III - 6.6.11

Das Kabbalah Centre in Deutschland

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Das Kabbalah Centre in Deutschland III - 6.6.11 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 61. EL 2019 1 Zusammenfassung Jüdische und kabbalistische Praktiken werden im Kabbalah Centre adaptiert, transformiert und zu einem Werkzeug der Selbstoptimierung umgewandelt. Es stellt somit ein exzellentes Fallbeispiel für die Rezeption, Adaption und Transformation älterer religiöser Traditionen in der Gegenwartskultur dar. Es spiegelt sich darin ein Trend, der bereits in mehreren religionswissen- schaftlichen Studien aufgezeigt werden konnte: das Auflösen der „modernen“ Grenzen zwischen Religion, Lifestyle, Populärkultur und therapeutischen Diskursen. Gleichzeitig wird der therapeutische Aspekt religiöser Gemein- schaften deutlich: Die Effektivität und Nutzbarkeit religiöser Praktiken treten in den Vordergrund, dagegen rücken religiöse und kulturelle Inhalte in den Hintergrund. Religiöse Narrative werden psychologisch und therapeutisch umgedeutet, religiöses Vokabular wird durch technologisches und psycho- logisches ersetzt. Der Impuls für die Teilnahme am Kabbalah Centre ist nicht die Suche nach Gott oder dem Heiligen, sondern die Möglichkeit einer stetigen Selbstoptimierung und Selbstverwirklichung. Gleichzeitig rückt das Selbst ins Zentrum der Aktivitäten des Kabbalah Centre und dessen Akteure. In der Verheißung Philip Bergs zu „[w]erden wie Gott“ 1 lässt sich die Apothe- ose des Selbst erkennen, die wohl charakteristisch für die Religiosität unserer postmodernen, westlichen Gesellschaften ist. Schlagwörter Kabbala, Kabbalah Centre, gegenwärtiges Judentum, Gegenwartsreligiosität, Populärkultur, Spiritualität Submitted February 04, 2019, and accepted for publication June 22, 2019. Editors: Walter Homolka, Hartmut Bomhoff III - 6.6.11 D as Kabbalah Centre in Deutschland [The Kabbalah Centre in Germany] Von Nicole Maria Bauer Summary Jewish and Kabbalistic practices are adapted, transformed, and converted into tools for self-optimization in the Kabbalah Centre. It thus represents an excellent case study for the reception, adaptation and transformation of older --- Seite 1 Ende --- III - 6.6.11 Das Kabbalah Centre in Deutschland 2 Westarp Science – Fachverlage religious traditions in contemporary culture. It reflects a trend that has already been demonstrated in several studies in religious studies: the dissolution of the “modern” boundaries between religion, lifestyle, Popular culture and thera- peutic discourses. At the same time, the therapeutic aspect of religious com- munities becomes clear: the effectiveness and usability of religious practices are emphasized, but religious and cultural content takes a back seat. Religious narratives are reinterpreted psychologically and therapeutically, religious vocabulary is replaced by technological and psychological. The impetus for attending the Kabbalah Center is not the search for God or the saint, but the possibility of continuous self-optimization and self-realization. At the same time, the self is at the center of the activities of the Kabbalah Center and its protagonists. In Philip Berg’s promise to “earth like God”, the apotheosis of the Self, which is characteristic of the religiosity of our postmodern Western societies, can be seen. Keywords Kabbalah, Kabbalah Centre, present day Judaism, present day religion, po- pular culture, spirituality 0 Einleitung Rote Wollfäden an den Armgelenken, die Popsängerin Madonna, die sich Es- ther nennt, Massenevents mit jüdischen Inhalten und weiß gekleidete Männer – was hat all das mit der jüdischen Kabbala zu tun? Aus jüdischer Innenperspektive betrachtet umfasst Kabbala jenen Teil der jüdischen Tradition, der sich den geheimen Aspekten der Heiligen Schrift, der Tora, zuwendet und auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblickt. Nur besonders frommen jüdischen Männern war der Zugang zu den mystischen Schriften und damit verbundenen Praktiken gewährt. Tiefgehende Torakennt- nisse, die vollkommene Identifikation mit den jüdischen Geboten und Verboten (mizwot) galten als Grundvoraussetzung, sowie ein Mindestalter von 40 Jahren. Noch heute folgen ultra-orthodoxe und chassidische Juden dieser Tradition. Im heutigen Israel/Palästina erfahren kabbalistische Gruppen nicht zuletzt durch die Popularisierung von Kabbala durch die akademische Kabbala-Forschung neu erwachtes Interesse. Spätestens seit der New-Age-Bewegung scheint Kab- bala auch außerhalb des Judentums en vogue zu sein. Durch die mediale Prä- senz des Kabbalah Centre, dessen bekannteste Anhängerin Madonna ist, sowie andere Hollywood-Stars ist die ehemals jüdische Kabbala in den letzten Jahren
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