Die ādāb al-baḥṯ als Verbindungsscharnier IV - 1.13
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 78. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Die Dialogische Theologie (DT) und die Komparative Theologie (KT) sind
die erfolgversprechendsten Dialogkonzepte, die derzeit in Deutschland ent-
wickelt werden. Während die KT in der katholischen Theologie verwurzelt
ist und einem vergleichend systematischen Ansatz nachgeht, versucht die
DT einen multiperspektivischen Ansatz fruchtbar zu machen, bei dem das
Dialoggeschehen im Fokus steht. Ein Dialogkonzept aus dezidiert muslimi-
scher Perspektive, die mit diesen beiden Konzepten ins Gespräch gebracht
werden kann, ist ein Desiderat.
Diesem Bedarf will der vorliegende Beitrag nachgehen, indem die ʿilm ādāb
al-baḥṯ wa-l munāẓara (ABM) als ein möglicher Ansatz für die Entwick-
lung eines modernen Dialogkonzepts vorgestellt wird. Dieser Ansatz wird
bisher nicht beachtet, da die ABM als ein apologetisches Debattenmodell
verstanden wird. Dieser Beitrag stellt dies in Frage und reflektiert über die
Möglichkeit der Fortschreibung der ABM , indem sie mit der DT und KT ins
Gespräch gebracht wird.
SchlagwörterSchlagwörter
Interreligiöser Dialog, Dialogische Theologie, Komparative Theologie, ādāb
al-baḥṯ wa-l munāẓara, Diskursethik
IV - 1.13 Die ādāb al-baḥṯ als Verbindungsscharnier
zwischen Dialogischer Theologie und Komparativer
Theologie? Reflexionen zur Systematik des
Dialogs aus muslimischer Perspektive
[The ādāb al-baḥṯ as a connecting hinge between
Dialogical Theology and Comparative Theology?
Reflections on the Systematics of Dialogue from a
Muslim Perspective]
Hureyre Kam
Submitted May 10, 2023, and accepted for publication July 08, 2023
Editor: Serdar Kurnaz
--- Seite 1 Ende ---
IV - 1.13 Die ādāb al-baḥṯ als Verbindungsscharnier 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
Im Zuge des Säkularisierungsprozesses westlicher Gesellschaften ging man
davon aus, dass Religionen mit der Zeit an Bedeutung verlieren und in Zukunft
nur eine marginale Rolle für die Menschen spielen würden.
1
Diese Annahme
hat sich als eine Fehleinschätzung herausgestellt. Religionen sind weiterhin
zentral für die meisten Menschen und das trotz sinkender Zahlen der Mitglied-
schaft in Kirchengemeinden.
2
Die Forschung hat deshalb ihre Grundannahmen
bezüglich der Funktion der Religion in industrialisierten und säkularen Staaten
revidiert und stellt sich nun vielmehr die Frage „nach den Möglichkeiten und
Grenzen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion und
Kultur“
3
. Es geht heute also vielmehr um das Problem einer funktionsfähigen
und harmonischen Gesellschaft vor dem Hintergrund der stetig zunehmenden
ethnischen, kulturellen und religiösen Pluralisierung. Dass das Interesse an
interkulturellen und interreligiösen Dialogkonzepten wächst, ist daher nur
natürlich. Es ist eine Folge des Bestrebens, die Komplexität moderner Gesell-
schaften zu regulieren und Ergebnis eines gesellschaftlichen Desiderats nach
Zusammenhalt und Identität.
SummarySummary
Dialogic Theology (DT) and Comparative Theology (CT) are the most prom-
ising concepts of dialogue currently being developed in Germany. While
CT is rooted in Catholic theology and pursues a comparative systematic
approach, DT tries to make a multi-perspective approach fruitful. A concept
of dialogue from a decidedly Muslim perspective, which can be brought into
conversation with these two concepts, is a desideratum.
This paper aims to address this need by presenting the ʿilm ādāb al-baḥth
wa-l munāẓara (ABM) as one possible approach to developing a modern con-
cept of dialogue. This approach has not received attention to date because the
ABM is understood as an apologetic model of debate. This paper challenges
this and reflects on the possibility of updating the ABM by bringing it into
conversation with DT and CT.
KeywordsKeywords
Interreligious Dialogue, Dialogical Theology, Comparative Theology, ādāb
al-baḥth wa-l munāẓara, Discourse Ethics
✂️ Ende der Leseprobe ✂️
Der vollständige Artikel umfasst 24 Seiten
Der vollständige Artikel umfasst 24 Seiten