V - 3

Bah‡'

📖 Leseprobe – 2 von 29 Seiten
BAH’ V - 3 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 25. EL 2010 1 V - 3 Bah ’ VONCONSTANCEHARTUNG Geschichte Hintergrund Trotz relativ junger Entstehungsgeschichte ist die Bah ’-Religion mit ihren etwa fünf Millionen Gemeindeangehörigen 1 weltweit längst nicht mehr aus der Religionsgeschichte der letzten beiden Jahrhunderte wegzudenken. Wer nach dem geistigen Hintergrund dieser Religion fragt, wird zunächst deutliche Einflüsse der Glaubenswelt und Geschichte des schiitischen Islam erkennen, aber zugleich ist sie in ihren Anfängen als „iranische Religion“ 2 zu begreifen, d. h. beeinflusst von Lehren des Zoroastrismusund Manichäismus. Kennzeichen der Schiasind die besonderen Imam-Vorstellungen, die eine eigene Eschatologie beförderten. Innerhalb der Zwölfer-Schia steht der 12. Imm, ‘Al ibn Muhammad Simmari, der 873 (= 260 nach islamischer Zeitrechnung) entrückte, und damit der verborgene Mahdiim Mittelpunkt. Als Muhammad ibn al-Mahdiwird er am Ende aller Zeit wieder erscheinen. In der Zwischenzeit treten nach schiitischer Vorstellung Mittlergestalten auf, die den Kontakt zwischen ihm und den Menschen bewirken können. Der al-Mahdigilt als soteriologische Gestalt und geistiger Führer in einem Reich des Friedens und der Gerechtigkeit. Geprägt von den eschatologischen Vorstellungen der iranischen Shaikhiya, einer Gruppe am Rande der schiitischen Orthodoxie, und der Erwartung des al-Mahdierklärte sich Sayyid ‘Al Muhammad in der Nacht vom 22. zum 23. Mai 1844 zum Bb, d. h. zum „Tor zum kommenden Imam“. Er erhob da- mit den Anspruch, der Wegbereiter des Mahdi zu sein. In einer Kaufmannsfa- milie 1819 in Shiraz geboren und in einem schiitischen Umfeld aufgewachsen, kam er auf der Suche nach dem verborgenen Imam, dessen Kommen er in na- her Zukunft wähnte, in Berührung mit der Shaikhiya. Naherwartungen des Retters der Endzeit waren in der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht selten, da der 1000. Jahrestag des Verschwindens des 12. Imam (= 1260 nach dem islami- schen Mondkalender) kurz bevorstand. Nach ersten Verkündigungen seiner Offenbarungen sammelte sich um den Bb eine zunächst aus 18 3 Anhängern --- Seite 1 Ende --- V - 3 BAH’ 2 bestehende Gefolgschaft, die später zu einer Massenbewegung anwuchs und zunehmend auch Kritik an religiösen sowie politischen Missständen übte. Un- ter den frühen Anhängern befand sich auch eine Frau, Qurrat al-‘Ayn Thira. 4 Viele theologische Lehrinhalte, die im Islam zentral sind, wurden aufgenom- men und neu diskutiert. Infolge seiner öffentlichen Wirksamkeit im kritischen Gegenüber zu den po - litischen wie auch religiösen Führern im Land wurde der Bb im Jahr 1845 verhaftet. Er kam nach Isfahan, danach über weitere Haftorte bis nach Tabriz. In dieser Zeit entstanden seine Hauptwerke, u. a. der persische und der arabi- sche Bayn. Im Bayn wurden religiöse Neuerungen gegenüber dem Islam ge- nannt, u. a. die Änderung der Gebetsrichtung von Mekka zum Haus des Bb in Shiraz, die Abschaffung eines geistlichen Standes und die kultische Neuge- staltung des rituellen Jahres. Er bildet somit als zentrale Schrift das systema- tische religiöse Fundament des Bbismus. Seine Verkündigung führte 1848 auf der Versammlung von Badasht zur endgültigen Trennung seiner Bewegung vom Islam und der offiziellen persischen Staatsreligion. Das Verhältnis zur po- litischen Führung Persiens verschlechterte sich zusehends. In dieser Zeit be- gann der Bb sich selbst in seinen Verkündigungen zunehmend als den Imam al-Mahdizu deuten, der am Ende der Zeiten zurückkehrt. Die Idee eines eige- nen Bbi-Staates im Iran wurde öffentlich laut. Diese Entwicklungen führten zu bewaffneten Revolten, an deren Ende grausame Verfolgungen und das Ver- bot der Bewegung standen. Am 9. Juli 1850 wurde der Bb hingerichtet. Zunächst verborgen gehalten, fanden die sterblichen Überreste im Jahr 1909 am Abhang des Karmel über der Stadt Haifa ihre letzte Ruhestätte. Die eschatologische Vorstellung von der Gestalt des zukünftigen Offenbarers, „den, den Gott offenbaren wird“ (man yuzhiruhu’ll h), innerhalb der Bbi-Re- ligion eröffnete in den folgenden Jahren Möglichkeiten weitreichender Inter- pretation. Die frühe Gemeinschaft Nach seinem Tod musste innerhalb der ahl-i Bayn, den Anhängern des B b, ein neues Oberhaupt bestimmt werden. Die beiden Halbbrüder M rz Husain ‘Al Nr , bekannt unter dem Ehrentitel Bah ’u’ll h („Herrlichkeit Gottes“), und M rz YahyNr , genannt Subh-i Azal(„Morgenglanz der Ewigkeit“) gehörten zur charismatischen Jüngerschaft der ersten Zeit. Zunächst übernahm der jüngere Subh-i Azal (geb. 1830) die Leitung der Bbis. Nach einem ge-Westarp Science – Fachverlage
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 29 Seiten