III - 5.1

Organisationsformen des Judentums – Die Gemeinden

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Organisationsformen des Judentums III -5 III - 5 Organisationsformen des Judentums III - 5.1 Die Gemeinden An dieser Stelle sollen nur allgemeine und grundsätzliche Ausführungen fol­ gen, zum Judentum in Deutschland möge der Leser unter Punkt 6 schauen. - Die zentrale religiöse Institution des Judentums ist die Synagoge, hehr. Bet ha- Kenesset, „Haus der Versammlung“, die möglicherweise aus derZeit des Baby­ lonischen Exils stammt. Die chassidischen Synagogen führen die Bezeichnung Sr/M,während in Deutschland im Mittelalter auch die Bezeichnung Schul und in Kreisen der Reform auch Tempel benutzt wurde. Wie zuletzt im Mittelalter üblich war, so fungieren auch heute wieder in westlichen Ländern, vor allem aber in Nordamerika, die meisten Synagogen als soziale Gemeinschaftszentren. Die zu einer Synagoge gehörenden Mitglieder bilden die Kehilla, („Gemein­ de“) eine Bezeichnung, die in einer breiten Bedeutung auch die gesamte jüdi­ sche Gemeinschaft bezeichnen kann. Ein Äquivalent ist Kahal („Publikum“, „Gemeinde“) oder Eda („Gemeinde“, „Gemeinschaft“). Letztere Bezeichnung wird z.B. in Jerusalem von den Ultra-Orthodoxen gewählt, während Scphardim sich den Titel Kahal Kadosch („Heilige Gemeinde“) zulegen. Grundsätzlich gilt, daß jede Kehilla autonom ist, was die Verwaltung ihrer in­ neren Angelegenheiten, aber auch die Anstellung des Rabbiners und das reli­ giöse Brauchtum angeht. Zu den traditionellen Aufgaben der Synagogen­ gemeinde gehören vor allem die Sorge für Kranke, Alte und die Vorsorge für das Vorhandensein eines Friedhofs und einer Chewra Kaddischa. Von gleicher Bedeutung sind aber auch Kindergarten und Religionsunterricht. Das Führungs­ gremium der Gemeinde wird heute in der Regel demokratisch gewählt; an sei­ ner Spitze steht der/die Vorstcher/in oder ein mchrköpfiger Vorstand mit einem/ einer Präsident/in - der klassische Titel war einst Parnas („Ernährer“) -, ihm beigeordnet ist der Gahhai („Einnehmer“), der für den religiösen und organisa­ torischen Ablauf in der Synagoge zuständig ist. Die Größe des Vorstandes ist abhängig von der Größe der Gemeinde selbst. Ein Schamasch („Diener“) über­ nimmt die Aufgaben eines Hausmeisters. Die Gemeinden gleicher „theologischer“ Richtung haben sich zu überregiona­ len Vereinigungen zusammengeschlossen, weil nur so gemeinsame Anliegen wie z.B. die Ausbildung von Rabbinern und Kantoren oder Chasanim („Vorbe­ ter“) erfüllt werden können. So gibt es für die orthodoxen Synagogen in Ame­ rika seit 1898 die „Union of Orthodox Jcwish Organizations of America“ mit Sitz in New York, welche sich u.a. um die Kaschrut, Eheschließung, edukative, religiöse und organisatorische Programme kümmert und die orthodoxe Gcmein- Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- III - 5.1 Die Gemeinden schäft nach außen, vor allem aber auf Regierungsebene vertritt. Zuständig für religiöse Schulen und Jeschivot (Talmud-Hochschulen) in den U.S.A. und Ca- nada ist seit 1944 die „Torah Umesorah - National Society for Hebrew Day Schools“, ebenfalls mit Sitz in New York. Zuständig für höhere Bildung im Bereich der Jüdischen Studien, aber auch säkularen Wissenschaften ist die 1886 gegründete „Yeshiva University“ in New York, während das seit 1922 beste­ hende „Hebrew Theological College“ in Skokie, IL, sich mit Jüdischen Studien beschäftigt. Die Dachorganisation für konservative Gemeinden, zu denen ein Drittel aller eingetragenen Juden in den U.S.A gehören, ist seit 1913 die „United Synago- gue of Conscrvativc Judaism“ in New York. Diese fungiert als internationale Organisation von 830 konservativen Gemeinschaften und ist um eine Unter­ stützung des konservativen Anliegens weltweit bemüht. Ihre renommierte Aus­ bildungsstätte, das 1886 gegründete „JcwishThcological Scminary of America“ in New York, bildet auch weibliche Rabbiner und Kantoren aus. Daneben gibt cs seit 1957 in New York auch noch den „World Council of Conscrvative/Masorti Synagogues“, eine internationale Repräsentanz der konservativen Bewegung, die sich u.a. auch um eine Förderung ihrer Gemeinden in Israel einsetzt. Die kleine Bewegung des Rekonstruktionismus hat sich zusammengcschlossen zur „Jewish Reconstructionist Federation“ in Wyncotc, PA, deren Anfänge auf das Jahr 1954 zurückgehen. Liberale und Reformjuden haben sich 1926 zur „World Union for Progressive Judaism, Ltd.“ zusammengefunden. Von New York aus unterstützt man das An­ liegen des „reformierten“ Judentums in aller Welt, u.a. auch in Israel. Ausbil­ dungsstätten - es werden auch weibliche Rabbiner und Kantoren ausgebildet - sind das bereits 1875 geschaffene „Hebrew Union College - Jewish Institute of Religion“ in Cincinnati sowie das Leo Baeck College in London. Die ungeheu­ re Vielfalt jüdischer Orgnisalioncn in den U.S.A. läßt sich vielleicht daran able­ sen, daß das entsprechende Verzeichnis im American Jewish Year Book 1996 die Seiten 467-536 füllt. - Die jüdischen Gemeinden in Deutschland sind bis auf Ausnahmen im „Zentralrat der Juden in Deutschland“ zusammengefaßt. Als Ausbildungsstätte gilt die Heidelberger „Hochschule für Jüdische Studi­ en“. 2 Westarp Science - Fachverlage
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