III - 2.1

Die Anfänge der jüdischen Religion

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Die Grundlagen der jüdischen Religion III-2 III - 2 Die Grundlagen der jüdischen Religion III - 2.1 Die Anfänge der jüdischen Religion Das Judentum führt seinen Ursprung auf Abraham zurück, der nach Aussage von Gen 18,19 als erster den monotheistischen Gott JHWH verehrt habe. Da­ her werden in älteren Darstellungen die Ursprünge des Judentums in Bezie­ hung zu den biblischen Patriarchencrzählungen, dem Auszug der Hebräer aus Ägypten und der Landnahme von Kanaan gesetzt und umfassen dann einen Zeitraum von mehr als drei Jahrtausenden. Die Forschungen der letzten Jahre haben dieses Bild jedoch gründlich in Zweifel gestellt und zwingen uns heute dazu, die Entstehung von Altisrael stärker im Kontext kanaanäischer Kultur und Religion zu sehen. Israel entstand in Kanaan als eine religiöse Gruppe mit eigener sozialer, ökonomischer und kultureller Ordnung. Im Mittelpunkt stand die zum Monotheismus führende Jahweh-Religion (Gottwald 1988, S. 55. 57f.). Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Gestalt des Mose an dieser Entwicklung entscheidenden Anteil hatte. Aber wie sein ägyptischer Name bereits zeigt - Mosche ist von äygptisch msj, „gebären“, abzuleiten (die Erklärung in Ex 2,10 ist volksetymologischer Natur) -, stammte er aus einem größeren kulturellen Kontext; seine Eheschließung mit Zippora, der Tochter des midianischcn Prie­ sters Jethro, verstärkt diesen Eindruck. Die religiösen Vorstellungen des Nahen Ostens bilden folglich die Grundlagen, auf denen Altisraels „Theologie“ sich formiert. Die Geschichte der alten Israeliten von ihren Anfängen bis zur Formierung des Pentateuch (= die Fünf Bücher Moses) sind jedoch für die Geschichte des Ju­ dentums nicht von konstitutiver Bedeutung: „Seinen geschichtlichen Anfang nimmt das Judentum erst mit dem abgeschlossenen Pentateuch; die Geschichte des Judentums enthält die sich fortschrcibendc Geschichte der Interpretation der hebräischen Schriften (»die schriftliche Tora«)“ (Ncusner, 1997, S. 638 | Anm. 47]). Erst mit der Zerstörung von Tempel und Staat im Jahre 586 v.Chr., der Wegführung der Oberschicht ins Exil und die Rückkehr um ca. 450 v.Chr. begründen nach Jacob Neusncr das entscheidende „generative Ereignis“, wel­ ches bis in die Gegenwart hinein jüdische Existenz bestimmen sollte. Es ist das Paradigma (Muster) von Exil und Rückkehr, welches seit der Gründung des modernen Israel im Jahre 1948 wieder zuhöchst aktuell geworden ist. Die schriftliche Tora oder Tora des Mose, d.h.der Pentateuch, wird zum grund­ legenden Dokument des Bundes zwischen Gott und seinem Volk, welches ver­ bunden ist mit der Selbstdefinition des Volkes hinsichtlich seines Auserwähl t- scins und damit Andersseins. Aber erst mit der mündlichen oder memorierten Klöcker/Tworuschka: Handbuch der Religionen 1997 1 --- Seite 1 Ende --- III - 2.1 Die Anfänge der jüdischen Religion Tora, die um 200 n.Chr. als Mischna („Wiederholung“) kodifiziert wird, bewe­ gen wir uns auf die Gedankenwelt zu, welche bis heute grundlegend ist für das »Judentum der dualen Tora“ (Neusner) ist. Dazu gehören neben der Mischna als philosophischer Gesetzestext noch die Tosefta, die beiden Talmudim und einige wichtige Midraschim. 2 Westarp Science - Fachverlage
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