Die Rabbiner III - 5.2
III - 5.2 Die Rabbiner
Die qualifizierten religiösen Autoritäten und Lehrer im Judentum sind die Rab
biner, eine Bezeichnung, die sich herleitet von hebr. Rabbi, „mein Meister“.
Galt der Rabbiner bis zur Emanzipation (siehe III - 6.2) als Lehrer und Richter
der Gemeinde, als uneingeschränkter Führer derselben, so hat zunächst der
Chassidismus in Osteuropa diese seine Autorität erheblich in Frage gestellt.
Die Anhänger der neuen Bewegung scharten sich um ihre eigenen charis
matischen Führer, die Zaddikim (die „Gerechten“), von denen eine mystische
Union mit Gott angenommen wurde. Sie stellen eine Verbindung zwischen
Himmel und Erde her und benutzen ihre außergewöhnlichen Kräfte zum Wohle
der Gemeinschaft. Napoleons „Großer Sanhedrin“ von 1806, welcher zur Ein
richtung von „Konsistorien“ führte, schwächte das bis dahin unabhängige Rab
binat. Die Reformbewegung in Deutschland ließ im 19. Jh. einen neuen Typus
des Rabbiners entstehen, der - in Analogie zum christlichen Pfarrer und Prie
ster - nun auch spiritueller Führer der Gemeinde ist, der sich mit Predigt, Leiten
des Gottesdienstes, Erziehung und Beratung befaßt. Selbst der orthodoxe Rab
binerhat diese Funktionen inzwischen übernommen, auch wenn hier noch stärker
daran fcstgehalten wird, daß er Interpret der schriftlichen und mündlichen Tora
ist und in rechtlichen Fragen konsultiert werden kann.
Eine Besonderheit ist in manchen Ländern das Vorhandensein eines Ober
rabbiners als Repräsentant der jeweiligen Juden in einem Lande. In einem ge
wissen Sinne wird damit an zentralisierte Formen religiöser Autorität im Mit
telalter angeknüpft. Länder wie Belgien, Dänemark, England, Frankreich, Hol
land, Italien, Schweden und die Schweiz kennen dieses Amt, aber auch Un
garn, Rumänien und Rußland, Südafrika, die Türkei und schließlich Argentini
en und Venezuela. Der deutsche „Landesrabbiner“ ist dagegen eher als ein re
gionaler Rabbiner anzusprechen.
Die orthodoxen Rabbiner haben zwei Dachorganisationen: die 1902 gegründe
te „Union of Orthodox Rabbis of thc United States and Canada“ und die aus
1942 stammende „Rabbinical Alliance of America (Igud Harabonim)“, beide
in New York beheimatet und mit rabbinischcn Gerichtshöfen für Probleme von
Eheschließung und Scheidung. Ebenfalls in New York befindet sich auch wie
der die aus dem Jahre 1900 stammende internationale „Rabbinical Assembly“.
Die Dachorganisation für die Liberale und Reform-Bewegung ist die „Central
Conference of American Rabbis“ in New York und stammt aus dem Jahre 1889.
Eine kleine „Reconstructionist Rabbinical Association“ aus dem Jahre 1974
hat ihren Sitz in Wyncote, PA.
Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1
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III - 5.2 Die Rabbiner
Eines der ernsthaftesten Probleme im gegenwärtigen Judentum ist die Tatsa
che, daß die Orthodoxie weit entfernt ist von einem ökumenischen Geiste! Die
Ordination nicht-orthodoxer Rabbiner wird von den Orthodoxen nicht aner
kannt, ebenso wenig die von nicht-orthodoxen Rabbinern vorgenommenen Kon
versionen zum Judentum und vielfach auch nicht die Entscheidungen von Bäte
Din („Gerichtshöfe“) dieser Rabbiner bei Problemschcidungen. Dieses führt
nun zu ernsten Konsequenzen für die Betroffenen in Israel.
2 Westarp Science - Fachverlage
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