III - 5.2.1

„Durch Wissen zum Glauben" – Die Wissenschaft des Judentums im Kontext der Rabbinerausbildung

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„Durch Wissen zum Glauben“ III - 5.2.1 Klöcker/Tworuschka/Rötting: Handbuch der Religionen | 77. EL 2023 1 ZusammenfassungZusammenfassung 2022 jährte sich die Eröffnung der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zum 150. Mal. Der Begriff „Wissenschaft des Judenthums“ ist eine Schöpfung von Leopold Zunz (1794–1886). Zunz und Rabbiner Abra- ham Geiger (1810–1874) setzten zwei ganz unterschiedliche Akzente bei der Ausgestaltung der Wissenschaft des Judentums. Zunz ging es darum, die jüdische Literatur und Geschichte an der Universität vertreten zu las- sen. Geiger ging es um die Veränderbarkeit der zeitlichen Ansprüche an die Theologie. Das Jüdische Lexikon von 1928 kennzeichnet seine Stellung im Kreis der Begründer der Wissenschaft des Judentums damit, dass er bestrebt war, die Wissenschaft und die historische Kritik für die Theologie, für die religiöse Reform und für die Neugestaltung des Judentums „in der Rich- tung auf die Weltreligion“ zu verwerten. Der Historiker Arndt Engelhardt fasst das so zusammen: „Hatte Zunz die Wissenschaft des Judentums an die Philologie gebunden und damit gleichsam säkularisiert, so widmen sich die reformorientierten Juden der Begründung einer jüdischen Theologie“. 1 Der vorliegende Beitrag hat die akademisch ausgerichtete Rabbinerausbildung in Deutschland in Geschichte und Gegenwart im Fokus. SchlagwörterSchlagwörter Emanzipation, Haskala, Judentum, Jüdische Theologie, liberales Judentum, Rabbinerausbildung, Reformjudentum, Wissenschaft des Judentums III - 5.2.1 „Durch Wissen zum Glauben“ ‒ Die Wissen- schaft des Judentums im Kontext der Rabbiner- ausbildung [„Through Knowledge to Faith“ ‒ The Science of Judaism in the Context of Rabbinical Training] Walter Homolka Submitted October 25, 2022, and accepted for publication June 01, 2023 Editors: Walter Homolka, Hartmut Bomhoff SummarySummary 2022 marks the 150th anniversary of the opening of the Hochschule für die Wissenschaft des Judentums iin Berlin. The term „Science of Judaism“ is --- Seite 1 Ende --- III - 5.2.1 „Durch Wissen zum Glauben“ 2© Westarp Science Fachverlag 1 Von der jüdischen Aufklärung zur Wissenschaft des Judentums Der Publizist Ernst Gottfried Lowenthal (1904–1994) bemerkte 1972 zum 100. Jahrestag der Eröffnung der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums am 6. Mai 1872: „Die Begründung der modernen Wissenschaft des Judentums war, so hat es Leo Baeck mehr als einmal formuliert, neben der Entwicklung einer zeitgemäßen Sozialarbeit und der Schaffung und Erhal- tung der Einheitsgemeinde, einer der großen Errungenschaften des deutschen Judentums.“ 2 Diese Wissenschaft mit der sich daraus im späten 19. Jahrhun- dert entwickelnden Rabbinerausbildung, die die Grundlage für die heutige Ausbildung liberaler und konservativer Rabbiner und Rabbinerinnen weltweit darstellt, ist eine vergleichsweise junge Disziplin. 3 Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es keine umfassende wissenschaftli- che respektive universitäre Auseinandersetzung mit dem Judentum. Lediglich in den theologischen Fakultäten setzte man sich mit dem Hebräischen als „phi- lologia sacra“ und mit der Hebräischen Bibel als Grundlage des christlichen Glaubens auseinander; alles Nachbiblische galt somit als uninteressant oder gar als Fehlentwicklung. Der erste Versuch, eine umfassende Geschichte der Juden zu schreiben, stammte von einem Nichtjuden, dem Hugenotten Jacques a creation of Leopold Zunz (1794‒1886). Zunz and Rabbi Abraham Geiger (1810‒1874) set two quite different accents in the shaping of the Science of Judaism. Zunz was concerned with having Jewish literature and history represented at the university. Geiger was concerned with the changeability of the temporal demands on theology. The Jüdisches Lexikon of 1928 charac- terizes his position in the circle of the founders of the Science of Judaism by saying that he strove to utilize science and historical criticism for theology, for religious reform, and for the reorganization of Judaism „in the direction of world religion.“ The historian Arndt Engelhardt summarizes it this way: „If Zunz had tied the Science of Judaism to philology and thus, as it were, secularized it, the reform-oriented Jews devoted themselves to the founding of a Jewish theology“ (Engelhardt: Arsenale jüdischen Wissens, 2013, p. 124). This article focuses on academically oriented rabbinical training in Germany in history and the present. KeywordsKeywords Emancipation, Haskalah, Jewish Theology, Judaism, Liberal Judaism, Rab- binical Training, Reform Judaism, Science of Judaism
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