Die Muslimische Jugend in Deutschland e. V. (MJD) IV - 3.12.1
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 26. EL 2010 1
IV - 3.12.1 Die Muslimische Jugend in Deutschland e. V. (MJD)
Von Verena Maske
Angebote islamischer Jugendarbeit gibt es wenige in Deutschland. Moschee-
gemeinden, muslimische Organisationen und Dachverbände bieten meist tra-
ditionellen Unterricht im Sinne klassischer Koranschulen durch Lehrer aus den
jeweiligen Herkunftsländern an, die oft die deutsche Sprache und Lebenswirk-
lichkeit nicht kennen. Junge Muslime lernen dort, den Koran auf Arabisch zu
rezitieren, meist jedoch ohne die Inhalte zu verstehen und auf ihr alltägliches
Leben zu beziehen.
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Auch wenn ein solcher Unterricht von Freizeitangeboten
und Hausaufgabenhilfen ergänzt wird, fehlt es den Jugendlichen an Möglich-
keiten, sich vor ihrem lebensweltlichen Hintergrund mit ihrer Religion ausei-
nanderzusetzen. Islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen gibt
es lediglich im Rahmen von Modellprojekten einiger Bundesländer.
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In den
letzten Jahren entstanden verschiedene Initiativen zur Bildung von privaten
islamischen Mädchengruppen, Studentenvereinigungen, Web-Communities
sowie Jugendgruppen und Jugendorganisationen.
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Im Folgenden soll eine solche Initiative, die Jugendorganisation Muslimische
Jugend in Deutschland e. V. (MJD), porträtiert werden, indem ihre Geschichte,
Organisationsstruktur, ihr Selbstverständnis, ihre Angebote und Aktivitäten
sowie ihr gesellschaftliches Wirken und ihre Außenwahrnehmung skizziert
werden. Schließlich folgt eine Einordnung des Vereins in den Kontext aktueller
islamischer Jugendkultur.
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Geschichte
Die Idee zur Gründung der MJD kam 1994 bei einem Zeltlager für junge Mus-
lime im Haus des Islam (HDI), einem Zentrum deutschsprachiger Muslime in
Lützelbach auf.
Beeindruckt von den Young Muslims UK,
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deren Organisation
einige Jugendliche bei einer Reise nach London kennengelernt hatten, kam
der Wunsch auf, eine ähnliche Vereinigung auch in Deutschland ins Leben zu
rufen. Das HDI stand nach eigenen Angaben Pate bei der Gründung der MJD:
Muhammad Siddiq übernahm den Gründungsvorsitz von 1994 bis 1995, stellte
Räumlichkeiten zur Verfügung und unterstützt die MJD auch weiterhin.
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In Berlin und Karlsruhe entstanden 1994 die ersten beiden sogenannten Lokal-
kreise als regelmäßig angebotene islamische Jugendarbeit vor Ort. Es folgte die
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Gründung weiterer Lokalkreise unter anderem in Bielefeld (1995), München
(1996) und Stuttgart (1999). Insbesondere nach 2001 entstanden in größeren
Städten deutschlandweit viele weitere Lokalkreise.
In Berlin begann im April 1995 der erste überregionale, monatlich stattfindende
MJD-Kurs mit 35 Teilnehmern, in dem neben islamischem Grundlagenwissen
auch Informationen zur Jugendarbeit vermittelt wurden. Im Juni 1995 fand
das erste bundesweite, seitdem jährlich stattfindende MJD-Meeting mit über
200 Teilnehmern in Aachen statt.
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Organisationsstruktur
Die MJD ist als Verein organisiert, der bundesweit aktiv ist. Sie versteht sich als
eine selbstständige, unabhängige und transparente islamische Jugendorganisa-
tion, die sich für die freiheitlich demokratische Grundordnung engagiert und von
Jugendlichen selbst gestaltet wird. Mitglied können Jugendliche im Alter von 13
bis 30 Jahren werden. Neben einer regulären Mitgliedschaft besteht seit 2007
auch die Möglichkeit einer „Basismitgliedschaft“ ohne Rechte und Pflichten.
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Mit der Selbstbezeichnung „Muslimische Jugend in Deutschland“ schwingt der
Anspruch mit, für alle muslimischen Jugendlichen in Deutschland zu sprechen.
Die MJD besteht jedoch nach dem Vorstandsvorsitzenden Hischam Abul Ola
überwiegend aus bildungsnahen jungen Muslimen mit hohen Bildungsaspira-
tionen und -abschlüssen, darunter auch zahlreiche Jugendliche bikultureller
Herkunft sowie Konvertiten. Außerdem engagieren sich überwiegend Mädchen
im Verein.
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Waren es zunächst hauptsächlich Kinder arabischstämmiger Eltern,
so engagieren sich heute zunehmend Jugendliche mit türkischen Wurzeln.
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Die
MJD ist mit 800 bis 900 Basis- und 300 bis 400 aktiven Mitgliedern mittler-
weile zur zweitgrößten muslimischen Jugendorganisation in Deutschland nach
der Jugendabteilung von Millî Görü ú herangewachsen.
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Die MJD finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Einnahmen aus
Veranstaltungen und den Gewinnen aus ihrem Medienhandel und Verlag Green
Palace.
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Es besteht die Möglichkeit einer Fördermitgliedschaft etwa für Eltern,
welche die Arbeit der MJD unterstützen wollen.
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Da die Jugendarbeit der MJD ehrenamtlich ist, kann und soll sich jedes Mitglied
an der Arbeit beteiligen, beispielsweise bei der Planung von Veranstaltungen,
der Pflege von Außenbeziehungen, bei Finanzen, Internet und Technik, der Westarp Science – Fachverlage
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Der vollständige Artikel umfasst 24 Seiten
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