Orientierungshilfe in der Dialektik III - 6.6.12
Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 76. EL 2023 1
ZusammenfassungZusammenfassung
Jüdische Religionslehre ist kein neues Fach in Deutschland. Sie geht auf
Moses Mendelssohn zurück und knüpft an die lange jüdische Tradition der
Erziehungs- und Bildungsarbeit unter Einbezug der Quellen des Judentums
wie Thora, Mischna, Talmud an. Jüdischer Religionsunterricht hat im Fä-
cherkanon der Schule die Aufgabe, der Kommunikation der Schülerinnen
und Schüler mit den jüdischen Traditionen in der gegenwärtigen Welt zu
dienen. Auch in der Jüdische Religionspädagogik werden jüdische Tradi-
tionen und jüdisches Lernen historisch und systematisch reflektiert und
fruchtbar gemacht. Eine Herausforderung besteht dabei darin, Lehrkräften,
Schülerinnen und Schülern die Pluralität des Judentums zu vermitteln sowie
die zwei weiteren Kanäle der jüdischen Traditionsvermittlung einzubinden:
Familie und Gemeinde. Die angestrebten Bildungsstandards sollen einen
hohen Plausibilitäts- und Praktikabilitätsgrad aufweisen und die Lernenden
befähigen, ihr Judentum selbstbewusst zu leben.
SchlagwörterSchlagwörter
Begegnung, Bildung, Bildungsstandards, Denominationen, Deutschland,
Dialog, Didaktik, Erziehung, Ethik, Familie, Identität, Judentum, jüdische Gemeinde, Lehrpläne, Pluralität, Religionspädagogik, Religionslehre, Re-
ligionsunterricht, Sozialisation, Tradition
III - 6.6.12 Orientierungshilfe in der Dialektik von
Beheimatung und Begegnung. Jüdische
Erziehung, Religionspädagogik und Religions-
lehre in Deutschland
[Guidance in the Dialectic of Home and
Encounter. Jewish Education, Pedagogy of
Religion and Religious Teaching in Germany]
Jessica Schmidt-Weil
Submitted March 08, 2023, and accepted for publication April 04, 2023
Editors: Walter Homolka, Hartmut Bomhoff
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III - 6.6.12 Orientierungshilfe in der Dialektik 2© Westarp Science Fachverlag
1 E
Die Zielsetzung der jüdischen Unterweisung seit biblischer Zeit, die Weiter-
gabe der Überlieferung an die nächste Generation, wird seit der Emanzipa-
tion als erzieherische Vermittlung jüdischer Identität verstanden, verbunden
mit der Frage, wie man diese Identität entfalten und gleichzeitig die Tradition
weitertragen könne.
1
Die Besonderheit jüdischer Erziehung und die Vielschichtigkeit der Vermitt-
lung jüdischer Identität liegt u.
a. darin begründet, dass das Judentum nicht nur
als Religion verstanden wird, sondern auch als Lebensweise über die „Vielzahl
seiner Interpretationen“,
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die nicht ohne Weiteres mit anderen Konfessionen
vergleichbar ist. Ethnizität und Zusammengehörigkeitsgefühl, die hebräische Sprache und der Israel-Bezug, aber auch die Schoa und das Fortbestehen des
Antisemitismus bilden Komponenten dieser Identität, die das religiöse Moment
ergänzen, verdrängen oder überlagern können. Bildete nach 1945 die Schoa vor
allem die Determinante, die die jüdische Identität vieler in Deutschland leben-
der Jüdinnen und Juden beeinflusste, so veränderte sich dieser Bezugspunkt in
SummarySummary
Jewish religious education is not a new subject in Germany. It goes back
to Moses Mendelssohn and continues the long Jewish tradition of religious instruction and educational work with reference to the sources of Judaism such as the Torah, Mishnah, and Talmud. In today’s syllabus, religious edu-
cation serves the communication of the pupils with the Jewish traditions
in the contemporary world. Jewish religious education also reflects Jewish traditions and Jewish learning historically and systematically and aims to makes them fruitful for our society. One challenge is to convey the plurality of Judaism to teachers and pupils, as well as to integrate the two other chan-
nels of Jewish tradition transmission: family and synagogue. The educational
standards should have a high degree of plausibility and practicability and enable students to live their Judaism with self-confidence.
KeywordsKeywords
Curricula, denominations, dialogue, didactics, education, educational stan-
dards, encounter, ethics, family, Germany, identity, Judaism, Jewish com-
munity, plurality, religious education, religious instruction, socialization,
synagogue, tradition
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Der vollständige Artikel umfasst 19 Seiten
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