III - 3.4

Rituale der Kommunikation mit Gott

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Rituale der Kommunikation mit Gott III - 3.4 III - 3.4 Rituale der Kommunikation mit Gott III - 3.4.1 Der Sabbat: die Feier von Schöpfung, Offenbarung und Erlösung Der Sabbat, hebräisch Schahhat und jiddisch Schahhes, ist ein charakteristi­ sches Kennzeichen des Judentums und steht an Würde gleich hinter dem Jom Kippur. Er ist heilig von Anbeginn (Gen 2,1-3), seine Heiligung ist höchste reli­ giöse Pflicht, die vor allem in der absoluten Ruhe (Ex 20,10) besteht. In der Mischna Schabbat VII werden die von den Rabbincn verbotenen 39 Arbeiten angeführt: landwirtschaftliche Arbeiten, Zubereitung von Nahrungsmitteln, Bau­ arbeiten, Gebrauch des Feuers, Tragen von Gegenständen usw. Hinzu kommt das aus Ex 16,29 abgeleitete Verbot, mehr als 2.000 Ellen aus der Stadt zu gehen. Aber durch die Praxis des Eruv, „Vermischung“, können mehrere Häuser mit Höfen oderein ganzes Wohnviertel zu einem Ganzen vereinigt werden, innerhalb dessen Grenzen dann notwendige Gegenstände getragen werden dürfen. Auch die zulässige Wegstrecke kann dann verdoppelt werden. Beschneidungen sowie das Unterbrechen des Sabbats aus Gründen desPikkuach Nefesch oder der Lebens­ erhaltung sind an diesem Tag erlaubt. Die feierliche Begehung des Sabbats, der die Themen von Schöpfung, Offen­ barung und Erlösung zum Mittelpunkt hat, erfolgt einerseits in der Synagoge (siche Abbildung 3), andererseits im Hause im Kreise der Familie. Da im Ju­ dentum der neue Tag stets am Abend beginnt, erfolgt die Kahhalat Schahhat, der „Empfang des Sabbats“, am Freitagabend in der Synagoge, hebräisch Bet ha-Knesset, gewöhnlich nicht später als eine halbe Stunde nach Sonnenunter­ gang. Dieses geht auf den Brauch der Safedcr Kabbalisten zurück, die im 16. Jh.auf die Felder gingen, um die „Königin Sabbat“ zu begrüßen. Deshalb ist das Sabbatlicd Lee ha do dides schon erwähnten Alkabez ( siche III - 3.1.4) von zentraler Bedeutung: „Auf, mein Freund, der Braut entgegen, Königin Sabbat wollen wir empfangen!“ Die Anwesenden drehen sich um, dem Eingang zu, als ob die geschmückte Braut cinzichen würde. Diese Hymne ist Ausdruck der Leiden, Hoff­ nungen und Sehnsüchte des Volkes Israel. Für die Mystiker repräsentierte der Sab­ bat die göttliche Gegenwart oder Schechina. Im sephardischen Ritus wird daher auch ein Kapitel aus dem Sohar vorgelcsen. Das Abendgebet, die stehend dargebrachte Amida, enthält nur sieben von den sonst üblichen neunzehn Segenssprüchen des Schemone Esre, dem Achtzehn­ gebet, das aber faktisch 19 Segenssprüche enthält. Nach dem Gottesdienst grüßt man sich mit Schahhat Schalom, früher war es eher der Wunsch Gut Schahhes. In einigen Gemeinden findet dann noch der Kiddusch („Heiligung“) über den Wein in der Synagoge statt. Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- III - 3.4.1 Sabatt: Feier von Schöpfung, Offenbarung und Erlösung Abbildung 3: Strukturen des Sabbatabendgottesdienstes I. Kabbalat Schabhat, „Empfang des Sabbats“: Psalmen 95 - 99, 29 Hymne Lecha dodi,„Auf, mein Freund“ - Sabbatlied des Salomo Alkabez (1505-1584) Psalmen 92 - 93 II. Berachot, „Segenssprüche“: Dank für die Schöpfung der Nacht Dank für Gottes Liebe, die sich in der Gabe der Torah offenbart 3 Abschnitte des Schema Jisrael: Dtn 6,4 - 9; Dtn 11, 13 - 21; 4. Nurn 15,37-41 Dank an Gott als dem Erlöser Israels zu allen Zeiten Bitte um Schutz während der Nacht Proklamation des Sabbats III. Amida, das stehend dargebrachte Gebet: Halbkaddisch zur Einführung 3 Berachot: Gelobt seist du, Ewiger Du bist mächtig in Ewigkeit Du bist heilig 4. Beracha: Keduschat hajjom, „Heiligung des Tages“ 1. Du hast den siebten Tag = theologische Einleitung 2. Der Himmel und die Erde (Gen 2,1 -3) = Thema des Abends 3. Unser Gott und Gott unserer Väter = Kernstück 5. Beracha: Habe Wohlgefallen 6. Beracha: Wir danken dir 7. Beracha: Fülle des Friedens IV. Segnende Verkündigung von Gottes Schöpfertum: Wiederholung von Der Himmel und die Erde durch den Vorbeter und Gemeinde: der Mensch als Mitarbeiter am Schöpfungswerk Gottes V. Rezitation einer Zusammenfassung der sieben Berachot durch den Vorbeter für Nachzügler: Schild der Väter VI. Toralernen: 2. Kapitel des Talmudtraktates bSchabbat in traditionellen Gemeinden VII. Kiddusch: Heiligung des Sabbats über den Wein Hymne Alcnu als Abschluß des Gottesdienstes 2 Westarp Science - Fachverlage
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