieĂźlich von knapp 1.000 Personen aus Nord-
korea) leben insgesamt zurzeit in Deutschland, vor allem im Bundesland Nord-
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rhein-Westfalen und im Großraum von Frankfurt am Main. Damit lebt – nach
Großbritannien – in Deutschland die zweitgrößte Gruppe der Koreaner in Euro-
pa. Hinsichtlich der Religionszugehörigkeit kann man etwa von 12.000 Christen
ausgehen, die zu zwei Dritteln einer evangelischen Kirche und zu einem Drittel
der römisch-katholischen Kirche angehören. Die Zahl der koreanischen Bud-
dhisten hierzulande dürfte sich auf etwa 10.000 belaufen, während die übrigen
Personen koreanischer Herkunft – analog zur Religionsstatistik Südkoreas –
keiner institutionalisierten Religion zuzuordnen sein dĂĽrften.
Die erste Ankunft von Koreanern in groĂźem Stil in Deutschland begann vor ei-
nem halben Jahrhundert, da aufgrund eines Anwerbeabkommens zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Republik Korea am 16. November 1963
die ersten koreanischen Bergleute für ihre neue berufliche Tätigkeit im Ruhrge-
biet eingetroffen sind. Zwar gab es schon nach dem Waffenstillstand zwischen
Nord- und SĂĽdkorea im Jahr 1953 vereinzelte sĂĽdkoreanische Studenten, die in
die Bundesrepublik gekommen waren, sowie wenige ausgewählte Studierende
und rund 600 Waisenkinder aus Nordkorea in der DDR, allerdings wurden die
Kontakte zwischen Nordkorea und der DDR im Jahr 1962 abgebrochen und
diese Personen in ihre Heimat zurĂĽckbeordert. Auch die wenigen sĂĽdkoreani-
schen Studenten in der Bundesrepublik kehrten nach ihrem Studium kurzfristig
nach Asien zurĂĽck. Die erste Gruppe von 263Â koreanischen Bergarbeitern traf
im Zeitraum zwischen dem 21. und 27. Dezember 1963 in Deutschland ein.
Dieser Gruppe folgten bis 1977 rund 8.000 weitere männliche Arbeitskräfte
vornehmlich für das Ruhrgebiet; dabei ist zu erwähnen, dass diese Männer in
der Regel nicht als Fachleute fĂĽr den Bergbau ausgebildet waren, sondern ledig-
lich aufgrund der damaligen wirtschaftlichen Perspektivenlosigkeit SĂĽdkoreas
diese Chance, ins Ausland zu kommen, angenommen hatten. Ergänzt wurde
der deutsche Arbeitsmarkt durch ein seit 1966 aktives Anwerbeabkommen fĂĽr
sĂĽdkoreanische Krankenschwestern, wodurch rund 10.000 junge Frauen nach
Deutschland einreisen konnten.
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Bis in die 1970er-Jahre lag eine relativ hohe
Fluktuation der Migranten vor, weil die Arbeitsverträge in der Regel nur auf
drei Jahre befristet waren; diese nur kurzfristige Perspektive sowie die Tatsache,
dass die Koreaner im Wesentlichen in Wohnheimen unter sich blieben, fĂĽhrte
in diesen ersten Jahren weder zur Integration noch zur Entstehung kultureller
oder religiöser Infrastrukturen.
Erst als gegen Ende der 1970er-Jahre ein unbefristeter Aufenthalt in Deutsch-
land möglich wurde, veränderte sich die Situation. Etwas mehr als die Hälfte
der ursprĂĽnglich nur fĂĽr einen befristeten Arbeitsvertrag nach Deutschland
gekommenen Koreanern nutzte dabei diese Änderung, um sich fest in Deutsch-
Westarp Science – Fachverlage
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