IV - 1.3.1.2

Die DITIB im Spannungsfeld politischer, religiöser und gesellschaftlicher Erwartungen

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Die DITIB IV - 1.3.1.2 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 65. EL 2020 1 Zusammenfassung In diesem Beitrag wird die Gründung der DITIB (Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., Türkisch: Diyanet İşleri Türk İslam Birli ği; Sitz: Köln) und ihre Verbindung zum Diyanet betrachtet. Das Diyanet befindet sich als staatliches Präsidium seit seiner Gründung im Spannungsfeld der Erwartungen des türkischen Staates und der islamischen Religion. Mittels der Organisationsstruktur der DITIB wird die strukturelle Verflechtung der DITIB (insbesondere über ihre Imame) mit dem Diyanet dargelegt und begründet, dass eine Ketteneinflussnahme vom türkischen Staat über das Diyanet in die DITIB hinein möglich ist. Es wird nahegelegt, politische Transparenz hinsichtlich der Erwartungen an die Abhängigkeit der DITIB vom Diyanet zu schaffen. Darüber hinaus werden die umfangreichen Aktivitäten der DITIB aufgeführt und mittels eines Exkurses ein Blick auf die Aktivitäten der DITIB-gebunde- nen DB-Trade auf dem vielversprechenden Halal-Markt geworfen. Schließ- lich werden die Erwartungen an die DITIB-Imame zur Sprache gebracht und kritisch hinterfragt. Es wird betont, dass die Finanzierung der Imame ein wichtiges Kriterium auf dem Weg der DITIB in die Eigenständigkeit bildet. Schlagwörter DITIB, Diyanet, Türkei-Bindung, Imame IV - 1.3.1.2 Die DITIB im Spannungsfeld politischer, r eligiöser und gesellschaftlicher Erwartungen [DITIB in the Area of Conflict between Political, R eligious and Social Expectations] Von A ysun yAşAr Submitted February 3, 2020, and accepted for publication June 22, 2020 Editor: Serdar Kurnaz Summary In this contribution the foundation of DITIB (Turkish-Islamic Union for Re- ligious Affairs; Turkish: Diyanet İşleri Türk-İslam Birli ği) and its affiliation to Diyanet are examined. Since its founding Diyanet as a presidency of the state has been in an area of conflict between the Turkish state and the Islamic --- Seite 1 Ende --- IV - 1.3.1.2 Die DITIB 2 Westarp Science – Fachverlage religion. Using the organization structure of DITIB it is demonstrated how DITIB is structurally (especially by its Imams) dependent from Diyanet. It is argued that a chain of influence starting of the Turkish state via Diyanet into the DITIB is possible. Political transparency concerning the expectations of the dependancy of DITIB from Diyanet is suggested. Moreover the wide spectrum of DITIB-activities are exemplified. By an excursion to the activities of the DITIB-tied DB-Trade the promising issue of the halal-market is treated, too. Finally the expectations concerning the DITIB-Imams are discussed and critically scrutinized. It is emphasized that a funding of the Imams forms an important criteria for DITIB in its way to independence. Keywords DITIB, Diyanet, Turkey-Affiliation, Imams 1 Gründung Deutschland schloss am 30. Oktober 1961 ein Anwerbeabkommen mit der Türkei ab. Nach dem Anwerbestopp 1973 ging die türkische Zuwanderung nach Deutschland in reduzierter Form vornehmlich über die Familienzusam- menführung weiter. Die sogenannten Gastarbeiter, die zu Migranten wurden, und ihre Folgegenerationen hatten u.a. religiöse Bedürfnisse, der Bedarf nach Gebetshäusern und Religionsbediensteten, aber auch nach islamischer Unter- weisung wuchs stetig. In den Moscheen, oftmals aus Wohnungen oder Fabrikhallen umgebaute Ein- richtungen, arbeiteten in der Regel Laien und fungierten als Vorbeter. Das Diyanet (Abkürzung für Diyanet İşleri Başkanlı ğı, Deutsch: Präsidium für religiöse Angelegenheiten) schickte ab 1968 vereinzelt Religionsbedienstete – im deutschen Sprachgebrauch hat sich dafür der Begriff Imam (Vorbeter) etabliert – nach Deutschland. Erst nach über 20 Jahren nach dem Anwerbeab- kommen erfolgte die Entsendung von Imamen systematisch und der türkische Staat begann auf die religiösen Bedürfnisse seiner Bürger einzugehen. 1 Die erste Gemeinde der DITIB (Abkürzung für Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V., in Türkisch: Diyanet İşleri Türk İslam Birli ği) wurde 1982 in Berlin gegründet. Zwei Jahre später erfolgte die Gründung der Kölner DITIB, die später zum Dachverband aller DITIB-Gemeinden in Deutschland wurde. 2 Die Gründung der DITIB erfolgte relativ spät. Einen
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