IV - 8.1.3

Islamisch-theologische Studien an der Universität Wien – Theologie im modernen akademischen Kontext

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Islamisch-theologische Studien an der Universität Wien IV - 8.1.3 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 65. EL 2020 1 Zusammenfassung In diesem Beitrag wird zunächst die Notwendigkeit der Etablierung einer islamischen Theologie bzw. damit verbundenen theologischen, strukturellen Problemen angesprochen. Anschließend zeigt der Beitrag am Beispiel des Institutes für islamisch-theologische Studien an der philologisch-kulturwis- senschaftlichen Fakultät, wie der Prozess der Akademisierung islamischer Theologie an einer europäischen Universität aufgebaut wurde. Im Abschluss setzt sich der Beitrag mit den verschiedenen Akteuren und deren Erwartun- gen an die Islamische Theologie auseinander. Schlagwörter Islamische Theologie, Islamwissenschaften, Universität Wien, Islamische ReligionslehrerInnen IV - 8.1.3 Islamisch-theologische Studien an der U niversität Wien. T heologie im modernen akademischen Kontext [Islamic Theological Studies at the University of V ienna. Theology in a Modern Academic Context] Von Ednan Aslan Submitted February 28, 2020, and accepted for publication June 22, 2020 Editor: Serdar Kurnaz Summary This article first addresses the need to establish Islamic theology and the theological, structural problems associated with it. The article then uses the example of the Institute for Islamic Theological Studies at the Faculty of Philological and Cultural Studies to show how the process of academizing Islamic theology was set up at a European university. In conclusion, the contribution deals with the various actors and their expectations of Islamic theology. Keywords Islamic theology, Islamic studies, University of Vienna, Islamic teachers of religion --- Seite 1 Ende --- IV - 8.1.3 Islamisch-theologische Studien an der Universität Wien 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Islamische Theologie im europäischen Kontext Mit dem Beginn der europäischen Aufklärung sah sich die Theologie in die Defensive gedrängt 1 . Auf der einen Seite drohte Gefahr von der unaufhaltsa- men Säkularisierung der neuen nationalen Staaten. In dieser neuen Ordnung vertraten die Theologie und der säkulare Staat zwei komplementäre Positionen: Der weltanschaulich-neutrale Staat und sein Rechtssystem bildet den institu- tionellen Rahmen, in dem die Religionen und ihre Theologien ihre autonome Selbstvertretung genießen. Im Gegenzug erkennt die Religion die Rechtsset- zung und das Gewaltmonopol des Rechtsstaats an und beschränkt ihre theolo- gische Beschäftigung auf die unmittelbaren Gegenstände der religiösen Praxis und Glaubenslehre 2 . Auf der anderen Seite sah sich die Theologie immer mehr von den empirischen Wissenschaften, vor allem in der Gestalt der Geschichtswissenschaften, heraus- gefordert. Die Letztere betrachtet Religion und somit auch das Christentum als kulturgeschichtliches Phänomen, also als Teil einer historischen Entwicklung. In seiner „Kurze(n) Darstellung des theologischen Studiums“ bemüht sich der evangelische Theologe Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768–1834), der Theologie ihren Platz im Spektrum der modernen Wissenschaften aufzuweisen. Dies versucht er durch eine innere Einteilung und Organisation zu erzielen. Er gliedert die Theologie dreifach: philosophische Theologie, historische Theo- logie und praktische Theologie 3 . Die universitäre Theologie als bekenntnisgebundene Wissenschaft steht seit- dem in einem Spannungsverhältnis zwischen ihren normativen Ansprüchen und den historisch-hermeneutischen und kritischen Zugängen der modernen Wissenschaften 4 . Dieses Verständnis der Theologie – entstanden als Produkt der modernen europäischen Wissenschafts- und Universitätsgeschichte seit der Auseinandersetzung mit der „Vernunft“ der Aufklärung – steht im Kontrast zu den Formen islamisch-theologischer Wissensverwaltung, die an den meisten theologischen Bildungsinstitutionen der islamischen Länder und an zahlreichen privaten islamischen Bildungsinstitutionen in einigen europäischen Ländern und der USA gepflegt werden 5 . Die universitäre Institutionalisierung der islamischen Wissenschaften in Ös- terreich fügt sich so in einen gefestigten gesellschaftlichen und akademischen Konsens über die Rolle und das Selbstverständnis der Theologie auf der aka- demischen Ebene in einem säkularen Staat. Islamische Theologie kann sich somit nicht auf die Verwaltung und Lehre des islamischen Traditionswissens beschränken. An österreichischen Universitäten institutionalisiert, muss sie sich selbst einer fundierten Selbstkritik ihrer Methoden und Theorien unterziehen
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