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Buddhismus in Deutschland

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Buddhismus in Deutschland VII - 2 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 65. EL 2020 1 Zusammenfassung Der Artikel gibt einen Überblick ĂŒber den Buddhismus in Deutschland, des- sen Entwicklungen und Institutionalisierungen (VII-2). Theravāda (VII-2.1), Mahāyāna (VII-2.2) und Vajrayana-Traditionen (VII-2.3) werden vorgestellt, ebenso ĂŒbertraditionelle Gruppen (VII-2.4) sowie soziokulturell asiatisch dominierte Gruppen (VII-2.5). Die LĂ€nderdarstellung schließt mit einem Überblick ĂŒber nationale Organisationsformen (VII-2.6) und nationale Be- sonderheiten (VII-2.7) ab. Schlagwörter Buddhismus, Geschichte, Lehrer, Orte, Praxis, Deutschland, Entwicklungen und Institutionalisierungen Submitted December 12, 2019, and accepted for publication June 22, 2020 Editor: Martin Rötting Summary The article provides an overview of Buddhism in Germany, its developments and institutionalizations (VII-2). Theravāda (VII-2.1), Mahāyāna (VII-2.2) and Vajrayana-Traditions (VII-2.3) will be introduced as well as transtra- ditional groups (VII-2.4) and groups with a sociocultural Asian tendency (VII-2.5). The country sections conclude with an overview on national or- ganizations (VII-2.6) and local specialties (VII-2.7). Keywords Buddhism, History, Teachers, Places, Practice, Germany, Developments and Institutionalizations VII - 2 B uddhismus in Deutschland [Buddhism in Germany] Von Martin Rötting --- Seite 1 Ende --- VII - 2 Buddhismus in Deutschland 2 Westarp Science – Fachverlage In Deutschland gibt es heute etwa 300.000 Buddhisten, etwa die HĂ€lfte davon ist asiatisch geprĂ€gt, die andere ist christlich oder postchristlich sozialisiert 3 . Allerdings ist davon auszugehen, dass viele Menschen, die zumindest große Teile der buddhistischen Lehre fĂŒr sich akzeptieren, nicht zum Buddhismus konvertieren, sondern entweder in ihrer Herkunftsreligion (oft das Christen- tum) offiziell verbleiben oder aus der Kirche austreten, ohne offiziell einer anderen Religion zugehörig zu sein. 4 Offiziell wird die Zugehörigkeit zum Buddhismus in Deutschland nicht erfasst, die Angaben richten sich daher nach den Mitgliederzahlen buddhistischer VerbĂ€nde und Gruppierungen. 5 Asiatische Buddhisten und Konvertiten bilden das gesamte Spektrum buddhis- tischer Schulrichtungen ab, wobei gegenwĂ€rtig der tibetische Buddhismus und der japanische Zen-Buddhismus die grĂ¶ĂŸten Gruppierungen darstellen. Dabei gibt es viele Gruppen, die entweder stark ĂŒberwiegend asiatisch geprĂ€gt sind und in denen vor allem die Pflege der heimatlichen Kultur wichtig ist, oder die von Konvertiten geprĂ€gt sind, und in denen ein/e Meister/in und dessen oder deren Lehre und Praxis der Linie im Vordergrund steht. Die Zahl der mit dem Buddhismus Sympathisierenden ist den Verkaufszahlen entsprechender Publikationen, etwa von Thich Nhath Hanh oder dem Dalai Lama, nach zu urteilen sehr hoch. Die AnfĂ€nge des Buddhismus in Deutschland sind vielfĂ€ltig. Eine wesentli- che Rolle spielten der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788–1860) und die ersten Übersetzungen von Orientalisten, welche die Begegnung mit buddhis- tischem Gedankengut in Form von Texten ermöglichten. Martin Baumann 6 nennt Paul Carus (1852–1919) und Dr. Karl Eugen Neumann (1865–1915) als erste Buddhisten Deutschlands, beide sind ebenfalls ĂŒber das Studium der Texte und Schriften zum Buddhismus gekommen. 7 In Leipzig grĂŒndete bereits 1903 Dr. Karl Seidenstücker (1876–1936) den Buddhistischen Missionsverein in Deutschland, 1905 dann die Buddhistische Gesellschaft in Deutschland und 1907 die Mahabodhi-Centrale. Einige der frühen Leipziger Buddhisten 8 lasen den Buddhismus als arische Religion und standen antisemitischen Ideen nahe 9 . Diese noch stark als intellektuelle BeschĂ€ftigung mit buddhistischer Philosophie geprĂ€gten AnfĂ€nge wandelten sich langsam zu Gruppen, die sich als religiös verstanden. Der Jurist Georg Grimm (1868–1945) gründete mit dem Arzt Dr. Paul Dahlke (1865–1928) die „Altbuddhistische Gemeinde“. Dahlke erbaute 1924 in Berlin-Frohnau das Buddhistische Haus. Die Herrschaft der Nationalsozialisten ab 1933 unterbrach diese Entwicklungen, auch wenn der Buddhismus nicht aktiv verfolgt wurde, bis auf die zum Buddhismus konver- tierten Juden. 10
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