Der Islamische Verein für wohltätige Projekte IV - 3.14
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 45. EL 2015 1
OLZOG Verlag – Handbuch der Religionen – 45. EL. – Frau Voit
Stand: 12.08.2015 Druckdaten Seite 1
IV - 3.14 Die Lehren Abdullah al-Hararis in Deutschland –
Der Islamische Verein für wohltätige Projekte e. V.
(IVWP)
Von Liane Wobbe
Das Maschari-Center in Berlin
Vier Minarette schmücken das Dach der großen Umar Ibn Al-Khattab-Moschee
am Görlitzer Bahnhof in Berlin. Sie stehen für die vier Rechtsschulen im Islam,
die Schafi’iten, die Malikiten, die Hanbaliten und die Hanifiten. Die Umar Ibn
Al-Khattab-Moschee gehört zu den vier Moscheen in Berlin, die eine Kup-
pel und Minarette besitzt und deshalb bereits von außen rein bautechnisch als
muslimische Gebetsstätte erkennbar ist.
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Das gesamte Gebäude trägt auch den
Namen Maschari-Center und wurde vom Islamischen Verein für wohltätige
Projekte e. V. ( IVWP e. V.) gebaut.
Dieser Verein steht in der Tradition der weltweiten Bewegung der Association of
Islamic Charitable Projects ( AICP), die ihrerseits auf den islamischen Rechts-
Abb 1: Umar Ibn Al-Khattab Moschee
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IV - 3.14 Der Islamische Verein für wohltätige Projekte
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Stand: 12.08.2015 Druckdaten Seite 2
gelehrten äthiopischer Herkunft, Sheikh Abdullah al-Harari (richtiger Name:
Abdullah ibn Muhammad ibn Yusuf al-Harari), zurückgeht. Die Association of
Islamic Charitable Projects ist heute in vielen muslimischen Kreisen auch unter
dem Namen al-Ahbash oder al-Habaschi bekannt. Al-Ahbash leitet sich von
dem arabischen Begriff al-Habasha ab. Als al-Habasha (auch al-Ahbash oder
l-Habash) wurden Muslime aus Abessinien (frühere Bezeichnung für Äthiopi-
en) von arabischen Muslimen bezeichnet. Dieser Begriff diente vor allem zur
Unterscheidung äthiopischer Muslime mit ihrer etwas helleren Haut von den
schwarzafrikanischen Muslimen. Und da der Begründer der AICP, Abdullah
al-Harari, zur Erinnerung an dessen äthiopische Herkunft auch den Namen
Abdullah al-Habaschi (Abdullah, der Abessinier, der Äthiopier) führt, übertrug
man den Begriff der al-Habaschis oder al-Ahbash auch auf dessen Nachfolger.
Seit längerer Zeit jedoch ist dieser Begriff innerhalb der Gemeinschaft um-
stritten. Während sich die einen mit dem Namen als Nachfolger des Gründers
identifizieren, empfinden andere Anhänger die Bezeichnung al-Ahbash als
Diffamierung von außen, da er von anderen Muslimen leider oft im Zusammen-
hang mit den Begriffen „Sekte“ und „Ungläubige“ benutzt wird. Aus diesem
Grund distanzieren sich auch die Mitglieder des Berliner Islamischen Vereins
für wohltätige Projekte davon.
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Geografische und biografische Wurzeln des Begründers Abdullah al-Harari
Eine besondere Rolle für diese muslimische Richtung spielt das 300 Jahre
vor Mohammed christianisierte Land Äthiopien, welches damals den Namen Abessinien trug. In dieses Land, das im 7. Jahrhundert von einem christlichen
König regiert wurde, erfolgte bereits 615 bis 616 die erste Hijra , die „Auswande-
rung“ einiger Gruppen der ersten islamischen Gemeinschaft. Als bekanntester
äthiopischer Muslim galt der erste Muezzin unter Mohammed, Bilal bin Rabah,
auch Bilal al-Habaschi genannt. Um 1.000 n. Chr. hatte sich die äthiopische Stadt Harar zur islamischen Hauptstadt am Horn von Afrika entwickelt. Vom
10. bis 19.
Jahrhundert war sie sogar ein islamisches Emirat mit politischer
Unabhängigkeit innerhalb des christlich regierten Äthiopien (Abessinien) und diente als Vorbild islamischer Integration in christlich dominierter Politik und
Gesellschaft. Die stark muslimisch geprägte Stadt gilt auch als Geburtsstadt des
1910 geborenen Abdullah al-Harari. Nach der Überlieferung seiner Anhänger
soll Abdullah al-Harari schon in frühen Kindertagen mit der Kenntnis des
Koran und der Hadithe eine besonders ausgeprägte Intelligenz unter Beweis
gestellt haben. So erhielt er bereits vor seinem 18. Lebensjahr die Erlaubnis Westarp Science – Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 21 Seiten
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