Familienberatung von muslimischen Migrationsfamilien IV - 3.7.3
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 62. EL 2019 1
Zusammenfassung
Der Beitrag handelt von muslimischen Migrationsfamilien als Zielgruppen
von Familienberatung in Deutschland, die heterogene Lebenslagen und multi-
ple Belastungen (sozioökonomische, psychosoziale und familiäre) aufweisen.
Zudem bringen sie spezifische Voraussetzungen für die Familienberatung
(Mehrsprachigkeit, Religion, Werte, Erziehungsziele/-stile) mit, welche die
bestehenden Familienberatungsstellen nicht ausreichend wahrnehmen. Somit
besteht eine Unterversorgung dieser Zielgruppen. Daher werden die Zugangs-
barrieren der bestehenden Familienberatungsstellen und die Zugangschancen
zu muslimischen Migrationsfamilien dargestellt, wobei auf ihre Beratungsbe-
dürfnisse und auf ihre Anforderungen an eine Familienberatung eingegangen
wird. Dieser Beitrag dient der Aufklärung und dem Perspektivwechsel in
der Versorgung muslimischer Migrationsfamilien in der Familienberatung.
Schlagwörter Familienberatung, Eheberatung, Erziehungsberatung, Beratungshilfen, Be-
ratungsstelle, Muslime, muslimisch, Islam, Kultur, Traditionen, Mehrspra-
chigkeit, interkulturell, kultur- und religionssensibel, interkulturelle Öffnung,
Migrantenorganisationen, Versorgung, Zugangschancen, Zugangsbarrieren,
Inanspruchnahme, Inanspruchnahmebarrieren, türkisch, arabisch, Eltern,
Kinder, Jugendliche, Zielgruppe, lebensweltorientiert
IV - 3.7.3 F amilienberatung von muslimischen
M igrationsfamilien in Deutschland
[ Family counseling of Muslim migration families
in Germany]
Von A ylin yAnik-ŞenAy
Editor: Udo Tworuschka
Summary
The article deals with Muslim migration families as target groups of family
counseling in Germany, which show heterogeneous life situations and mul-
tiple burdens (socio-economic, psychosocial and familial). In addition, they
provide specific prerequisites for family counseling (multilingualism, reli-
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IV - 3.7.3 Familienberatung von muslimischen Migrationsfamilien
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Westarp Science – Fachverlage
0 Einleitung
Durch die Einwanderung von Arbeitskräften auf der Grundlage von Anwerbe-
abkommen mit der Türkei (1961), Marokko (1963) und Tunesien (1965), durch
Flüchtlinge aus Iran und Afghanistan in den frühen 1980er-Jahren und durch
Flüchtlinge in neuerer Zeit aus Syrien, dem Irak, Iran, der Türkei und Afgha-
nistan hat sich in Deutschland eine muslimische Bevölkerung niedergelassen.
Sie besteht aus Kindern und Kindeskindern der ursprünglich Eingewanderten,
aber auch aus neu hinzugekommenen Gruppen, die als Flüchtlinge im Rahmen
der Familienzusammenführung in Deutschland angekommen sind. Es handelt
sich bei einem erheblichen Teil um Familien, die spezifische Voraussetzungen
wie Mehrsprachigkeit, eigene Kulturen und Werte sowie ihre auf den Islam
beruhenden religiösen Glauben mitbringen oder in der Migration tradiert haben.
Sie stellen an das Beratungssystem in Deutschland besondere Anforderungen.
1 Zielgruppen und ihre Lebenslagen
Von muslimischen Migrationsfamilien als Zielgruppen von Familienberatung
wird hier gesprochen, wenn mindestens ein Familienmitglied einen Migra-
tionshintergrund aufweist, ein Kind unter 18 Jahren in der Familie lebt
1
und
mindestens ein Familienmitglied dem Islam angehört. Die Beschreibung dieser
Zielgruppen ist statistisch nicht möglich, da keine exakten Daten vorliegen. In
gion, values, educational goals/styles), which the existing family counseling
centers do not adequately perform. Thus, there is a shortage of these target
groups. Therefore, the access barriers of existing family counseling centers
and access to Muslim migrant families are presented, addressing their coun-
seling needs and their family counseling needs. This contribution serves the
enlightenment and the change of perspective in the care of Muslim migration
families in family counseling.
Keywords
Family counseling, marriage counseling, educational counseling, counse-
ling services, counseling center, Muslims, Muslim, Islam, culture, traditions,
multilingualism, intercultural, sensitive to culture and religion, intercultural openness, immigrant organizations, care, access, access barriers, recourse, bailiffs, Turkish, Arabic, parents, Children, young people, target group, life- oriented
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Der vollständige Artikel umfasst 22 Seiten
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