III - 6.3

Die jüdische Gemeinschaft nach 1945

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Die jüdische Gemeinschaft nach 1945 III - 6.3 III - 6.3 Die jüdische Gemeinschaft nach 1945 Die deutsch-jüdische Symbiose war im Holocaust vernichtet worden! Es hat wohl kaum jemand damit gerechnet, daß es nach der Schoa wieder Juden in Deutschland geben würde. Aber bereits in den ersten Nachkriegsjahren ver­ zeichnete man, zumal durch Zuwanderung von osteuropäischen Juden einen Mitgliederstand von mehr als 26.000, der jedoch nach der Staatsgründung Isra­ els drastisch absank. Am 19. Juli 1950 wurde der „Zentralrat der Juden in Deutschland“ gegründet und am 20. August 1951 erfolgte die Neugründung der „Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland“. Sie war erstmalig 1917 gegründet worden, als Antwort auf die Not der Millionen aus Osteuropa ge­ flüchteten Juden. Die Anregung dazu ging von Bertha Pappenheim (1859-1936) aus, der Begründerin des „Jüdischen Frauenbundes“. Nach der Massenabwanderung im Jahre 1952 ging man davon aus, daß es in Deutschland keine jüdische Gemeinschaft mehr geben würde. Das erwies sich als Irrtum, insofern als etwa 15.000 Juden, vorwiegend osteuropäischer Her­ kunft, blieben - sozusagen „auf gepackten Koffern“. 1955 setzte auch eine klei­ ne Rückwanderungswelle ehemaliger deutscher Juden ein, welche in der Fremde nicht heimisch geworden waren. Der Antisemitismus in Osteuropa führte zur Einwanderung aus Ungarn (1956), der Tschechoslowakei (1968) und Polen (1968 u. 1973). Die nach der Wiedervereinigung Deutschlands erfolgende, ver­ traglich vereinbarte Zuwanderung von Juden aus den GUS-Staaten (sogenann­ te jüdische Kontingentflüchtlinge) führte zu einem signifikanten Anstieg der jüdischen Einwohnerzahl sowie zu einem Synagogen-Boom, insofern als neue Synagogen errichtet werden mußten. Heute zählen die jüdischen Gemeinden in Deutschland weltweit zu den ganz wenigen jüdischen Gemeinschaften, welche über ein Wachstum verfügen. Nach den statistischen Angaben der Zentralwohlfahrtsstellc ist die Mitglieder­ zahl von 15.920 im Jahre 1955 auf 57.541 am 30. Juni 1996 gestiegen. Hinzu kommen jene Juden, die sich - aus welchen Gründen auch immer - keiner Synagogengemeinde angeschlossen haben; das American Jewish Year Book 1996 gibt für Dezember 1994 eine Schätzzahl von 20.000 an (1996, S. 289). Im ein­ zelnen ergibt sich nach den Organisationsformen in selbständigen (Groß-) Ge­ meinden und Landesverbänden der folgende statistische Überblick zum 30. Juni 1996: Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- III - 6.3 Die jüdische Gemeinschaft nach 1945 Landesverband Gemeinde Baden 2.704 Bayern 8.775 davon München 5.096 Berlin 10.272 Brandenburg 293 Bremen 595 Frankfurt 6.111 Hamburg 3.016 Hessen 2.958 Köln 2.517 Mecklenburg-Vorpommern 368 Niedersachsen 4.110 davon Hannover 2.443 Nordrhein 7.431 davon Düsseldorf 3.858 Rheinland-Pfalz 505 Saar 642 Sachsen 384 Sachsen-Anhalt 364 Thüringen 136 Westfalen 4.866 davon Dortmund 2.699 Württemberg 1.494 Gegenwärtig ist es noeh so, daß die Zahl der Todesfälle die der Geburten bei weitem übertrifft, das Wachstum der Gemeinden erklärt sich also ausschließ­ lich durch Zuwanderung. So sind z.B. über die Hälfte der Mitglieder in Berlin Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion. Das führt zu einem hohen Grad an Heterogenität mit allen daraus folgenden Problemen für die Gemeinden: „Herkunftsländer, Zeitpunkt der Einwanderung in die BRD, Religiosität und Zugehörigkeitsgefühl zur jüdischen Gemeinschaft variieren in hohem Maße“ (Leitfaden, o.J., S. 7). Die Integration der russischen Juden, die bis zum 30. Juni 1996 die Zahl von 35.292 erreicht hat, stellt die Gemeinden und die Zentralwohlfahrtsstelle vor schwierige Probleme. Für den Gottesdienst müssen jene Teile des Sidur, wel­ che stets bilingual in Hebräisch und Deutsch abgedruckt sind, in lateinischer 2 Westarp Science - Fachverlage
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