IV - 8.1

Islam in Österreich

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Islam in Österreich IV - 8.1 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 61. EL 2019 1 Zusammenfassung Der Islam in Österreich hat eine lange, mehrere Jahrhunderte lange Geschich- te. Die wichtigste Serie von Ereignissen mögen die Belagerungen von Wien sein. Im Gegensatz zur allgemein vertretenen Sicht ist die Lage des Islams in Österreich durchaus wechselhaft, schwankt zwischen negativen und po- sitiven Aspekten Der erste Schritt in die Moderne wird vom Islamgesetz 1912 markiert, auf der die Gründung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) basierte. Es wurden in den letzten Jahren zwei wei- tere Gemeinschaften (Aleviten und Zwölferschiiten anerkannt). Das neue Islamgesetz 2015 markiert eine neue Etappe der Entwicklung des Islams in Österreich. Die Lage des Islams in Österreich kann als vielfältig und hoch- dynamisch beschrieben werden. Schlagwörter Islam in Österreich, Islamgesetz 1912, Islamgesetz 2015, Belagerung von Wien, religiöse Dynamik, Aleviten IV - 8.1 I slam in Österreich [Islam in Austria] Von Rüdiger Lohlker Editor: Udo Tworuschka Summary Islam in Austria has its own long history going back several centuries. The most important case may be the Ottoman sieges of Vienna. Contrary to com- mon perception there is a more complicated history oscillating between hos- tility and a more positive approach. Following a historical overview the most import break is the Law on Islam 1912 as the first law on Islam in Western European countries. The modern development of Islam in Austria begins in 1979 with the establishment of the Islamic Religious Community in Austria (IGGÖ). Two other officially recognized communities were recognized in the last years (Alevites and Twelver Shiites). The next step was the promulgation of the new Law on Islam 2015. Islam in Austria can now be described as a highly diverse and dynamic set of phenomena. --- Seite 1 Ende --- IV - 8.1 Islam in Österreich 2 Westarp Science – Fachverlage 1 Geschichte des Islam in Österreich Der Islam in Österreich kann auf eine mehrhundertjährige Geschichte zurück- blicken, die nicht unbedingt friedfertig verlief. Die habsburgisch-osmanischen Kriege sind so auch Teile des historischen imaginaires Österreichs. Aktuell ist von 700.000 MuslimInnen in Österreich auszugehen. Auch für Österreich ist festzustellen, dass sich die ersten Kontakte zum Islam in der Kreuzzugsbewegung ergaben. Eine ganze Anzahl österreichischer Herzöge hat mit ihrem Gefolge an Rittern an mehreren solchen Zügen teilgenommen. Auf diese Zeit wird traditionell ebenfalls der Beginn des griechischen Einflus- ses in Wien zurückgeführt. Eine bekannte Episode ist die Gefangennahme des englischen Königs Richards I., genannt Löwenherz, auf seiner Rückkehr vom dritten Kreuzzug 1192 bei Wien. Es ist anzunehmen, dass es in den folgenden Jahrhunderten immer wieder zu Kontakten und zur Anwesenheit von Muslimen in Österreich kam. Diese Situation änderte sich mit dem Vordringen der Osmanen auf den Balkan. Zwar wird bereits im 10. Jahrhundert von der Anwesenheit baschkirischer und wolgabulgarischer Muslime im Burgenland als Folge der ungarischen Ausbrei- tung ausgegangen. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden von Ungarn Petschene- gen (zu den Turkvölkern gehörender, bedeutender oghusischer Stamm), unter denen es auch Muslime gab, als Grenzwächter angesiedelt. Beginnend mit 1476 erreichten muslimische Truppen das restliche Österreich. Es wurde im jährlichen Rhythmus immer wieder Niederösterreich, Oberös- terreich, die Steiermark, Kärnten und Krain von türkischen und bosnischen irregulären Truppen überfallen. Die osmanisch-habsburgischen Kriege hatten ihren Höhepunkt in den Belage- rungen von Wien durch die Osmanen, deren letzte 1683 scheiterte. Im Gefolge dieser Niederlage sind einzelne oder Gruppen des osmanischen Heeres aus der Gefangenschaft heraus in Österreich sesshaft geworden, oft auch konvertiert worden. Aus diesen kriegerischen Auseinandersetzungen entwickelte sich ein eigenstän- diges orientalistisches Feindbild, das bis in die Gegenwart virulent blieb. Einige Beispiele: Das Wappen der Schwarzenberger mit einem Türkenkopf, dem ein Keywords Islam in Austria, Law on Islam 1912, Law on Islam 2015, Siege of Vienna, Religious Dynamics, Alevites
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