IV - 1.12

„Und jedes Tier kennt sein Preislied" – Exegetische Debatten um nichtmenschliche Tiere und ihre Lobpreisungen in den mystischen Auslegungen von al-Qu?ayr?

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„Und jedes Tier kennt sein Preislied“ IV - 1.12 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 78. EL 2023 1 ZusammenfassungZusammenfassung Im vorliegenden Artikel wird der grundlegenden Frage nachgegangen, wel- che Bedeutung und Rolle die nichtmenschlichen Tiere und ihre Lobprei- sungen innerhalb der exegetischen Debatten der islamischen Mystik haben. Dabei werden insbesondere die sufisch-hermeneutischen Zugänge zum Be- griff tasbīḥ in Hinblick auf Tiere und Natur dargestellt, um zu untersuchen, ob und wie die Frage der Frömmigkeit und Spiritualität sowohl der nicht - menschlichen Tiere als auch der unbelebten Natur in den koranexegetischen Werken der Sufi-Autor:innen thematisiert und behandelt wurden. Hierfür werden die Perspektiven eines der bedeutendsten Sufi-Gelehrt:innen und Koranexeget:innen Abū ʾl-Qāsim al-Qušayrīs (gest. 1074) anhand seines Korankommentars Laṭāʾif al-išārāt untersucht werden, wobei auch Ansich- ten und Deutungen anderer muslimischen Mystiker – vor allem die des Naǧm ad-Dīn al-Kubrās (gest. 1221) und des Abū ʿAbd ar-Raḥmān as-Sulamīs (gest. 1021) – ergänzend herangezogen werden. In diesem Zusammenhang wird im Artikel auch auf die bei den Sufis vorherrschende mystische Interpretati- onsmethode (taʾwīl/išārāt) ausführlich und begriffskritisch eingegangen, ehe sich explizit al-Qušayrīs Korankommentar angenommen werden soll. Ab- schließend wendet sich der Artikel jenen Koranversen zu, die Perspektiven auf Tierfrömmigkeit behandeln, wobei diese im Hinblick mystisch-exegeti- scher Deutungen betrachtet werden. Abschließend werden offen gebliebene Fragen und Impulse, die zur weiteren Erforschung und Auseinandersetzung mit den hier behandelten Aspekten anregen sollen, dargelegt. IV - 1.12 „Und jedes Tier kennt sein Preislied“ – Exegetische Debatten um nichtmenschliche Tiere und ihre Lobpreisungen in den mystischen Auslegungen von al-Qušayrī [„And Every Animal Knows its Praise Song“ – Exegetical Debates around Non-human Animals and their Praises in the Mystical Exegesis of al-Qušayrī] Asmaa El Maaroufi & Raid Al-Daghistani Submitted June 26, 2023, and accepted for publication September 04, 2023 Editor: Serdar Kurnaz --- Seite 1 Ende --- IV - 1.12 „Und jedes Tier kennt sein Preislied“ 2© Westarp Science Fachverlag SummarySummary This article explores the fundamental question of the significance and role of nonhuman animals and their praises within the exegetical debates of Is- lamic mysticism. In particular, the Sufi hermeneutical approaches to the concept of tasbīḥ with regard to animals and nature are presented in order to examine whether and how the question of piety and spirituality of both nonhuman animals and nonliving nature were addressed and treated in the Qur’anic exegetical works of Sufi authors. For this purpose, the perspectives of one of the most important Sufi scholars and Quran exegetes Abū ʾl-Qāsim al-Qušayrī (d. 1074) will be examined on the basis of his commentary on the Quran, Laṭāʾif al-išārāt, while also drawing on views and interpreta- tions of other Muslim mystics in a complementary manner. In this context, the article also discusses in detail and conceptually critically the mystical method of interpretation (taʾwīl/išārāt) prevalent among the Sufis before explicitly addressing al-Qušayrī’s commentary on the Qur’an. Finally, the article turns to those Qur’anic verses that deal with perspectives on animal piety, considering them in terms of mystical-exegetical interpretations. The paper concludes with some open questions and impulses that should stim- ulate further exploration and engagement with the aspects discussed here. KeywordsKeywords Animals, praise, tasbīḥ , creation, animal ethics, Islamic mysticism, taʾwīl , Qur’anic exegesis, al-Qušayrī SchlagwörterSchlagwörter Tiere, Lobpreisung, Gottesbezogenheit, tasbīḥ , Schöpfungslehre, Tierethik, islamische Mystik, taʾwīl , Koranexegese, al-Qušayrī 1 E Von Vögeln, die gemeinsam mit Prophet David Gott lobpreisen (Koran, 21:79), über Bienen, die von Gott Eingebungen erhalten (Koran, 16:68–69) bis hin zum koranischen Verweis darauf, dass jedes Geschöpf sein Preislied kenne (Koran, 24:10 und 17:44): An dutzenden Stellen des Korans tauchen Tiere auf. Dabei werden sie nicht nur als irdische Zeichen (āyāt) der Allmacht Gottes vorge- stellt, 1 sondern an mehr als zwanzig Koranstellen auch als Gott preisende und
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