III - 6.6.4

Rabbiner – Rabbinerseminare –Rabbinerkonferenzen

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Rabbiner – Rabbinerseminare – Rabbinerkonferenzen III - 6.6.4 Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 57. EL 2018 1 III - 6.6.4 Rabbiner – Rabbinerseminare – Rabbinerkonferenzen Von Heinz-Peter Katlewski Zusammenfassung In diesem Artikel werden historische und aktuelle Grundinformationen ver- mittelt über: Rabbiner – Rabbinerseminare – Rabbinerkonferenzen (speziell in Deutschland). Schlagwörter Rabbiner, Rabbinerseminare, Rabbinerkonferenzen Summary This article provides historical and current basic information about: Rabbis - Rabbinerseminare - Rabbinerkonferenzen (especially in Germany). Keywords Rabbis, Rabbinical seminaries, Rabbinical conferences 1 Rabbiner Etymologischer Hintergrund des Begriffes „Rabbiner“ ist die semitische Wurzel „raba“ („groß sein“). Die Wörter „Raw“ (hebräisch) oder „Rabbi“ bzw. „Rab- buni“ (aramäisch) bedeuten in etwa „Mein Herr“, „mein Meister“ oder „mein Lehrer“. In der Antike war das in Judäa eine Ehrenbezeichnung für herausra- gende Schriftgelehrte abseits der Priesterkaste und den mit ihnen verbundenen Sadduzäern. Sie kamen aus der seinerzeit populären theologischen Bewegung der Pharisäer (hebr. „persuschim“ = Abgesonderte). Anders als Priester und Sadduzäer, die nur den Wortlaut der fünf Bücher Mose, also der sogenannten schriftlichen Tora als jüdisches Gesetz gelten ließen, legten die Pharisäer Wert darauf, die biblischen Schriften auszulegen, für neue Umstände zu deuten und in diesem Sinne Fragen an den Text zu stellen. Im neuen Testament hat diese Bewegung zwar eine schlechte Presse, doch jüdische Gelehrte und viele christ- liche Theologen teilen heute die Auffassung, dass Jesus von Nazareth selbst ein Teil dieser durchaus vielfältigen Strömung im Judentum war. --- Seite 1 Ende --- III - 6.6.4 Rabbiner – Rabbinerseminare – Rabbinerkonferenzen 2 Westarp Verlagsservicegesellschaft mbH, 39326 Hohenwarsleben Nach der Zerstörung des Jerusalemer Tempels und der Vertreibung eines gro- ßen Teils der Bevölkerung im Jüdischen Krieg 70 n. Chr. wurde diese, vom Tempel weniger abhängige Richtung, als rabbinisches Judentum zum Judentum schlechthin. Die Synagoge wurde als Haus der Versammlung (Bet haKnesset), des Gebets (Bet haTefila) und der Lehre (Bet haMidrasch) zum Zentrum des jü- dischen Lebens und half den fortan zerstreut lebenden Juden, Tempel und Opfer durch das Studium der Tora (hebr. für Weisung) und ihrer Auslegungen sowie durch religiöse Alltagspraxis, insbesondere aber durch die Feier des Schabbat zu ersetzen. Die Schriftgelehrten spielten dabei die entscheidende Rolle. Sie debattierten ihre Interpretationen des biblischen Textes, insbesondere der fünf Bücher Mose, und schufen in diesem Diskurs bis ins frühe Mittelalter hinein die sog. mündliche Tora: Auslegungen, die für den jüdischen Lebenswandel als Halacha (hebr. für Wandeln) weitgehend verbindlichen Charakter annahmen. Sie lieferten Diskussionsbeiträge dazu, aber illustrierten auch mit zahlreichen Erzählungen und Gleichnissen ihre Weltsicht. Dazu gehört auch das Narrativ, dass Gott dem Moses auf dem Berg Sinai nicht nur die schriftliche Tora über- mittelt habe, sondern darüber hinaus die Erklärungen und Deutungen für alle Zeit und alle Fälle: die mündliche Tora. Sie müsse stets auf der Basis dessen, was frühere Generationen – die Weisen – schon erkannt hätten, bewahrt oder erneuert werden. Diese Auseinandersetzungen haben eine umfangreiche Li- teratur an Kommentaren, Diskussionsprotokollen, Beschlüssen und Codices hervorgebracht. Als das bekannteste Werk dieser Art kann der Talmud (he- bräisch für Belehrung, Studium) gelten. Er setzt sich aus der Mischna (hebr. für Lehre), einer Entscheidungssammlung aus dem 2. Jhdt. n. Chr. zusammen, ergänzt um die viel umfangreichere Gemara (aramäisch für Lernen, Studieren), die die fortgesetzten Diskussionen der folgenden Jahrhunderte wiedergibt, die nun aber ihrerseits wieder kommentiert wurden und zum Teil zu weiteren Ent- scheidungen führten. Der Rav, Rabbi oder Rabbiner – wie immer diese Person bezeichnet wurde und wird – war und ist zuerst eine, die sich in diesem Dickicht aus Glauben, Ethik und religiösem Recht zurechtfindet und eine Gemeinde lehren kann, danach zu leben. Das war aber bis weit ins Mittelalter hinein kein Beruf – im Gegenteil: Es galt für Männer zwar geboten und ehrwürdig, Tora zu lernen und sich darin Wissen anzueignen, aber als verdammungswürdig, damit Geld zu verdienen. Das änderte sich erst allmählich, wohl auch durch das Vorbild der christlichen Geistlichkeit. Rabbiner waren für die örtlichen Juden Lehrer, aber solange die weltlichen Herrscher den jüdischen Gemeinden die Gerichtsbarkeit in ihren Angelegen-
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