III - 5.3

Organisationsformen des Judentums – Die Situation in Israel

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Die Situation in Israel III - 5.3 III - 5.3 Die Situation in Israel Im modernen Israel gibt es keine strikte Trennung von Staat und Synagoge. Durch Weiterführung des aus der osmanischen Zeit stammenden Millet [„Nation“]-Systems bis in unsere Gegenwart gibt es ein quasi staatliches Rabbinat. Das multi-ethnische und multi-religiöse Osmanenreich hatte als offi­ ziellen Führer der jüdischen Gemeinden den Hacham Baschi („Gelehrtes Ober­ haupt“) anerkannt, ein Titel, den der sephardische Oberrabiner in Palästina bis 1918 führte. Gleichzeitig nannte sich der in Jerusalem residierende sephardische Oberrabbiner seit dem 17.Jh. Rischon le-Zijon, „Erster in Zion“ (vgl. Jes 41,27). In britischer Mandatszcit entstand dann 1921 durch Errichtung auch eines aschkenasischen Oberrabbinats das duale Oberrabbinat Israels mit je einem sephardischen und aschkenasischen Oberrabbincr. Die derzeitigen, 1993 für zehn Jahre gewählten Amtsinhaber stehen an der Spitze einer Institution, der rund 630 Stadt- und Bezirksrabbincr angehören, die Dajanim oder Richter an Rabbinatsgerichten sowie am obersten Rabbinatsgerichtshof und schließlich die Raschei Jeschivot, die Oberhäupter der 7b//zmd-Hochschulen (Loth, 1993). Das Rabbinat in Israel ist ausschließlich orthodox und hat - wie in osmanischer Zeit - die exklusive Jurisdiktion in Personenstandsangelegenheiten inne. Dazu gehören vor allem Eheschließung, Scheidung und Übertritt zum Judentum („Wer ist Jude?“), welche ausschließlich aus dem Blickwinkel der Halacha entschie­ den werden. Während in der Diaspora die Rabbiner aus den freiwilligen Beiträ­ gen der Gemeinden besoldet werden, verfügt das Rabbinat hier über eine staat­ liche Besoldung und großzügige Subventionierung orthodox-religiöser Einrich­ tungen (Loth 1996, S. 346L). Die Jeschivot, von denen viele auch ultra-ortho­ dox geführt werden, florieren wie nie zuvor in der Geschichte des Judentums und ziehen Studenten aus der ganzen Welt an. Auf der Gcmeindeebenc sorgen „Religiöse Räte“ für die notwendigen religiö­ sen Einrichtungen wie Mikve, Friedhof, Registrierung von Ehen, Aufrechter­ haltung von Synagogen und die Förderung religiöser Studienzirkel. Obgleich die Parteien auch ihre Vertreter in diese Einrichtungen schicken, werden diese doch vom orthodoxen Rabbinat dominiert. Die ersten Frauen konnten erst nach höchstrichterlichcr Entscheidung mitarbeiten. Staatliche Gesetze sorgen zudem für die Einhaltung von Kaschrut, Sabbatruhc und Beobachtung der Feiertage. Mit aller Entschiedenheit werden konservative und liberale Rabbiner und de­ ren Amtshandlungen abgelchnt (siehe III - 5.2). Diese Haltung der israelischen Orthodoxie entspricht nicht dem pluralistischen Charakter des Judentums! Es kommt noch hinzu, daß unverkennbar die Tendenz besteht, den Monopolan­ spruch des Oberrabbinats auch auf die Diaspora auszudehnen - was zu Span- Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- III - 5.3 Die Situation in Israel nungen mit dieser führt. Aber kleinere Gemeinden wie z.B. die in Deutschland sind darauf angewiesen, ihre Rabbiner aus Israel zu holen. Auf diese Weise hat das deutsche Judentum in den letzten Jahren einen zunehmend orthodoxen Charakter angenommen (siehe III - 6.3). 2 Westarp Science - Fachverlage
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